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Sabbath-Blatt · 1844-07-06 · 27 (6.7.1844) · p. Seite 106

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
27 (6.7.1844)
Date
1844-07-06
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 Kennt Ihr den gebenedei'ten, Großen Joseph nicht, den Zweiten, Der einst saß auf Oestreich's Thron? Der mit seinem Huldedikte, Mild zuerst einst niederblickte, Auf die jüd'sche Nation! Der, ein Vater uns! gewesen; Rettend führte zum Genesen, Den erkrankten Iakobsstamm; Dem, in jedem Iudenherzen, Brennen fort, geweih'te Kerzen, Ew'gen Dankes Opferflamm! (Fortsetzung folgt.) Pinchas Eifer. Und siehe ein Mann von den Kindern Israel kam, und führte seinen Brüdern die Midjanitin zu vor den Augen Mosche und vor den Augen der ganzen Gemeinde der Kinder Israel — — Als das sah Pinchas, Sohn Cleasar, Sohn Aharon's, des Priesters, da stand er auf aus der Mitte der Gemeinde und nahm eine Lanze in seine Hand, und ging dem Manne aus Israel nach in das Gemach und durchbohrte beide-- Und der Name des Mannes aus Israel, des erschlagenen, der erschlagen worden mit der Midjanitin war Simrk, Sohn Salu, Fürst eines Stammhauses aus Schimeon. Bemidbar, 25, 6, 7, 8,14. Pinchas, ein Priester — tobtetSimri, einen Fü rsten! Ein seltenes Beispiel von Muth und Eifer für die Sache Gottes. Die bekannte Rachsucht der Schimeoniten konnte Pinchas nicht abhalten, der Ehrenrettung Israels ein Opfer zu bringen. Pinchas hat nicht den Fürsten, das Oberhaupt eines Stammhauses vor sich; nur den Schänder der israelitischen Würde sieht er,. nur diesen trifft sein Eifer. Man könnte uns entgegen halten, daß die Profangeschichte viele Männer kennt, die, Fürsten gegenüber,der Sache Gottes sich annahmen; ja, daß selbst unsere Rabbiner den Großen der Erde muthig und entschlossen, gott- und religionbegeistert ^egenüberlreten, so es gilt, die Religion — ja nur ein unbedeutendes, doch durch Zeit und Sitte geheiligtes Gesetz zu schützen und zu schirmen; allein so reich auch die Profangeschichte an wahrheitsliebenden und unerschrockenen Männern ist; so sehr wir auch von dem glühenden Eifer unserer geistlichen Oberhäupter für die Aufrechthaltung der schriftlichen und mündliche Lehre Mose's überzeugt sind; so bleibt doch der Muth des Pinchas unerreicht. Schon dem Talmud erscheint der Muth des Pinchas als wunderbar, indem er sagt: ״ הרואה פנדזס בחלום פלא נעשה לוWer Pinchas im Traume sieht, für den ist ein Wunder geschehen." (Berachot, 66.) — Pinchas kann und soll uns als Muster dienen, daß wir die Wahrheit unverzagt vertheidigen sollen. Was ist aber Wahrheit? Judenthum und Christenthum Hr. Dr. Saalschütz in Königsberg hat soeben eine Schrift, ״die Versöhnung der Confessionen, oder Juden: thum und 'Christenthum in ihrem Streit und Einklang" betitelt, veröffentlich, aus der wir die Endresultate der Untersuchung entlehnen, eine Kritik dieser wichtigen Schrift uns vorbehaltend: Fassen wir nun die Resultate aller vorhergehenden Betrachtungen zusammen, so ergiebt sich's, daß der Einklang zwischen dem Judenthum und Christenthum viel größer, die Verschiedenheit viel geringer seials man dies von Seiten beider Confessionen gewöhnlich glaubt, von einem Streite zwischen Beiden aber eigentlich gar nicht die Rede sein könne: und in dem beiderseitigen Glauben auch die Versöhnung liege. Denn zuvörderst erkennt das Christenthum, nach Maaßgabe seiner eigentlichen Basis, der Lehren Christi selbst, Alles an, was dem Judenthum Gegenstand gläubiger Ueberzeugung, religiöser oder sittlicher Pflicht ist. Die ganze Lehre von Gott, wie sie das alte Testament aufstellr, die Lehre von dem Gottes-Ebenbilde im Menschen, und die daraus folgende seiner Unsterblichkeit, das ganze Ceremonialgesetz wie es in den Büchern Mosis vorgetragen ist, von den Opfern, Speisegesetzen, symbolisch feierlichen Handlungen, und die weitern in dem Talmud enthaltenen, dahin gehörigen Aussprüche der ״Pharisäer^ — dies Alles ist durch die Aussprüche und das faktische Beispiel Christi und der Apostel gleichsam von Neuem fanktionirt worden. Dies gehet aus den in diesen Blättern zusammengestellten Datis und andern, die noch angeführt werden könnten, genugsam hervor, und wird z. B. auch von Paulus, in seinem Bekenntnisse vor Felix größtentheils angedeutet, wenn er sagt : ״Das bekenne ich dir aber, daß ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, daß ich glaube Allem, was geschrieben stehet im Gesetz und in den Propheten; und, habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst warten, nämlich, daß zukünftig sei die Auferstehung der Tobten, beider der Gerechten und Ungerechten. Aber nach vielen Jahren bin ich gekommen und habe ein Almosen gebracht meinem Volk, und Opfer." Apostelg. 24, 14. 15. 17vergl. 23, 6, wo Paulus ausdrücklich sagt: ״Ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn." Hat das Christenthum im Laufe der Zeiten sich von dem jüdischen Ceremonialgesetze allmälig losgesagt (wie auch im Judenthum die Opfer aufgehört haben, die nur im Tempel dargebracht werden durften), so mag es seine faktische Berechtigung hierzu Nachweisen, nie aber

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