Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 35 (31.8.1844)
- Date
- 1844-08-31
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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140 wenden Verwünschungen treffen denjenigen, der widerspenstiger Weise seinen Schwur, wenn selbst solcher ohne Beruhrung der Tora geschah, nicht gehörig und pünktlich halt. 0. Nirgends geschieht in der Bibel Erwähnung von etwaigen erforderlichen ceremoniellen Förmlichkeiten bei Ablegung der Eide, sowohl im 2. Buch Moses, Kap. 20, Vers 4, wie auch im 3. Buch Moses, Kap. 19, Vers 12, und endlich selbst im 5. Kap. des 4. Buches Moses, wo es sich um die Beschwörung verdächtiger Eheweiber handelt, und dem betreffenden Priester anbefohlen wird, dem Weibe mit vielen Flüchen anzudrohen, ist jedoch die Berührung der Tora nicht anbefohlen und nicht erforderlich gemacht., (Fortsetzung folgt.) 2. Die richtige Aussprache des Namens גיקיטיליא. Die großen Geister, welche von der Erde scheiden, hinterlaffen ihren Namen, den man wenigstens richtig aussprechen sollte. Der Name גיקיטיליא *) wird von den Gelehrten verschiedenartig, aber durchaus unrichtig ausgesprochen. R. ImmanuelAboab, ein Spanier und daher zuverlässig, schreibt diesen Namen (Nomologia, S- 301): C’hequitiJIa, d. ist nach unserer Aussprache: Tschekitilja, was, wie auch die hebräische Umschreibung zeigt, am richtigsten ist. 3. Die Juden im XIV. Jahrhundert. Eine historische Skizze. (Fortsetzung) 1302. Gaston I., Graf von Foix, im Departement der Arriege, war kaum der Nachfolger seines Vaters, als er die Vorrechte bestätigte, welche der Abt von St. Antonin der jüd. Gemeinde zu Pamiers (Stadt an der Arriege) verliehen hatte. 1302. Der Herzog von Burgund ertheilt den Israeliten ein Privilegium, im Herzogthum zu wohnen und ihren Handel daselbst ferner zu betreiben, jedoch ohne daß man angehalten werden könnte, ihnen irgend eine Wucherschuld zu bezahlen. 1302- Philipp der Schöne anerkannte, als er Zwistigkeiten, welche zwischen den Kirchen zu Languedoc sich erhoben hatten, schlichtete, daß die Juden der Prälaten libito tallabiles (nach Belieben steuerpflichtig) sind. Dieser Fürst ging noch weiter, er vertheidigte in demselben Jahre die französischen Israeliten gegen die zur Vestrafung der Ketzerei eingesetzten Inquisition, allen Landvvgten, Baleien und andern Beamten wurde verboten, diejenigen Juden einzusperren, welche die Inquisition verfolgen wolle wegen Wucher, Hexerei oder anderer Verbrechen, ״die," wie er in einem königlichen, vom M. Juni 1302 datirten Schrei- *) ר' יוסף גיקיטיליא war eia berühmter Kabbalist zu Ende des 15. Jahrhunderts. ben sagt, ״nicht in den Bereich der Inquisition gehören." Auf dem Koncil, das 13(2 zu Pegnaflor gehalten wurde, wurden die spanischen Juden ebenfalls mit Mäßigung behandelt; wo vom Wucher die Rede ist, geschieht ihrer nicht Erwähnung. Es wurde jedoch die Versicherung erneuert, daß diejenigen Juden, die zum Christenthum übergehen, ihrerGüter nicht verlustig sein werden, um dadurch zum Abfall aufzumuntern. (Fortsetzung folgt.) Vermischte Nachrichten. Ein Recensent der ״Schwarzwälder Dorfgeschichten" von Berthold Auerbach — in den ״ Bl. für liter. Unterhaltung," Nr. 237 — sagt: Sein (Auerbach's) Gott ist nicht der Gott der Juden noch der der Christen, nicht der Gott der Bibel, der Exegese und Dogmatik, noch der starre philosophische Gott, die Ausgeburt des kalten, abstrakten Denkens, sondern der Gott, zu dem auch das Kind und der Greis beten können, der Gott, der sich mit uns aus dem Gemüthe erzeugt, und im innern Gefühlshimmel der Menschen seine Wohnung aufgeschlagen hat. Daher das Versöhnliche und Milde in Auerbach's gesammter Erscheinung. 2m 2. Hefte des 3. 2ahrg. des ״Magikon" findet sich folgendes Kuriosum: Im Leben des Königs der Franzosen spielt die Zahl 13 eine seltsame Nolle. Er wurde 1773 geboren, wanderte (793 aus und kehrte 1813 zurück, er steht im 13. Jahre seiner Regierung, nach 13 Jahren wird der Graf von Paris mündig. Der König hat 13 Paläste, die Civilliste beträgt 13 Millionen, am 13. Juli starb der Herzog von Orleans, der König hat 13 Kinder und Enkel und sein Leben war schon 13 Mal bedroht. (Der Name Louis Philippe hat 13 Buchstaben.) Am 28. Juli fand in Berlin die Einweihung der neuen jüd. Alterversorguugsanstalt für jüd. Greise und Greisinnen über 60 Jahre statt. — Am 3 Juli wurde in Emden der Grundstein zu einem neuen Gemeindeschullokale gelegt. In Marokko sind 3 französische Juden Konsularagenten, und in Tanger ist ein Jude franz. Konsul. — Der holländ. Violoncellist Jakob Franko - Mendes ist zum auswärtigen Mitgliede der Akademie der h. Cacilia in Rom ernannt worden. Freiherr v. Rothschild hat das Ehrenbürgerrccht der Stadt Brünn erhalten. — Der Baron von Rothschild in Neapel soll vom Papste zum Grafen ernannt werden. Viele Zeitungen melden eine zahlreiche Auswanderuug von Juden aus Tanger. Wann werden wir den Grabgesang aus die Vorurtheile gegen die Juden anstimmen können? Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.