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Sabbath-Blatt · 1844-08-31 · 35 (31.8.1844) · p. Seite 138

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
35 (31.8.1844)
Date
1844-08-31
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 dem duldenden, oft niedergebeugten, hingeschlachteten Volke jene allgemein bekannte, oft bewunderte, mitunter, weil sie unbegreiflich war, als Wunder angestaunte Lebenskraft, die ihm noch heute einwohnt und in demselben Maaße wiederum zunimmt, in welchem das Bewußtsein eines Kosmopolitismus durch einen neuen Druck und durch neue Abstoßung von außen abzunehmen genöthigt wird. Der erhabene Gedanke einer besondern Absicht der Vorsehung mit uns und unfern Nachkommen erzeugt das Vertrauen auf eine entsprechende Obhut derselben Vorsehung in Beziehung auf uns; und der fromme Gedanke einer außerordentlichen Mission unter den Völkern der Erde erzeugt jene zähe, und oft angestaunte Federkraft, die zwar zusammengedrückt, aber niemals gelahmt, oft gespannt, aber nie zerrissen werden kann; die gerade immer durch die äußere Gewalt an innerer Spannkraft gewinnt, und welche, kaum vom Drucke gelöst, alsobald sich in eine höhere allgemeinere Menschenliebe ausdehnt, die noch vor Kurzem ihre ganze wunderbare Macht auf einen Kreis zusammenziehen mußte. Dies ist die Kraft jenes geistigen Impulses in den Geschlechtern Israels, dies die Macht des Glaubens, der sein Erbtheil ist. Begreiflich vermochten diejenigen, die sich außerhalb dieses Kreises befanden, von solcher hohen Würde und Kraft wenig oder nichts zu verspüren. Hielten sie es ja nicht einmal der Mühe werth, jenen Geist näher zu prüfen, der so Außerordentliches, so Wunderbares vor ihren Augen, der die Erhaltung eines veruichteten, in alle vier Winde zerstreueten Volkes unter tausendjährigen Verfolgungen, die mehr, als hinreichten, ein mächtiges Geschlecht zu vertilgen, vollbracht hat. War es doch, als ob jener tiefernste Geist, die Lebenskraft des geachteten Volkes, sich mit Absicht nach außen zu verbergen und in den Augen des Fremdlings als eine Thorheit zu erscheinen suchte! Aber auch ohne dies, wie hätten sie solches vermocht? Nach der verschlissenen, abgeblaßten Hülle; nach einer, mit Absicht unscheinbar erhaltenen Schale, wollten sie den Gehalt, den Kern bemessen, und brachten dazu noch ihre eigne Rohheit, ihren Hochmuth und Haß mit! Im Oriente sollen die Wohnungen der reichen jüdischen Familien von außen eben so ärmlich anzusehen sein, wie die der dürftigen. Wenn man aber, besonders an einem Sabbath oder Festtage zum Innern dieser schlechten Wohnungen Zutritt erhält und in die Gemächer der frommen Familie zugelassen wird: so erblickt man alle Pracht und allen Glanz des ungeahnten Reichthums hier entwickelt. Wie mit der irdischen Pracht, verhielt es sich gleichmäßig mit der geistigen eines tief erregten, frommen Gemüthslebens, jedoch mit dem Unterschiede, daß in diesem der Abstand zwischen Reich und Arm gänzlich wegsiel. Jener verachtete Trödler und Viehhändler, der unter dem lauten Hohne einer ihn verfolgenden Dorfjugend geduldig seinen Weg fortwandelte und auf den Steinwurf, der ihm unfehlbar folgte, mit einem Seufzer antwortete, hatte gewiß schon am frühen Morgen, als eben der Tag herangebrochen war, seine Seele zu dem höchsten Gedanken erhoben, den je ein menschlicher Geist gedacht hat, eine Seele je zu fassen fähig war; dieser dahinschleichende Mann, mit dem gebeugten Rücken und in Lumpen gehüllt, hatte seine Seele im Gebete zum höchsten der Geister erhoben, und ein Wort ausgesprochen, das in seiner dereinstigen vollendeten Erkenntniß die Gestalt des ganzen Menschengeschlechts zu verwandeln, zu verklären und in eine höhere Spähre emporzutragen bestimmt und mächtig ist. War nun der Tag mühseliger Arbeit, waren alle sechs ungeweihete Weckeltage unter schweren Sorgen und fast unausgesetzlen Kränkungen von außen hingebracht: so kehrte mit dem Abende, besonders mit dem siebenten, die heilige Ruhe, der stille Friede des Sabbath in das Haus des Verbannten ein. Ein neuer Geist zog in die Wohnung des Elends und wandelte sie in einen fürstlichen Palast um. Alles erschien in festlichen Kleidern. Segen und Gebete weiheten den Tag ein; ein fröhliches, festliches Mahl versammelte die Familie um die weißgedeckte Tafel. Alle Socgen, alle Leiden, alle Mühen des Werkeltages waren überwunden, und selbst die tiefe Trauer um ein durch den Tod verlornes Familienglied verschwand, so lange der Sabbath waltete; denn es ist ein Tag des Herrn, der in freudigem Seelenleben gefeiert werden soll. Alle Geschäfte des Erdenlebens sollten ihm weichen, nur das Wort des Ewigen war im Herzen und im Munde seiner Diener; Ruhe des Lebens und geistige Uebungen wechselten mit einem heiteren Gefühle eines erhöheten Lebens in dem religiösen Bewußtsein der ganzen Gemeinde. Skizzen einer Reife durch das Großherzogthum Posen im Jahre 1843. (Fortsetzung.) Eine jede jüdische Gemeinde ist'vor allen Dingen verpflichtet, eine Schule zu begründen, und dieselbe mit von der Regierung geprüften Lehrern zu besetzen. So viel Widerstand auch Anfangs diese Einrichtung an dem Fanatismus der Alten fand, so ist sie doch überall durchgesetzt, und bereits beginnen die segensreichen Folgen derselben sich zu zeigen. Abgerechnet die Nothwendigkeit eines solchen Unterrichtes für die Jugend

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