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Sabbath-Blatt · 1844-08-31 · 35 (31.8.1844) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
35 (31.8.1844)
Date
1844-08-31
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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139 überhaupt, hat nach ulciuer Meinung die dadurch bewirkte Zurückdrängung des Talmudunterrichtcs vorthcilhaft gewirkt. Nicht als ob ich geradezu ein Feind des Talmud wäre, und denselben unbedingt zum Scheiterhaufen verurthciltc; aber wer den frühcrn Zustand des Jugendunterrichteö bei den Juden kennt, wird meiner Meinung gewiß beistimmen. Der Tatinud war fast der einzige UnterrichtSgegenstand, hinter den sogar der Unterricht im Pentateuch (der übrigen biblisehen Bücher gar nicht zu gedenken) zurückstchen mußte. Er war cs, welcher die besten Kräfte der Jugend in Anspruch nahm, und gewöhnlich bis in ein Alter hinreichte, wo es dem jungen Manne nicht mehr möglich ivar, irgend ein Gewerbe zu erlernen, und er nothwendig dem Schacher in die Hände fallen mußte. Hierzu kommt noch die einseitige Richtung, welche das Talmudstudium den jungen Gemüthern geben mußte; die Verachtung aller nichttalmudischen Wissenschaft, und die oft zu argen Gxcessen führende Geringschätzung des Nichttalmudisten (dlm-haArez). Bereits aber beginnt die Einführung eines regelmäßigen Jugenduntcrrichtes auch auf die älteren Generationen ihren Einfluß zu üben. Eine Klasse von Mensthcu, die früher in Ucberfülle vorhanden war, geht allmälig und immer sichtbarer ihre!» Untergänge entgegen, ich meine die sogenannten Bachurim oder Talmudjünger; bald wird man von ihnen sprechen, wie von den verschwundenen Geschlechtern einer antediluvianischcn Vorzeit. Je welliger Aussichten in jetziger Zeit für den bloßen Talmndgelehrten vorhanden sind, und jemchr ein gelvisscr Grad von Schulbildung für eine jede Stellung im Leben erfordert wird, desto mehr inuß auch das Tälmudstudium dem Erlernen des für den Mell sehen Nothwendigsten weichen. Der dumpfe Nebel, welcher früher über der Masse der jüdischeu Geineinderr lag, mld jeden! Sonnenstrahl der Anfklärung und des Wissens den Eingang wehrte, fängt an sich zll zerstreuen, uild überrascht und erstaunt schaut der Jude in das Leben derW el t hiircin, Ln ein Leben, dessen frisches, frohes Dasein er früher kauur ahnte. Der unheimliche Fluch, der früher jedes nicht hebräische, ja nicht talmndifche Buch drückte, ist geschwunden, und sogar!nanches vollbärtigc, von Nunzeln gefurchte Antlitz des orthodoren Juden ninunt die Stunde wahr, wo cs heimlich ein delltsches Buch lesen kann. Das ist freilich bis jetzt alles noch imKciiu vorhanden, und die einzelnen Gemeinden bieten unzählige Abstufungen dar; auch sind einzelne Umstände nicht zu übersehen, welche der Gedeihlichkeit des Jugendunterrichtes hindernd tn den Weg treten. Zuerst: der Lehrerstand hat noch nirgends bei den Juden d i e Achtung sich erwerben können, die ihn! gebührt. Hieran ist zum Thcil die Erinnerung an die Stellung des alten Melammed Schuld, der in den drückendsten Verhältnisseri lebend, von einem jeden Familienvater insbesondere abhängig war, sich vor jedem insbesondere bücken wußte, weit die Entziehung einiger Schüler seine Existenz in Frage stellte. Auch heute noch, wo der Lehrer eine feste Stellung der Gemeinde gegenüber einnimmt, erinnert sich der Jude noch immer, daß doch der Lehrer eigentlich von ihm lebe, daß er ihn ernähre, ohne zu bedenken, daß ihm für die oft geringe Besoldung der Lehrer das Kind auf diejenige Lebenshöhe zu bringen suche, auf der allein der Werth des Lebens erkannt und der Genuß desselben erstrebt werden könne. Noch greller tritt dies hervor, wo der Jude überhaupt uoch nicht den Haß gegen die neuen Schulen, wo die Kinder (horibile diclu) den ganzen Tag entblößten Hauptes sitzen, abgelegt hat. Folge zugleich und llrsache dieser zwcideutigen Stellung ist der Umstand, daß die Lehrer nicht immer die ihrcln Stande schuldige Achtung verdienen, daß sie sich glücklich schätzen, wenn sie aus dem Lehrerstande hcraustreten können. Für diesen Uebelstand läßt sich von einer nicht zu fernen Zukunft Abhilfe erwarten. In tieferein Zusamuienhange dagegen n!it den Verhältnissen der Juden iu den preußischen Staaten überhaupt, steht der Umstand, daß sowohl die Inspektion der Schulen den christlichen Geistlichen übergeben ist, als auch der Religionsunterricht von Seiten des Staates so gut wie gar nicht überwacht wird. Jenes hat freilich seinen Grund darin, daß nur in äußerst wenigcn Gemeinden jüdische Individuen vorhanden sind, denen man eine solche Inspektion anvertrauen könnte, und Miöverhältnisse entstehen auch mu׳, wo die christlichen Geistlichcn jener pictlstischen Richtung allgehören, die alle Tage für das Volk Israel betet, und mit glaubensvollcm Vcrtrauen die Zeit, wo uns arlnen Blinden der Schleier von den Augen fallen wird, als ganz nah erivartet; der zweite Umstand ist die ilothwcndige Folge der Stellung, welche die jüdische Religion als blos ,,׳geduldete" cinnimmt; eine Stellung, als deren Konsequenz es erscheinen nlllß, au dem Gedeihen oder Verfallen dieser Religion keinen Theil zu nehmen. (Fortsetzung folgt.) Lese-Zimmer. 1. Gutachten über die Eidesleistung der Juden. (Fortsetzung.) A. Ist den eigentlichen mosaischen Lehrsatzungen zu Folge, die Handhabung, oder selbst die Berührnng heiliger Gegenstände, kein wesentliches Bedingniß zur Giltigkeit des von einem Israeliten zu leistenden Eides, vielmehr heißt es in dem von den Juden aller Welt autorisirten Codex Schulchan Aruch Jore Dea, Kap. 237, § 1/ daß der einfache Ausdruck ״ich schwöre" eine Handlung zu thun oder zu unterlassen, in welcher Sprache solcher auch geschehen möge, giltig und unverletzlich fei, denn der bloße Schwur genügt für sich, dem vielfachen Worte, die göttliche Weihe und Heiligkeit zu verleihen, die geringste Außerachtlassung eines solchen Schwurs, wird als Meineid behandelt, und von der Vorsehung mit aller Strenge geahndet, denn der Fluch Gottes und alle in der heiligen Schrift vorkom-

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