Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 29 (20.7.1844)
- Date
- 1844-07-20
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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114 Die jüdischen Korrespondenten in den deutschen Zeitungen. Jerusalem wurde nur durch Zwietracht in seinem Innern zerstört. Seitdem die deutsche Journalistik die verschiedenen Be- Ziehungen des Judenthums zum Christenthum und zum Staatsleben mit in den Bereich seiner Besprechungen hineingezogen, haben jüdische Federhelden in den deutschen Zeitungen sich fleißig eingefunden. Es hat dies unbedingt seine gute Seite. Das christliche Publikum wurde über jüdische Zustände aufgeklärt und hat gewiß manches alte, auf Unkenntniß des Judenthums beruhende Vorurtheil aufgegeben; die traurige Lage der Juden wurde vielen deutschen Christen näher gerückt und so sind viele Sympathien für die Emancipation der Juden rege geworden. Allein seit Kurzem treibt ein Haufen von jüd. Korrespondenzlern in den verschiedensten deutschen Blättern ein solches Unwesen, daß es an der Zeit ist, den Herren ihre Unbesonnenheit vorzuhalten. Sie berichten über Parteiungen im Judenthum, über Nabbinen- und Vorständewahlen, über einflußreiche Personen in einer Weise, die jeden ernsten Juden schmerzlich berühren muß. Da wird über die Verknöcherung der Orthodoxen geklagt, dort werden Rabbiner und Gemeindevorstände verdächtigt; hier wird behauptet, die Juden müssen sich im Sinne des Frankfurter Reform-Vereins reformiren, wenn ihre Ansprüche auf Emancipation gerecht sein sollen, dort werden die aufrichtigen und ganzen Juden verlacht und verspottet: und wozu dies alles? Wem soll durch solche elende und erbärmliche Denunciationen genützt werden? Den Juden schaden nur solche Berichte. Mögen die Herren auch beabsichtigen, durch diese Blosstellungen zu nützen, so wird ihre Absicht von der Lefewelt doch nicht erkannt. Viele, ja sehr viele Aeitungsleser nehmen nur das Judenfeindliche solcher Berichte in sich auf und werden in ihrer Verachtung der Juden noch bestärkt. Wozu in unserm Innern selbst herumwühlen — haben wir doch so viele schändliche Verläumdungen, die von Außen kommen, von uns abzuwenden! Wir selbst bekämpfen und feinden uns gegenseitig an, und verlangen Duldung und Frieden von unfern nichtjüd- Mitmenschen! ״Erst bessere dich, dann suche, Andere zu bessern!" sagte Resch Lakisch (Baba Batra, b6). Der Baum, ein Bild des Gerechten. Won Dr. E. Kley in Hamburg. (Fortsetzung.) II. ״Der seine Frucht trägt zuseinerAeit." Dies ist der zweite Punkt, und wahrlich, ein noch größeres Heil. Frucht tragen: dies ist des guten Baumes Bestimmung; um der Frucht willen ist ja der Baum lediglich da; zur Frucht treibt die Wurzel, bildet sich der Stamm, dehnen sich die Aeste und Zweige; Frucht tragen: dies heißt beim Baume leben und gedeihen. Und bei dem Menschen nicht etwa auch? — Ach ja, m. Fr.! Was ist des Menschen Wirken, was kann er von Gedeihen sprechen, so lange er keine Frucht sieht und zeigen kann? Ist dies aber Frucht, verdient das solchen Namen, was so viele Menschen in ihrem Leben schaffen und durch ihr- Wirken zu Tage fördern? Denken wir daran, daß der Baum seine Frucht trägt nur für Andere, die sie genießen: aber wie unähnlich sind die Meisten, wie lassen sie wiederum so oft vom Baume sich beschämen! Nicht wie jene Bäume in dem Gleichniß von ihrer Frucht rühmen, daß sie Gott und Menschen erfreuen, daß sie Gott und Menschen ehren (Richter 9. 8 — 13): nicht einmal sich selbst zur Ehre und Freude ist das immer, was die Menschen schaffen. — Aber der Gerechte hat solche Frucht, die Gott und Menschen wohl erfreut, bei Gott und Menschen herrlich ehrt, und ihn selbst nicht minder mit Ehre schmückt, mit Freude labt. Ist die Wurzel seines Lebens, die tief im Verborgenen ruht, der göttliche Glaube, der Stamm mit Allem, was in die sichtbare Welt hinein reicht, ist die göttliche Liebe, und diese treibt die Frucht am Baume. So weit er kann, streckt ec die Arme aus, der Welt entgegen, ihr wohlzuthun mit dem, was Gott ihm als Wohlthat verliehen, die Menschen zu ehren, wie Gott ihn geehrt, sie zu erfreuen mit dem, was er schafft und wirkt und hervorbringt. — ״Der seine Frucht giebt," sagt der Text, nicht blos trägt: geben, hingeben für Andere, nützen, erquicken, erfreuen, mit Einem Worte: wohlthun, darin erkennt er seine Bestimmung, dies regt ihm alle seine Kräfte auf, dies treibt ihn zu Allem, was er unternimmt und vollführt, treibt und schafft. Nicht für sich allein trägt er die Frucht: ״kommet," so ruft er allen Wandrern zu, die in seine Nähe kommen, ״tretet her, schützet euch ״in meinem Schatten, labet, sättiget euch an meiner Frucht." — Und welche edle Früchte sind es, die er trägt, die er giebt in die Welt hinein, den Menschen zu Nutz und Segen! Seine Menschenliebe ist nicht die gewöhnliche, die noch so viele häßliche Blößen und Flecken zeigt, sondern die reine, geläuterte, wie Gottes Lehre fordert und fördert; seine Menschenliebe ist zugleich Gottesliebe, seine Menschenachtung zugleich Achtung und Ehrfurcht gegen Gott; wenn er Menschen durch seine Frucht erfreut, so erfreut er auch den Herrn, feinen Gott, zugleich. O, an solcher Fruchttragenden Menschenliebe hat die Welt noch