Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 27 (6.7.1844)
- Date
- 1844-07-06
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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107 wird es im Prinzip unsere Berechtigung, jenen Gesetzen treu zu bleiben, umstoßen können, zumal wenn wir etwa sagen wollten, wir folgen in dieser Beziehung den Worten und dem Beispiele jChristi. Das Moralgesetz ist natürlich in den beiden Religionen ganz dasselbe, Christus selbst faßt das Gesetz der Menschenliebe in den Worten zusammen: ״Alles, was ihr wollet, daß euch die Leute thun, das thut ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten" Matth. 7, 12. Ganz eben so spricht sich der bekannte Pharisäer Hillel aus, Talm. Tr. Schabb, 31, 1. Also das Judenthum seinerseits enthält Nichts, was das Christenthum, nach seinen Prinzipien, nicht auch anerkennt und in die Lehre des neuen Test, ausgenommen hatte. Daher auch die ganze Christenlehre, in den Katechismen, auf der Grundlage der mosaischen zehn Gebote vorgelragen wird, worin zugleich eine faktische Anerkennung der israelitischen Offenbarungslehre liegt. Nur in zweien Punkten und ihren Consequenzen entt fernt sich das Christenthum vom Judenthum, nämlich in der Lehre vom Messias und von der Dreieinigkeit. Was indeß die erstece betrifft, so haben wir nachgeweisen, daß über die messianischen Zeiten beide Confesiionen vollkommen einig sind, so auch darüber, daß dieselben noch nicht erfüllet seien. Nur in Hinsicht der Messianität Christi waltet ein Widerspruch, der sich aber durch die Bemerkung löset, daß es dem Christenthum, auf seinem Standpunkte, allerdings beglaubigt erscheint, wie der gekommene Christus mit der Hauptperson der, nach seinen und der Apostel Andeutungen noch zu erwartenden Zeiten, identisch sei, das Christenthum selbst aber zugeben müsse, wie dem Judenthum diese Beglaubigung in der wirklichen Erfüllung jener Zeiten noch erst bevorstehe. Bei dem durchaus ideellen Charakter der messianischen Zeit, nach allen Schilderungen der Propheten, die außer der Bekehrung aller H.e i d e n (die jetzt noch den b e i w e i t e m g r ö ß e r n Theil des Erdbodens einnehmen), eine vollkommene Umwandlung aller menschlichen Verhältnisse, aller gegenseitigen Be- Ziehungen der Völker, voraussetzen, darf man kaum darauf aufmerksam machen, daß es den Israeliten nur wie ein bloßer Scherz Vorkommen müsse, wenn Christen sich mitunter das Ansehen geben, zu glauben, daß es Jene in ihren gegenwärtigen Bestrebungen und Unternehmungen irgend wie beirren könne (daß es sie etwa gerüstet sein lasse, an irgend einem der nächsten schönen Tage, unter ihrem Könige Messias, mit Sack und Pack nach Jerusalem aufzubrechen), was sie in den Propheten von ״dem Ende der Tage" lesen. Tod und Ewigkeit sind unstreitig den Einzelnen der gegenwärtigen Generationen naher und gewisser, als das Erlebniß jener Verhältnisse. Und doch, wie schwach leider!wirkt selbst diese Gewißheit auf das Thun der in das Zeitliche versunkenen Menschheit ein! In Hinsicht der Lehre von der Dreieinigkeit haben wir bereits bemerkt, das, insorfern sie ein, gläubiger Selbstoffenbarung empfohlenes, Mysterium ist, hier von einem Streite nicht eigendlich die Rede sein könne. Es wird wohl gern zugestanden werden, daß aus den christlichen Lehrbüchern der Dogmatik, eben so wenig Christen als Juden die wirkliche Erkenntniß dieses Dogma's gewinnen können. Das Christenthum stellt dasselbe als ein göttliches Geheimniß auf, bei dessen Vortrag, um verstanden zu werden, der innere Glaube zum innern Glauben sprechen, eine geistig-wunderbare Wechselwirkung der Gemüther stattfinden muß, und die menschliche Sprache ringt vergebens nach Worten, um dasselbe genügender Einsicht nahe zu Krim gen und den Anschein von Widersprüchen zu beseitigen, die in den Ausdruck sich wider Willen eindrangen. Vielleicht hätte man erwartet, daß wir auch in Betreff dieses Punktes auf die eigentlichen Beweisstellen im neuen Test, zurückgehen würden, in Hinsicht derer, wie bereits bemerkt, im Schooße des Christenthums selbst manche Controverse statt fand. Indeß wir glaubten, aus schuldiger, achtungsvoller Rücksicht für die Religion unserer Brüder, die Erörterung eines so wichtigen Glaubenspunktes ihren eigenen Theologen überlassen zu müssen. Nur so viel aber wollen wir bemerken, daß es, bei diesem einen Punkte wirklicher Verschiedenheit, dem Christenthum wohl nicht billig erscheinen kann, strenger gegen die Juden, die ihn nicht annehmen, zu denken, als gegen so viele Christen, die, wie wohl Niemand läugnen wird, weder zum lebendigen Glauben, noch zum überzeugenden Begriff dieses Dogma's gekommen sind. Jakob Frank und seine Anhänger. (Fortsetzung.) V. ״Wir glauben, daß ob zwar nur ein einziger Gott ist, so bestehet derselbe dennoch aus drei Parzufim פרצופים (Gestaltungen), die ohne die mindeste Theilung und ohne den geringsten Unterschied einander gleich, und daher eins sind Von dieser Wahrheit belehret uns das mosaische Gesetz sowohl als die übrigen Schriften der Propheten. Der Sohar sagt: ״Die Tora fängt mit dem Buchstaben ב (Bet) an; nun bestehet dieser Buchstabe aus zwei horizontalen Strichen, welche durch einen Vertikalstrich ver- Kunden sind. Diejes zeigt auf die drei obern Wesen, welche mit einander vereinigt sind. Dieser Glaube an eine Dreieinig keif in Gott ist in den heiligen Schriften gegründet, und unzähligemal bewahrt. Wir wollen hier nur einige Stellen zum Beispiel anführen. Moses sagt (1. M. 1,2): ״Der Ruach NN (Geist) der E loh im אלהים (in der Mehrzahl) schwebte über den Wassern." Wäre nur eine einzige Person in der Gottheit, so hatte Moses gesagt: Der Geist des Jehova NN׳ oder des El אל war schwebend rc., allein er wollte gleich Anfangs in seinen Schriften die drei in Gott vereinigte Parzufim darstellen. Weiter (1. M. 1, 26) sagte Gott: Wir wollen einen Menschen in un-