Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 27 (6.7.1844)
- Date
- 1844-07-06
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8620046-8637379-8640179--542-8620477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 serm Bilde nach unserer Form machen." Darüber kommentirt der Sohar: Es sind zwei und noch einer, also diese drei sind ein. So heißt es auch (1. M. 3, 23); ״Jehova Elohim sprach: Siehe, der Mensch wird wie einer von uns." Waren nicht drei Parzusim, so hätte es hier blos heißen können: Jehova sprach rc. wozu noch die Elohim? Allein dies beweist diese göttliche Dreiheit. Wenn es (1. M. 11, 5) heißt: ״Jehova ließ sich herab, die Stadt und den Thurm zu sehen." Dann weiter (11, 7): ״Wir wollen uns herab lassen, und ihre Sprache verwirren rc." zu wem sprach Jehova dieses? Wohl nicht zu den Engeln, die doch seine Diener sind, denen er es doch befehlen konnte, und nicht nöthig hatte, dieses gleichsam bittweise zu fordern. Aber Gott sagte dies zu seinen Mitparzusim, die mit ihm eins in gleicher Würde sind. Dem Abraham erschienen (1. M. 18, 2) drei Engel. Er lief ihnen entgegen, und sprach: Mein Herr rc. Er sah also drei, und redete doch nur einen an, weil diese drei nur eins sind. Moses sagt (2. M. M. 12, 6): ״Sie sollen das Blut des Passalamms auf beide Thürpfosten und auf die Oberschwelle sprengen." Nun fragt der Sohar: Warum gerade auf drei Platze; Antwort: Damit man auf den drei Platzen den vollkommenen Glauben und seinen heiligen Namen erblicke. Dieses zeigt also deutlich auf die drei Parzufim. ״Wo ist «in so großes Volk," sagt Moses (5. M. 4, 7) ״welchem die Elohim so nahe sind קרובים , wie Johova unser Gott." Warem keine Parzusim, so müßte es hier heißen El אל und nicht Elohim אלהים, dann קרוב in der einfachen Zahl und nicht קרובים in der Mehrzahl. ״Jehova" heißt es (1. M. 19, 24) ״ließ regnen auf Sodom von Jehova" Ein Beweis von mehreren Parzusim in Gott. Zu Moses sagte (Gott): ״Gehe herauf zu Jehova" (2. M- 24, 1). Hier sollte es heißen: Gehe herauf zu mir; allein es giebt in Gott mehrere Parzusim. Ueber die Stelle: Höre Jsrael, Jehova unser Gott ist ein einziger Gott (5. M. 6, 4). kommentirt der Sohar mit den Worten: Drei sind eins. Es heißt (2. M. 3, 6): ״Der Gott Araham's, der Gott Jsaak's und der Gott Jakob's." Hier wäre es hinlänglich gesagt gewesen: Der Gott Abraham's, Jsaak's und Jakob's. Da aber bei einem jeden dieser drei Patriarchen das Wort Gottes besonders genannt ist, so deutet dieses auf die Dreiheit in Gott. Josua sagte (21, 19): ״Ihr könnt Jehova nicht dienen, denn er ist heilige Elohim אלהים קדושים הוא. Hier heißt 'es Jehova und dann heilige Elohim, dies beweist die in Gott vereinte Dreiheit rc " — (Fortsetzung folgt.) Lese-Zimmer. Der 9. Mai und -er 9. Juni. Zwei ominöse Tage für die Bewohner von Gesecke und Düsseldorf, an denen der rohe Judenhaß in unserer Zeit wieder einmal aus seinem Versteck hervortrat. Ein Geistlicher erhält einen Schmähbrief. Wer hat ihn geschrieben? — Wer anders, als ein Jude — und d i e Juden müssen gesteinigt werden. — Ein jüdischer Familienvater führt einen christlichen Knaben, der seinem Sohne etwas zu Leide gechan, auf die Polizei — und der Jude soll es büßen! Der Jude flüchtet sich in die Kaserne; aber der rohe Pöbel läßt sich nicht abschrecken — und das Militär muß einschreiten. — Worte wie ״Fortschritt," ״Aufklärung", Gleichstellung" findet man man fast auf jeder Seite jeglicher Zeitung; allenthalben wird für den Fortschritt gekämpft — und zu solchen pöbelhaften Ausbrüchen konnte es kommen! Man klagt über den Schachergeist der jüdischen Menge und vergißt den rohesten Vandalismus des christlichen Pöbels, der es auf Menschenleben absieht. Vermischte Nachrichten. Das isr. Centralkonsistorium zu Paris, aus den Herrn Cremieux, Präsidenten desselben, Cerfbeer, beide Mitglieder der Deputirtenkammer, Anspach, Substitut des königlichen Prokurators, Halphen und Raphael bestehend, hat ein Schreiben an den Justiz- und Kultus-Minister gerichtet, wodurch es demselben für seine Mitwirkung zu der den isr. Kultus in Frankreich neu organisirenden königl. Verordnung dankt. — Das isr. Centralkonsistorium Frankreichs soll beschlossen haben, die Feier des Sabbats vom Sonnabend auf den Sontag zu verlegen. Dr. Sachs, Prediger in Prag, wird im Herbste sein Amt als dritter Rabbinatsassessor in Berlin antreten. Die Juden in Ungarn sind nicht emancipirt worden. Damit begnügt sich aber das in P e st h erscheinde ״Pesti hirlap“ nicht. Es schleudert Artikel gegen die Juden, von denen fast die Hälfte der ungarischen Edelleute lebt. Die Magyaren sind selbst nicht frei — und können daher auch keine Freiheit ectheilen. Dr. Aunz in Berlin hat sich in seinem Gutachten über die Beschneidung gegen den Frankfurter Reform» Verein ausgesprochen. Veranrwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.