Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-06-22 · 25 (22.6.1844) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
25 (22.6.1844)
Date
1844-06-22
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640177--530-8620467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

97 So treibt man Euch, die Ihr Loch Gottes Kinder, Und keine Heerde feiler, schlechter Rinder, So treibt man hin, durch Eis und Schneegesild, Ein Volk wie wir, auch Gottes Ebenbild. So schleicht dahin, vom Elend, Gram geführet, Ein Menschenvolk, dem Menschenrecht gebühret. Auf Fürsten, auf, auf Volk, du starker Hort! Auf, auf in Lhaten groß, und groß im Worl: ״Hört, hört, cs gleicht der Armen Elend kaum ״Des Sklaven Loos im engen Schiffes-Naum. ״Auf, auf in Worten, auf in wack'ren Thaten, ״Das Iudenvolk jetzt christlich zu berathen." Sprüche der Weisen. (Zugleich als Quelle neutestamemlicher Lehren.) ״Laß dich fluchen, aber fluche du nicht." (Sanhedr. 49, l.) ״Cs ist ein gottgefälliges Werk für die Bosen zu beten, auf daß sie wieder gut werden und nicht zur Hölle kommen." (Sohar.) ״Die, welche Schmach dulden und nicht schmähen, die ihren Schimpf anhörcn und nicht crwiedern, die Menschen lieben und sich der Prüfung freuen, von ihnen heißet es (Nicht. 5.31.): die ihn lieben, sind wie die Sonne, welche aufgehet in ihrer Pracht;" denn die Sonne gehet den Bösen wie den Guten auf. (Latin. Lr. Schabb. 88, 2.) Wir glauben, daß es unfern Lesern nicht unangenehm sein wird, wenn wir zugleich vollständigere Nachweise zu 33. 42 ff. der Bergpredigt mittheilen, da die sich daselbst findenden Aussprüche so oft als? ein großer moralischer Fortschritt der christlichen Ansicht gegen die israelitische angeführt worden, aber in der That keine Grundsätze enthalten, die nicht schon früher gelehrt worden wären. V. 43 Ihr habet gehört, daß gesagt ist: ״Du sollst deinen Nächsten lieben." Das Gebot: ״liebe deinen Nächsten wie dich selbst" kommt 3 Mos. Kap. 19 zweimal vor, und zwar einmal (V. 1/. 18) in Bezug auf Solche, die man etwa Veranlassung hätte, zu Haffen, das andere Mal (V. 34) in Bezug auf Fremdlinge, von denen es heißt: ״gleich dem Einheimischen soll euch der Fremdling sein, der bei euch weilet" (wie ihr einst in Egypten, unter einem fremden Volke) ״und sollst ihn lieben, wie dich selbst." ״Und deinen Feind Haffen." Ein solcher Ausspruch findet sich nirgends, weder in den A. T., noch in den Rabbinen. Auch will sich Christus auf die Letztern hier offenbar gar nicht beziehen, da die Worte: ״es ist gesagt" stets auf Aussprüche des״ A. T. hindeuten. Ich habe bereits, an einem andern Orte, nachzuweisen gesucht, daß an dieser Stelle, mit der man sichs offenbar zu leicht gemacht hat, ein ״nicht" ausgefallen sein muß. Die Stelle lautete also: ״Ihr habet gehört u. s. w. Dü sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind nicht hassen; ich aber sage euch: liebet eure Feinde u. s. w-, wobei sich eine ganz natürliche Steigerung ergiebt, und in welcher Weise die Stelle zu ihrer deutlichen Parallelstelle 3 Mos. 19, 17. 18., wo gleichfalls das ״lieben" und ״nicht hassen" Vorkommen, paffet. V. 44. ״Ich aber sage euch: liebet eure Feinde." Unmöglich kann hiermit gemeint sein, daß man den Feind, eben gerade deshalb, weil er uns Feind ist, lieben solle; denn wie sollten wohl seine schlechten Gesinnungen, ihn in unfern Augen liebeswürdiger machen? sondern die offenbare Meinung ist die: Laß dich in deiner Liebe durch seinen Haß nicht irre machen, daß du auch deinem Feinde diejenige Liebe nicht entziehest, die du allen deinen Mitmenschen schuldig bist, nämlich: sie zu lieben wie dich selbst. Dies ist aber auch deutlich schon der Sinn der Hauptstelle 3 Mos. 19. 17. 18., wo für das Betragen gegen solche, die uns Leid zugefügt, eben der Grundsatz: ״liebe deinen Nächsten wie dich selbst," als maßgebend, eingeführt wird. Auch H i l l e l bestätigte dies bekanntlich, wenn er das Gesetz: ״was dir unangenehm ist, das thue deinem Nächsten nicht" (Schabb. 31, 1), als weiter zu entwickelnde Grundlage des ganzen Gesetzes eingiebt. In der Thal deuten jene Worte Mosis: ״liebe deinen Nächsten, wie dich selbst," von ihrem hohen Standpunkte aus, aus das Gesetz der Feindesliebe nach allen seinen Folgerungen, vollständig an, und es ist nur die weitere Entwickelung, wenn das Verbot des Haffes, des Nachtragens, der Rache, (3 Mos. 19, 17. 18.) so wie das ausdrückliche Gebot der Gefälligkeit gegen den Feind (2 Mvs. 23, 4.) besonders Hinzugefügt wird denn: ״Liebe decket alle Vergehn," Spr. 10.12. vergl. Spr. 20. V. 22. 24, 29. Sachac. 8, 16. Ps. 7, 4—6. Hiob 31, 29. ״Segnet, die euch fluchen." Von diesen Worten gilt dasselbe, was bereits oben bemerkt wurde. Es kann unmöglich ihr Sinn sein, daß wir Jemanden deshalb segnen sollen, weil ec uns fluchet, oder diesen ausschließlich segnen sollen. Denn der besondere Segen beziehet sich entweder auf eine empfangene Wohlthat, oder auf die wahrgenommene Voctrefflichkeit irgend Jemandes. Nun verräth aber derjenige, der uns fluchet, theils schon in dieser Beziehung eine verwerfliche Gesinnung, theils ist es möglich, daß er auch sonst noch ein sehr Schlechr ter sei. Welche besondere Veranlassung fände sich hier zum Segnen? Die Worte wollen also unstreitig nichts Anderes sagen, als, daß wir in die Segnungen, welche wir im All» gemeinen über unsere Mitmenschen aussprechen, in die Gebete für die Vergebung ihrer Sünden, für ihr wahres Glück und Seelenheil, auch den Feind miteinschließen sollen, wie dies ungefähr auch die im Eingänge angeführte Stelle aus dem Sohar empfiehlt. Dies Alles ergiebt sich aber auch auf das Klarste aus dem Hauptgrundsatze der Nächstenliebe und er liegt in der ältesten Einrichtung der hebräischen Gebete, deren Bitten Alle, auch die Person des Sünder, mit umfassen und nur das Aufhören der Sünde herbei wünschm, mit welcher zugleich aber natürlich diejenigen sich selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.