Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 28 (13.7.1844)
- Date
- 1844-07-13
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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119 tungen verdammen noch den Rabbiner zu Jassy, der die auf Proselyten ausgehende Schule in Bann legte! Als wenn man es in Preußen z. B. ruhig ansehen würde, wenn katholische Missionare unmündige Kinder protestantischer Eltern in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche zu führen strebten. — Das Calwer Missions-Blatt posaunt in Nr. 3 d. I. in alle Welt aus, daß 8—9 Juden in Jerusalem der Taufe nahe waren und noch Einige ״unter der Thüre" stünden — was eine bloße selbstgefällige Dichtung der Herren Missionäre ist. Der ״Orient" hat bereits vor einigen Monatcn einen Brief aus Jerusalem mitgetheilt, der den Missionsnachrichten durchaus widerspricht. Wozu werden aber solche Dichtungen veröffentlicht? Um die jüdische und christlicke Menge zu blenden und zu tauschen. — Wahrlich die Kosten des Bisthums waren besser angewendet, wenn man sie den vielen Tausenden von Hungernden reichen würde; denn vergebens sind die Bestrebungen der Proselytenmacher in der heiligen Stadt. Und wozu die Juden, die der Mutter treu gebliebenen der Tochter zuwenden? — Die Missionare mögen immerhin ihre Thatigkeit auf die Bekehrung der Heiden richten; nur die Juden mögen sie ungestört lassen. Der Baum, ein BLLd des Gerechten. Won Dr. E. Kley in Hamburg.*) I. Das Erste, worauf Alles bei dem Baume ankömmt, ist der Boden, in welchen er gepflanzt ist, in welchem er steht. Denn in dem Boden liegt ja des Baumes Wurzel, da beginnt ja des Baumes Leben, da befestigt es sich lange vorher, che der Baum in seiner spätem Entwicklung sichtbar wird; von dem Boden aus und durch die Wurzeln saugt der Baum ja seine Nahrung, die ihm zum Gedeihen und Wachsthume unentbehrlich ist; von dem Boden dringt auf unsichtbaren, verborgenen Wegen des Lebens Kraft und Saft in sein Inneres. Alles, Alles hangt von dem rechten Boden ab: ein Baum, gepflanzt in dürren Boden, in sandiges Erdreich, — wie kümmerlich wird er gedeihen, wie schnell vergehen, da ihm die rechte Nah¬ *) Aus den soeben erschienenen ״Blätter der Erinnerung. Letzte Kanzelvorträge im Neuen isr. Tempel von Dr. E. Kley. Hamburg, Verlag von Berendsohn." — Diese Predigten stehen, wegen des wahrhaft gemüthlich-religiösen Tones, in dem sie abgefaßt sind, einzig in der jüd. Predigt-Literatur da, und wir können sie unfern jüdischen, gottergebenen Lesern nicht genug empfehlen. D- R. rung fehlt. Doch ein Baum gepflanzt an Wasserbächen: ja, dies ist der rechte Boden, das rechte, einzige Erdreich, das er haben muß, damit Alles in und an ihm gefördert werde; und ein solcher Baum, gepflanzt an Wasserbächen, ist der Gerechte, der fromme Israelit. — Wo ist des Jsraeliten Boden? Ich antworte mit dem Worte, das der Herr einst zu Mosche sprach: ״Der Ort, auf welchem du stehst, ist der Boden des Heiligen." (2. V. M. 3, 5); das Heilige ist der Boden, das Erdreich, in welchem der Mensch, der Israelit, die edelste Pflanze in dem Garten Gottes, wurzeln muß; tief in das Heilige sich senken, versenken muß Jsraelitenleben, und von daher seine Nahrung ziehen in den Tiefen des Gemüthes, wenn es eine Gottespflanzung werden soll, deren der Schöpfer sich rühmt und erfreut. Gott, und nur Gott allein, ist die Wurzel unseres Lebens, ohne die wir weder Halt, noch Bestand, noch Gedeihen haben können. An dieser Wurzel, in diesem Boden muß früher schon unser Leben ruhen, von hier aus muß alles Gute, Göttliche und Heilige in Geist und Sinn, in Seele, Herz und Gemüth dringen; hier auf verborgnem, unsichtbarem Schauplatze muß es Raum gewinnen, sich ausbreiten und von da erst hinaus an's Licht und zum Leben treten. So freilich sollte es bei Allen sein; aber wie Viele lassen sich von dem Baume beschämen. Der Gerechte ist also; dort der Sabbatpsalm singt von ihm: ״gepflanzt in Gottes Haus, erblühend im Vorhof unseres Gottes"; (V. 14) und unser Psalm zeichnet ihn noch genauec, ״der nicht geht in dem Rath der Frevler, nicht steht, wo Sünder stehen, nicht sitzt, wo Spötter sitzen, sondern an der Lehre Gottes ist sein Wohlgefallen, über sie denkt er Tags und Nachts." — Gotteshaus, Gotteslehre: sehet hier den heiligen Boden, den reichen, nie versiegenden Quell, den vollen Wasserstrom, der seinen Boden tränkt, aus dem sein Leben durch die Wurzel ewig frische Nahrung saugt. — Und wo ist ein Wasser so rein, so lauter, so befruchtend, so heilbringend, wie das Lebenswasser aus dem Borne göttlicher Weisheit, wie die Lehre Gottes? — Denket euch einen, dem nur Gottes Lehre Wohlgefallen ist, der sie verlangt über Alles: o, wie reich wird das Heilige und Göttliche auf tausend unsichtbaren Wegen zu ihm dringen und sein Inneres erfüllen; welche Wurzeln wird es schlagen; wie wird der Heiligste im Himmel und auf Erden die Tiefen seines Innern ausfüllen und unumschränkt beherrschen; wie kann es seinem Leben aus diesem Einen Grunde nie an Zufluß der Nahrung mangeln! Wird einem solchen Manne der Sonnenschein des Glückes schaden? Eben so wenig, wie dem am Wasser gepflanzten Baume die Sonnenhitze und des Sommers Brand verderblich wird; er zieht seine Nahrung, seine Kraft aus dem Boden, dieser labt, erquickt nnd nährt ihn reichlich, daß er wohl bestehen kann. Und wird er in Jahren des Mangels zu sorgen, oder in der Zeit des Sturmes zu fürchten brauchen? Eben so wenig, wie der Baum in quellenreichem Grunde. Wenn von oben herab der Reger!, der Segen eine Zeit lang fehlt, wenn schlechte Zeit und Witterung so manchen Baum be-