Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 28 (13.7.1844)
- Date
- 1844-07-13
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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111 droht, er ruht geborgen, sicher, denn seine Nahrung Ist ihm ja gewiß, so lange der Quell in der Tiefe noch nicht versiegt. Und bei einem solchen Baume in solcher Wurzel ruhend, können Stürme noch so mächtig und gewaltig toben, sie vermögen ihn nicht zu entwurzeln, sie erschüttern ihn nicht, sie gehen an ihm vorüber, über ihn hinweg °. eine unerschütterliche Eiche, steht er da, alle Stürme überdauernd, auf seine Wurzel fußend und vertrauend. Dies aber, m. Fr.! ist kein geringes Heil, dies ist ein großes, reiches Heil für des Menschen Leben auf Erden: gleich sicher, gleich stark, gleich fest zu stehen im Glücke wie im Unglück, im Ueberflusie, wie im Mangel, im heitern, fröhlichen Sonnenschein, wie unter Stürmen und Ungewittern. Wer wünschte solches Heil nicht für sich selbst, wie könnte er schöner und glücklicher gestellt sein? Nun, Israelit! pflanze dich in solchen quellreichen Grund; das Heilige sei der Boden, Gott die Wurzel deines Lebens, daher ziehe dein Glaube seine Nahrung, aus dem Quell der Gotteslehre: ist sie deine Lust und dein Wohlgefallen, so wird sie auch ״dein Leben und die Lange deiner Tage" (5 B. M. 30. 20), so bist du der Baum, gestanzt an Wasserbächen. (Fortsetzung folgt.) Das fliegende Blatt. Aus dem Hebräischen übersetzt von *־ Dr. Julius Fürst. Das hier in einer deutschen Uebersetzung mitgetheilte ״Fliegende Blatt" führt im Hebräischen, in welcher Sprache es ursprünglich niedergeschrieben wurde, den Titel: Megilla Afah, d. h. eigentlich die fliegende Schriftrolle, die fliegende Zeitung, wofür ich aber den passenderen Ausdruck: ״das fliegende Blatt" gewählt. Der Bericht selbst berührt den eigentlichen Aufstand der Kosaken in den Jahren 1648 u. 1649, und die Losreißung des Kosakenthums von der Herrschaft Polens, um unter dem Hetman Bogdan Chmjelnicki eine selbstständige Kriegerkaste zu bilden, entweder gar nicht oder nur oberflächlich, weil der Schreiber, welcher dieses fliegende Blatt an alle Judengemeinden Europa's sendete, nur die in Folge dieses Aufstandes ausgebrochenen Judenverfolgungen, wobei über 100,000 seiner Glaubensbrüdec das Leben verloren, zu schildern beabsich^ tigte. Natürlich mußte er dabei den Punkt bezeichnen, wo der Aufstand begonnen, die Züge der Kosaken von Stadt zu Stadt schildern, wo immer blutige Spuren unter den Juden zurückgelassen wurden; und diese und ähnliche beiläufige Bemerkungen sind eigentlich für die Geschichte des Aufstandes an sich die einzigen nützlichen Ergebnisse, wenn nicht die große Judenverfolgung, wie sie in der Geschichte der Slawen nicht wieder vorkommt, auch an sich von historischem Interesse wäre. Der Verfasser, welcher inmitten der Ereignisse lebte, hieß Sabbati Ben Me'ic Kohen, und war aus Wilna gebürtig. Als einer der berühmtesten Rabbiner seiner Zeit, der durch großartige Werke über das jüdische Ehe- und Civilrecht, so wie durch seine schrifcstellerischen Arbeiten auf dem Gebiete des rabbinischen Judenthums schon vor dem Eintreten dieser Ereignisse einen großen Namen hatte, besaß er vollkommen das Recht, einen alljährlichen Fasttag zum Andenken an diese Kalamität festzustellen und durch das hier übersetzte fliegende Blatt zu motiviren, so wenig auch ein historisches Talent ihn zur Beschreibung dieses Ereignisses befähigte, oder auch die ger reimte Prosa, in welcher es geschrieben ist, ihn als einen guten Stylisten bezeichnen könnte. Außer dem fliegenden Blatte, welches gegen Ende des Jahres 1649 geschrieben und versandt wurde, hat derselbe Verfasser noch Trauergedichte (Kinnot) und Büßlieder (Selichot) in Bezug auf dieses Ereigniß geschrieben und mitversandt, wie er es selbst am Schlüsse seiner Erzählung angiebt. Die Trauergedichte und Büßlieder wurden schon 1651 zu Amsterdam in 8. gedruckt (bei Immanuel Benveniste), welchen das fliegende Blatt beigegeben wurde. Auf dem Titel heißt es ausdrücklich: nach dem lithauischen Ritual. Im Jahre 1671 wurden dieselben mit der Beigabe daselbst bei Uri Phöbos überdruckt, so wie später im Jahre 1702 zu Dyrenfurt in Schlesien. Außerdem sind noch zwei Folioausgaden von diesen erwähnten Arbeiten Sabbati's vorhanden, nämlich eine vom Jahre 1651, die andere vom Jahre 1672, und zwar beide in Amsterdam gedruckt. Die hier mitgetheilte Erzählung ohne die Lieder wurde zu Amsterdam im Jahre 1700 der jüdisch-deutschen Uebersetzung des Geschichtsbuches Schebet Jehuda von Salomo Virga, und der hebräischen Ausgabe daselbst im Jahre 1709 beigedruckt, nach welcher letzten Ausgabe die hier folgende Uebersetzung gemacht ist. Für einen spätern Bearbeiter dieser Geschichte wird es vielleicht nicht ohne Interesse sein, wenn ich literarhistorisch alles das zusammenstelle, was über diese Begebenheit von Seiten der Juden in hebräischer Sprache erschienen ist; vielleicht bietet sich auch bald die Gelegenheit dar, selbst in diesem Blatte aus den andern vorhandenen Quellen das zu ergänzen, was die Dunkelheit dieses Aufstandes zu beleuchten geeignet ist, zumal fast alle Produktionen von solchen Zeitgenossen herrühren, welche diese Begebnisse mit erlebt haben. — Außer den Arbeiten Sabbati's, der sich nach Mähren geflüchtet und dessen schönes hebr. Epitaph man noch auf dem Judenkirchhof zu Holleschau lesen kann, haben noch folgende Schriftsteller dieses Thema beschrieben: 1)M e'1'r Ben Samuel, aus Sczeberschin. Dieser schrieb noch während der Ereignisse das Werkchen ״Zuk ha-'Jttim, oder Geschichte der Judenverfolgungen in Lithauen, Rußland und Polen, veranlaßt durch die Empörung der Kosaken in den Jahren 1648 u. 1649." Zuerst gedruckt in Krakau 1650. 4., also gleich in dem ersten Jahre nach dem Ereignisse; hierauf Venedig 1656.