Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 29 (20.7.1844)
- Date
- 1844-07-20
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 hinzuweisen, daß sie aus einer Mischung von Türken, Mongolen und Slawen entstanden, was theils ihre asiatischen Sitten, theils ihre Physiognomie, theils aber auch der Umstand zu beweisen scheint, daß es vom XiV. bis zum X V 1. Jahrhundert auch Kosaken türkischen Stammes gab, wie z. B. die Azowischen, und daß nach Bronewski (in der erwähnten Geschichte) selbst die saporoger Kosaken aus einer Mischung der Slawen mit den türkischen Resten am Dnjeper entstanden sind. Außerdem ist noch darauf aufmerksam zu machen, daß der Held der Judenverfolgungen, welche Sabbati beschreibt, nämlich Bogdan Chemjelnicki, welchen die Hebräer Chmel nennen, der erste war, welcher den zügellosen Banden der sapocogischen Kosaken eine Art Statut, Universal genannt, gab, wodurch sie erst politisch existirten. Chmjelnicki hat bei Gelegenheit des Aufstandes 1648 zuerst eine gewisse Obergewalt, durch die Wahl der Kämpfer,׳ über die Saporoger erhalten, und er bestätigte ihneu den 15. Jan. 1655 in Bjela Cerkwa' alle diejenigen Privilegien und Rechte, welche ihnen dez. polnische König Stephan Batori, um sie im Zaume zu halten, in Gnadenbciefcn versprochen; aber selbst aus dem Universal ist deutlich zu ersehen, wie wenig sie ein selbstständiges Gefühl beseelt und wie sie bald dieser bald jener slawischen Macht ihre Dienste als Freibeuter anzubieten geneigt sind. (Fortsetzung folgt.) Lese-Zimmer. 1. Mährische Juden im Türkenkriege. Im Jahre 1664 führten die Türken mit den Slawen und Ungarn Krieg in Mähren, bei welcher Gelegenheit sehr viele Juden, Männer, Weiber und Kinder von den Türken weggeführt wurden, und obgleich die Meisten gegen ein Löfegcld wieder frei wurden, so blieben doch viele ganz verschollen, ohne daß man je etwas von ihrem Schicksale erfahren. Abodat ha Gerschuni, Vot. 53. Dr. I. Fürst. 2. Uebles und Gutes. Trefflich sagt Dr. A. Jung in seinem ״Literaturblatt": Das Uebel ist der Dünger für das Saatkorn der Liebe und Tugend, oder vielmehr ihre Speise. Daher hohe Tugenden und unendliche Liebe sich da nur entwickeln könneu, wo das Schicksal mit dem vollen Donner seiner Majestat einschlagt. Schon die Worte Uebel und Liebe sind nur verschieden durch den dumpfern Vokal und die Versetzung eines Buchstabens. Oft hintereinander ausgesprochen wird jedes zu seinem andern. So entsteht aus Ueblem Gutes und aus Gutem Uebles. 3. Zur Geschichte der Juden in England. Zur Zeit der Königin Anna boten die Juden dem Lord Godolphin, der damals Lordschatzmeister war, 500,000 Pfd. Sterling, wenn die Regierung ihnen erlauben wollte, die Stadt Brentfort mit dem Rechte freier Niederlaffung und unbeschränkten Handels zu kaufen. Lord Godolphin aber wies dies Gesuch zurück, weil er zwei der mächtigsten Korporationen des Reiches, die Geistlichkeit und den Handelsstand nicht verletzen wollte. — Die Abneigung dieser zwei Korporationen gegen die Juden ist heute noch herrschend: die Geistlichkeit ist pietistisch, der Handelsstand neidisch. 4. Herbart über Juden und Katholiken. Der Begründer einer neuen Philosoph. Schule, Herbart, sagte in seinen vor Kurzem erschienenen ״kleineren philosophischen Schriften und Abhandlungen^: den Katholiken muß man geradezu anmuthen, daß sie sich reformiren sollen. Es ist übrigens nicht nöthig, daß sie dabei wissentlich in die Fußtapfen einer vorhandenen Reformation hineintreten. Sie werden schon von selbst hineingerathen. Etwas Aehnliches sollte man den Juden Vorschlägen. Jedoch von Zwang und Ueberredung kann weder hier noch dort die Rede sein. — Wollten doch die Regierungen und Missionaire diese Worre eines scharfsinnigen Denkers beherzigen! Ja, wollten nur die Rabbiner bedenken, das man Reformen nicht erzwingen kann, noch ihnen beim Volke durch Ueberredung Eingang verschaffen soll. Das Volk werde belehrt, nicht blos erbaut, dann wird es sich selbst reformiren. Vermischte Nachrichten. Unter den Juden in Deutschland ist jetzt Hr. D. A. Benda Stadtrath in Berlin, und Hr. Lewald Stadtrath in Königsberg. Hr. I. H. Jacobson in Kempen beabsichtigt eine ״ kleine Bibliothek zur angenehmen und nützlichen Unterhaltung, zur Verevlung des Herzens und Bildung des Verstandes, zunächst für die isr. Jugend^ herauszugeben, worauf wir unsere geehrten Leser aufmerksam machen. Die Juden in Breslau sind vom Pöbel, bei Gelegenheit des Weberaufstandes in Oberschlesien, beunruhigt worden. Die Rädelssührer der Ruhestörer waren — Studenten. O, deutsche Jugend! wie weit bist du in deiner Aufklärung fortgeschritten. Hr. v. Rothschild in Frankfurt a. M. ist im dortigen Kasino nicht ausgenommen worden. Die Reichsstadt hat ihren Judenhaß bis auf den heutigen Tag unbefleckt erhalten. Verantwortlicher Brrleaer C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.