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Sabbath-Blatt · 1844-09-07 · 36 (7.9.1844) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
36 (7.9.1844)
Date
1844-09-07
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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112 bürg, als Aberglaube, Priesterthum 'und Fanatismus eine so blutige Grauelthat in unserem Vaterlande jveranlaßten, daß ihr Andenken selbst nicht die Macht der Zeit aus den Büchern unserer Geschichte je zu tilgen vermag. Der unwandelbare Grundsatz der römischen Kirche, durch den,Glauden die Geister zu beherrschen, hatte sich auch in Mecklenbürg in seiner vollen Wirksamkeit bewahrt gezeigt und eine Menge Klöster, Kapellen und Altäre, umlagert von einer kaum glaublichen Priesterschaar, ins Dasein gerufen, welche sich größtentheils weniger um das Seelenheil der ihnen anvertrauten Heerde, als um die Wolle derselben bekümmerte. Der Ablaßhandel war im schönsten Flor; dazu halte die Zucht - und Sittenlosigkeit der Leutpriester und Mönche einen so hohen Grad erreicht, daß der Bischof von Schwerin, Conrad Lost, sich gemüßigt fand, die alten Synodalbeschlüsse zu reformiren und vor Allem auf die gänzliche Abschaffung des Concubinats, in welchem viele Geistliche ohne Scheu lebten, ernstlich zu dringen. Unter den mancherlei mit reichen Spenden und from: men Vermächtnissen begabten Kapellen und Altären in der alten Stadt Sternberg war der Altar ״zu allen Gottes Hei: ligen" am kärglichsten bedacht; vermuthlich aus dem Grunde, weil der Aberglaube es gerathener und bequemer fand, sich lieber an einen Heiligen zu halten, als die ganze kanonisirte Sippschaft mit seinen Bitten zu behelligen. Der Vicar dieses Altars, Peter Däne, war in eine so bittere Armuth gerathen, daß er sich genöthigt fand, einen Juden, Namens Eleazar, um eine Darleihe von vier Schillingen anzusprechen. Derselbe zeigte sich auch dazu bereitwillig, verlangte aber zur Sicherheit ein Pfand. Da nun der arme Pfaffe nichts Eigenes zu verpfänden hatte, so gerieth er auf den unglücklichen Einfall, einen Grazen, der das Eigenthum seiner Köchin war, dem Juden in Versatz zu geben. Da erschien unerwartet und unwillkommen der strenge Befehl des Bischofs Conrad, der allen Priestern die schwere Pflicht auferlegte, binnen Monatsfrist bei einer Strafe von 10 Gulden, ihre unverehelichten Haushälterinnen zu entlassen und Peter Däne mußte sich also, ohne einen Widerspruch wagen zu dürfen, von seiner vielgetreuen Köchin trennen. Der Abschied ward durch den fehlenden Grazen beträchtlich erschwert, indem die Herbeischaffung desselben ohne Geld zu den unmöglichen Dingen gehörte. Tag für Tag ward nun der fromme geistliche Herr von dem Satan in der Gestalt seiner ehemaligen Köchin übel geplagt; mit Ungestüm forderle sie ihr Eigenthum zurück, drohete mit einer Klage beim Bischof und ließ es wahrscheinlich auch an mancherlei Ehrentiteln nicht fehlen. Eleazar konnte von seinem Hause aus, welches an der Ecke der Straße lag, Alles leicht bemerken, was in Däne's Wohnung an der Kirche vorging. Nach einer stürmischen Scene, wo die Köchin wuthschaumend unter lauten Schimpfreden dieselbe verließ, schlich Eleazar in der Abenddämmerung zu dem armen gequälten Priester. Er bezeugte demselben ein heuchlerisches Mitleid wegen seiner großen Armuth und der öffentlichen Beschimpfung, welche ihm ein böses Weib bereitete und rückte am Ende mit dem Vorschlag heraus: er wolle dem frommen Herrn, um ihn von seiner täglichen Qual zu befreien, nicht nur den Grazen ohne Pfand-Schilling und Zeichen wiedergeben, sondern ihm noch dazu einen halben Gulden schenken, wenn er dagegen zwei gesegnete Hostien, eine große für die Priester und eine kleine für die Laien, in die Hände Eleazars liefern, aber dabei auch eidlich darthun wolle, daß er solche wirklich am Altäre geweihet habe. Peter Däne bedachte sich nicht lange, er brauchte das Geld nöthiger wie der Apostel Judas Jschariot, er gab dem Juden seinen Handschlag und ging somit den Handel ein. Am Sicbenbrüdertage, den 10. Juli 1491, hielt Peter Dane das Hochamt vor dem Altäre ״zu allen Gottes Heiligen." Vor dem Beginn desselben nahm er unbemerkt und ohne Zeugen, drei Hostien aus der Büchse, legte zwei derselben unter die Altardecke, legte die eine auf die Decke, weihete sie mit den Worten der Einsetzung des SacramentS, zeigte die letztern dem knieenden Volke und genoß sie nach den Worten: ״ hic corpns e>8tmit Würde und geistlicher Salbung. Nach beendigter Messe schnitt er einen Zipfel von der seidenen Decke eines Seiten - Altars, hüllte die Hostien drein und überbrachte sie dem Juden Eleazar. Dieser empfing den ersehnten Schatz mit einem schadenfrohen Lächeln und übergab ihn seinem Weibe zur Verwahrung, welche ihn in einer Tonne voll Bettfedern verbarg, die sie zur Aussteuer ihrer Tochter bestimmt hatte. Eleazar hielt Wort; der Priester erhielt seinen Unglücksgrazen wieder und dazu den versprochenen halben Gulden. Freude und Lust herrschten am Freitage vor Jacobi in Eleazars Hause. Seine Tochter Rebecca feierte ihre Hochzeit mit Simon, des reichen Michael Aarons Sohn aus Neubrandenburg. Mehrere angesehene jüdische Familien hatten sich als Gäste dazu eingefunden. Der glückliche Hochzeitvater eröffnete nun nach der Trauungsceremonie seinen Glaubensgenossen, daß er endlich die rechten und ächten Hostien in seinen Händen habe. Er hätte zwar schon zwischen Ostern und. Pfingsten durch Vermittlung des anwesenden Jakob aus Penzlin von einem dortigen Mönche ein Paar solcher Dinger für einen Gulden erhandelt, traute aber dem Pfaffen nicht, indem er weder die Weihung derselben, wie Däne, beschworen, noch seinem Versprechen, ein Jude zu verden, nachgekommen wäre. Nachdem nun ein allgemeiner Beschluß gefaßt war, was mit dem Gott der Christen geschehen solle, ward die Ausführung desselben auf den folgenden Tag festgesetzt. Am Morgen des Sabbaths um 8 Uhr war die ganze Hochzeitgesellschaft in der geräumigen Sommerlaube hinter dm Hause Eleazars um eine große eichene Tafel versamnrlt. Auf den Befehl des Hochzeitvaters holte die Hausfrm das Tuch mit den Hostien, legte es auf den Tisch und britete es aus. Eleazar, dessen Schwiegersohn, Schirmann vor Friedland und Salomon von Teterav drängten sich heran, mt Pfriemen bewaffnet, um die Ersten bei dem beschlössenel Durchstechen der Hostien zu sein. Nach den ersten geführten Stichen, sprang die große Hostie von der Tafel

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