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Sabbath-Blatt · 1844-06-22 · 25 (22.6.1844) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
25 (22.6.1844)
Date
1844-06-22
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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98 dem Verderben weihen, die sich von ihr nicht lossagen wollen. ״Thut wohl denen, die euch hassen." Es ist bereits vorhin auf 2 Mos. 4. hingedeutet worden, wo Gefälligkeit gegen Feinde und Hasser, selbst mit Mühe und Vecsäumniß des Eigenen ausdrücklich geboten wird. Vergl. Spr. 25, 21. ״Hungert dein Feind, so gieb ihm Brodt, dürstet ihn, so reiche ihm einen Trunk." ״Bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen." Dies findet bereits in dem Fcühern feine Erledigung. Wir werden auch den Feind von unfern Gebeten nicht ausschließen, wenn wir den Worten ״liebe deinen Nächsten wie dich selbst", die 3 Mos. 19, 17- 18 ausdrücklich angedeutete Anwendung auch auf den Beleidiger geben. V. 45 ״Auf daß ihr Kinder seid u. s. w. Die Anerkennung Gottes als unseres Vaters ergiebt sich nicht allein schon aus dem Begriffe, daß er der Schöpfer aller Menschen sei und der daraus herfließenden Venennung der Mitmenschen als unserer Brüder, sondern wird in den fünf Büchern Mos. auch öfters ausdrücklich angedeutet, als: 5 Mos. 14, 1. 32, 6. 8, 5—6.1, 31. Ebenso auch in dem Propheten Mal 2, 10 ״haben wir nicht Alle einen Vater." u. s. w. Vergl. das schöne Wort Jes. 49, 14. ff: ״Kann eine Mutter ihr Kind vergessen." u. s. w. — Der übrige Theil des Verses giebt den, im Eingänge aus dem Tr. Sanhedr. angeführten Gedanken. Lese-Zimmer. 1. Die Juden in Spanien. Die geehrten Leser werden sich noch des trefflichen Aufsatzes Prescott's über die Juden in Spanien im vorigen Jahrgangs dieses Blattes erinnern. Es dürfte aber vielleicht nicht ohne Interesse sein, wenn wir die Stimme eines andern Christen über die Sckreckensscenen in Spanien anhören. Herr Gallois schildert in seiner ״Geschichte der spanischen Inquisition" die Austreibung der Juden aus Spanien, welche Schilderung wir auch hier mittheilen °. Die alten Christen Spaniens, deren Haß gegen die Juden noch gewachsen zu sein schien, seit sie von der Jnquisi'tion verfolgt wurden, scheuten kein Mittel, um die unglücklichen Israeliten dem heiligen Ossizium und dem Gouvernement gehässig zu machen. Man schuldigte sie nicht blos an, ihre ehemaligen Glaubensgenossen, welche Christen geworden waren, zur Apostasie zu verführen, sondern man sagte ihnen noch anders lästerliche Verbrechen nach, wie z. B. daß sie Christenkinder stehlen und sie am Charfreitag kreuzigten, um den Tod des Heilandes dadurch zu verhöhnen; daß sie geweihte Hostien beschimpfen, daß sie geden die bestehenden Gesetze des Staates sich verschwörten. Außerdem beschuldigten sie die jüdischen Aerzte und Apdtheker, mit ihrer Kunst Misbrauch zu treiben, und die Christen, welche sich ihrer Pflege anvectrauten, zu tödten. Die Beweise, die man für das Alles anführte, waren absurd, aber der Parteigeist ließ sie für übersührend gelten, und bediente sich ihrer, um eine Vertreibung aller Juden aus dem Königreiche zu bewirken. Von der Gefahr, welche sie bedrohte, unterrichtet, und überzeugt, daß zur Beschwörung des Ungewitters es genügend sein werde, dem Könige Ferdinand Geld anzubieten, machten sich die Israeliten verbindlich, ihm dreißig tausend Dukaten zur Unterstützung der Ausgaben zu überreichen, welche der Krieg gegen die Mauren von Grenada verursachte, in welchen ec gerade verwickelt war. Ferdinand stand im Begriff, diesen Vorschlag anzunehmen, aber der fanatische Torquemada war dreist genug, sich dem zu widerfetzen, und das Dekret, welches den Juden jeden Alters und Geschlechtes befahl, Spanien zu verlassen, wurde am.31. März 1492 publizirt. Ferdinand hatte Todesstrafe und Konfiskation der Güter über die verhängt, welche nach Verlauf von vier Monaten dem Befehle nicht nachgekommen wären. Diese Grausamkeit ließ den Juden nur zwischen der Flucht aus Spanien und der Taufe die Wahl. Fast Alle beeilten sich, ihre Güter zu verkaufen, und ein Land zu verlassen, daß ihnen so wenig Schutz bot. Spanien verlor auf diese Weise mehr als acht hundert Tausend Einwohner und das zu einer Zeit, wo die Eroberung von Grenada eine bedeutende Anzahl von Mauren zur Auswandrung nach Afrika bewog. Die Austreibung der Juden und die Besitznahme des Königreichs Grenada durch die Truppen Ferdinands waren zwei bemerkenswerlhe Ereignisse, welche der Inquisition neue Opfer zuführten, denn unter den Muhammedanern und Jsraeliten, welche Christen wurden, um in ihrem Vaterlande bleiben zu können, gab es nur sehr Wenige, deren Bekehrung nicht erheuchelt gewesen wäre. Die Inquisitoren säumten nicht, die Schuldigen zu entdecken, und eine große Anzahl davon wurde sofort ein Raub der Flammen. Ferdrnand zeigte sich bei dieser Gelegenheit als ein getreuer Rival des heiligen Offiziums, denn die Geschichte berichtet uns von der Art und Weise, wie er bei der Einnahme von Malaga mehrere dort befindliche Juden langsam hinrichten ließ, indem man sie auf zugespitzte. Rohre spießte, eine schreckliche Todesart, welche bei den Mauern gegen Verbrecher üblich war, die sich der Majestatsbeleidigung schuldig gemacht hatten. Aber dem fanatischen Torquemada genügte nicht allein die Verfolgung der Juden und Mauren, er trieb seine Kühnheit so weit, die Bischöfe von Segovia und Calahorra, zwei Männer, welche der allgemeinsten Hochachtung genossen, in Anklagezustand zu versetzen; ihr einziges Verbrechen bestand darin, ' daß sie die Söhne getaufter Juden waren. Vergebens setzten die Bischöfe der Anklage die Apostolischen Bullen entgegen, welche den Inquisitoren verboten, gegen Bischöfe einzuschreiten, und die Letztern der unmittelbaren

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