Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 30 (27.7.1844)
- Date
- 1844-07-27
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Heber die Emaner'patiorr der Juden und Römisch-Katholischen in protestantischen Ländern. Ein Korrespondent der ״Deutschen Allgem. Zeitung" hat jüngst behauptet, daß die Protestanten kein Hinderniß in den Weg legen, um in römisch-katholischen Ländern emancipirt werden zu können; hingegen sei das Verhältniß bei den Römisch-Katholischen in protestantischen Ländern ein anderes, weitste, außer den Gesetzen des Staates auch den Gesetzen des kanonischen Rechts, ihren Bischöfen und vor Allem dem Papste zu Rom Gehorsam schuldig sind. Lassen wir diese Behauptung gelten, so kann ein protestantischer Staat dieIud e n mit weit größerem Rechte emancipiren, als die Römisch-Katholischen. Die Juden anerkennen den Grundsatz: ״ ,דיגא רמלכותא דינא Die Gesetze der Regierung sind gültige Gesetze;" sie haben kein geistlich-weltliches Oberhaupt, dem sie einen besondern blinden Gehorsam schuldig wären; das Land, welches sie väterlich aufnimmt, ist ihr Vaterland; die Bürger, die sie neben sich anerkennen, sind ihre Mitbürger: kurz, die Juden haben kein Rom, das sie leite und beherrsche. Allein die Behauptung jenes Korrespondenten ist nichts weniger als richtig; denn mit eben demselben Rechte könnte ein römischkatholischer Staat die Emancipation der Protestanten von sich weisen, weil ihnen Rom keine Autorität, keine Macht, der man Gehorsam schuldet, ist; und folgerichtig, müßte er auch den Juden, gleich den Protestanten, die Emancipation versagen. Die Waffen, welche der Korrespondent gegen die Römisch-Katholischen gebraucht, könnten die Letzteren gegen die Protestanten und Juden kehren. Wollen wir daher von jeder Einseitigkeit uns bewahren, von Vorurtheilen uns srei machen, so müssen wir das Religiöse vom Staate lostrennen, was der Ausspruch דינא דמלמחא wirklich thut. Die Regierung, als Regierung — in ein anderes Gebiet darf sie nicht übergreifen — hat das Recht, Gesetze zu geben und eine Befolgung derselben zu fordern. So, und nur so, ist eine Gleichstellung aller Konfessi'onen möglich. ״Seid umschlungen Millionen" muß die schönste Devise eines Staates sein. Der Baum, ein Bild des Gerechten. Von Dr. E. Kley in Hamburg. (Beschluß.) III. ״Und sein Blatt welkt nicht." — Bis hierher waren es die beiden Richtungen in die Tiefe und in die Breite, welche wir beobachteten; der Baum aber hat noch eine Richtung, die er verfolgt, und die ihn vollendet: es ist die Richtung zur Höhe, dahin drängt sein Laubdach und bildet dort seinen Wipfel, seine Krone. Mit der Wurzel im Boden haftend, strebt er mit der Krone zum Himmel empor. Ist auch hier der Mensch ein Baum? (5. B. M. 20. 19) Er sollte es sein; und wehe, wenn er es nicht wäre: was hätte Menschenleben für Aussichten und Hoffnungen, wenn es nicht die Richtung in die Höhe verfolgte, die sein Schöpfer ihm gegeben, wenn es nicht allein in die Erde immer tiefer eingcübe, wenn ein Blatt nach dem andem abwelkte und abfiele und in den Staub der Erde unbemerkt sich verlieren sollte? Was wäre selbst das Frucht: tragen in der Zeit, wenn nach d e r Z e it keine Aussicht wäre, wenn mit der Zeit auch die Hoffnung endete? — Wie es bei Vielen um ihre Krone stehe, können wir an ihrem Thun sehen, an ihren Reden hören; sie sprechen mit den Worten jenes Mannes in der Schrift: ,,Wahrlich, der Baum hat Hoffnung; wenn ec abgehauen wird, so kann er wieder ausschlagen, und seine Schößlinge gehen nicht aus. Wenn in der Erde seine Wurzel altert, und im Boden sein Stamm erstirbt: vom Hauche des Wassers grünt er neu empor und treibt Zweige, als wäre ec frisch gepflanzt. Aber der Mensch, so er stirbt, wird ohnmächtig; verscheidet ein Sterblicher, wo ist er dann?" (Job. 14. 7 —10- — Sie beneiden den Baum um seinen Vorzug, um seine Aussicht und Hoffnung. Ist dies auch das Bekenntniß des Frommen und Gerechten? — Wie, der Baum hätte Hoffnung, und der Mensch nicht? Der Baum grünete neu vom Anhauche des Wassers, und der Gerechte, gepflanzt an Wasserbachen, dem nur Gottes Lehre gilt, der aus Gottes Lehre täglich seine Nahrung schöpft und sein Leben sättigt, könnte welken und vergehen ohne Aussicht, ohne Hoffnung? — Nein, ״sein Blatt welket nicht:" hier ist der Vorzug des Gerechten vor dem Baume. Gewöhnlich welkt das Blatt, am Baume, sowie er seine Frucht getragen, und nur sehr wenige Bäume sind wohl, die immer grüne Blätter zeigen. Der Gerechte aber hat immer grünes Laub, sein Blatt welkt nie. Immergrün, Jmmerfrisch, Unverwelklichkeit, Unvergänglichkeit schmücket seines Lebens Krone, wohin von der Wurzel aus Alles strebend sich bildet; und je höher hinauf, je näher der Vollendung, desto süßer die Frucht, die unter dem nimmer welken Laube dem Himmel entgegen reift. ״Die gepflamt sind im Gotteshause, die da erblühen in den Vorhöfen unseres Gottes", so singt der Sabbathspsalm ״sie bleiben noch im hohen Alter frisch, sie werden saftvoll und belaubt sich zeigen"; es ist dasselbe Wort, wie unser Text gesprochen: sein Blatt welkt nicht, seine Aussicht verdunkelt sich nicht mit den Jahren, seine Hoffnung schwindet nicht im Alter, wenn so Vieles schwindet, und selbst am Grabeshügel, wo Alles, was irdisch an nns ist, in Staub zerfällt, da blüht dem Gerechten am schönsten das Immergrün der Hoffnung, nun nicht mehr Hoffnung, sondern baldige Erfüllung. Hinunter freilich den Blick gekehrt, heißt die Aussicht Tod, Grab und Grabesnacht;