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Sabbath-Blatt · 1844-07-20 · 29 (20.7.1844) · p. Seite 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
29 (20.7.1844)
Date
1844-07-20
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 immer Mangel. — Und: ״der Frucht g ieb L zu seiner Aseit," zu rechter Zeit; dies lasset uns nicht übersehen. In seiner Zeit: dies ist bei dem Baume im Jahre nur Einmal; bei dem Gerechten aber ist /,seine Zeit," die rechte Zeit Jahr aus, Jahr ein; die rechte Zeit ist die, sobald Gelegenheit vorhanden ist, sobald die Kraft es gestattet, sobald die Zeiten und Verhältnisse es fordern; die rechte Zeit zu nützen, wohlzuthun, zu erfreuen, ist jede Zeit, die ganze, Zeitlichkeit, das volle Leben. Schon früh fangt der'Gerechte ' an, als. Kind im Hause seiner Eltern, als Jüngling in seinem edlen Streben, als Mann in seinem reichen Wirken, ja, selbst noch als Greis mit seiner abnehmenden Kraft, rechnet er die Zeit als seine rechte Zeit; wie das Verhaltniß heiße, in das die Zeit ihn bringt, er ehrt, er heiligt das Verhaltniß durch sein frommes, liebevolles, reiches Wirken, er giebt edle Frucht in seiner, in jeder Zeit. Lasset es uns gestehen, m. And.! Ein größeres Heil würden wir hienieden schwerlich suchen und finden können, als solche Frucht zu tragen. Es ist groß und herrlich, also seine Bestimmung erreicht zu haben, aus einem Verhältnisse zu scheiden, aus einer Zeit in die Andere zu treten mit dem Bewußtsein, seine Frucht getragen, seine Frucht als Segen und Labsal Anderen hinterlassen zu haben; es ist eine Lieblichkeit und Herrlichkeit, wie sie dieser Herbst hat, wie sie die Natur uns jetzt schauen läßt, im Scheiden uns noch segnend: um wie viel größer, herrlicher, entzückender und beseligender nun erst, einst aus allen Verhältnissen dieser Zeitlichkeit, aus allen Zeiten dieses Erdenlebens also scheiden zu können. Doch dies führt uns zum dritten Punkte. (Beschluß folgt.) Das fliegende Blatt. Aus dem Hebräischen überseht von Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung.) } Was den Charakter der Erzählung anlangt, so kann sie ihrer Bestimmung und Form nach natürlich nur einseitig sein. Die Bestimmung ist eine partikularistisch jüdische, für die Synagogen niedergeschrieben und daher mit Bibelreminiscenzen und religiösen Fäden durchwoben; die Form ist eine ephemerische, daher das unabgeklärte Wesen in derselben wie in einem Zeitungsblatte. Dabei blickt noch allenthalben die Absicht des Verfassers durch, durchaus Alles zu vermeiden, was nicht die Hebräer berührt: er erwähnt keinen Namen eines Hetman's, er liefert keine specielle Angäbe über die Kosakenpulks, und selbst die Städte würden von ihm nicht berührt worden sein, wenn deren Erwahnung nicht für die Synagoge nothwendig wäre. Genauere Berichte über Bogdan Chmjelnicki und über seine Losreißung von Polen, so wie überhaupt!das Verhaltniß der Polen zu den saporoger Kosaken, finden sich in den andern hebräischen Schriften, aber gerade diese konnte ich nicht auftreiben. Ich bin aber der Meinung, daß auch der kleinste Beitrag zu jener Geschichte nicht ohne Interesse ist; denn das Jahr 1648 und 1649 ist nicht blos für slawische Juden, sondern auch in der Geschichte der Polen ein höchst denkwürdiges. Der Aufstand der Kosaken, vereint und in bestem Einverständniß mit den Tataren, wie die jüdischen Historiker berichten, gegen die Uebergriffe der Jesuiten und gegen den Uebermuth des polnischen Adels, ist die erste bedeutsame Kalamität der polnischen Politik, welche, allmälig fortwuchernd, endlich den Untergang des polnischen Staats herbeigeführt. Der Abfall der Ukraine von Polen ist der Wendepunkt der jesuitischen Umtriebe. Bei den Slawen findet der römischt Katholicismus keinen natürlichen Haltpunkt, daher dem Adlerstuge der Kosaken, die nur auf die Beute ihr Augenmerk gerichtet haben, das griechische Kreuz folgte, so daß die Kleinrussen in ihnen die Kämpfer für ihren Glauben erblickten. Aber auch für die politische Geschichte der saporoger Kosaken muß jeder Beitrag, welcher jenen Aufstand erläutert, willkommen sein, da die Urkunden, welche Herr Skalkowski mit so großer Mühe zusammengebracht, so reichhaltig sie auch sind, doch nicht bis zu diesem Aufstand reichen. Die saporogischen Kosaken treten mit dem Anfänge des XVl. Jahrhunderts als rein slawische Glieder auf den historischen Schauplatz, indem sie früher mit türkischen und andern asiatischen Elementen ganz durchmischt waren, und die Sichlosreißung von Polen ist ihre erste historisch wichtige That. In der jüdischen Auffassung des Kosakenlebens liegts nicht Unwahres und Unhistorisches, obgleich Hr. Skalkowski sie als eine Genossenschaft slawicher Helden oder als einen Ritterorden darzustellen sucht. Sie erscheinen auf dem Schauplatze in der That nicht anders als eine organisirte Räuberbande, auf der niedrigsten Stufe der Bildung stehend, kaum den wilden Bewohnern der Wüste vergleichbar, indem sie ohne Unterschied Freund und Feind beraubten, und wie die wilden Kirgisen oder wie früher die Tataren Menschenraub trieben und auch nur von Beute lebten. Daß die saporoger Kosaken nur Kciegerkolonien oder Krieger-Genossenschaften aus den Rusnjaken wären, also ursprüngliche Einwohner von der Ukraine, Wolynien, Podolien, Gnlizjeri, wie Hr. S. meint, ist durch Nichts begründet. Die Ansicht über das Wesen des Kosakenthums haben die Hebräer mit den an Rußland grenzenden asiatischen Stämmen gemein; denn auch diese ver» stehen unter Kosaken nur Freibeuter, welche blos des Raubes wegen sich dem ersten besten als Miethlinge hingeben. Selbst die Russen scheinen von den Kosaken keine bessere Ansicht zu haben; denn bei den Kleinrussen heißen die Personen, die um Lohn dienen, also blos als blinde Werzeuge sich dem Willen anderer unterwerfen, Kasaki, und die von den russischen Knjäsen gemietheten Polowcer zur Zeit der Bürgerkriege wurden Kosaken genannt. Daß sie mit den Tataren gemeinschaftliche Sache machten, scheint darauf

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