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Sabbath-Blatt · 1844-06-22 · 25 (22.6.1844) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
25 (22.6.1844)
Date
1844-06-22
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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99 Gerichtsbarkeit des Papstes unterwarfen. Nichts desto we- Niger leitete Torquemada eine geheime Instruktion gegen sie ein, welche die Angeschuldigten zwang, sich nach Rom zu begeben und dem Papste ihre Vertheidigung vorzulegen. Es genügte damals für die Inquisition, wenn ein bekehrter Jude große Reichthümer Hinterlossen hatte, um alle Mittel anzuwenden zur Herbeiführung des Beweises, sie seien als jüdische Ketzer gestorben. Dann wurde sein Ge: dachtniß beschimpft, sein Körper ausgegraben und verbrannt, sein Nachlaß konfiscirt und seine Kinder ihrer Würden beraubt. 2. Die Korach's, Datan's und Abiram's mrserer Zeit. Fürwahr du und dein ganzer Anhang, ihr rottet euch wider den Ewigen! Sidra Korach, K. 16. B. 11. Wer die Korach's, Datan's und Abiram's unserer Zeit sind? wird der Leser leicht errathen: es sind die Herren Frankfurter Reformer. Korach, Datan und Abiram suchten eine Rotte, um Mose, dem Manne Gottes, den Krieg anzukündigen; dies thut in Wahrheit auch der Frankfurter Reform-Verein. Wer guten Muthes und unverzagt ist, der trete zu uns, rufen die Herren aus; wir wollen der mosaischen Religion ein Treffen liefern. Die Korachitische Rotte schrie: ״Die ganze Gemeinde sind lauter Heilige;" daß Feldgeschrei der Frankfurter Religionsstürmer ist auch: ״Wir sind alle Weise, wir sind alle Vernünftige" — nur: ״Wir alle kennen die Tora" (בלגו יודעים את החורה) lasten sie klüglich weg. Die Korachiten sehnten sich nach dem Lande," das von Milch und Honig fließt;^ die modernen Korachiten wünschen die Gleichste!- lung der Juden schnell herbeizuführen und reichen die Religion als Kaufschilling hin. — Wenn die Frankfurter Reformer, im Unterschiede von den Korachiten, die Unterschrist ihrer Mitglieder fordern, und sich nicht mit dem mündlichen Versprechen'begnügen, so rührt dies daher, daß die Herren überhaupt — heuchlerisch genug — nur die Schrifc gelten lasten, die mündliche Tradition aber verwerfen. Die Korachiten fuhren lebendig in die Gruft; die Frankfurter Reformhelden sind auch bereits lebendig zu Grabe getragen worden. ,,Und sie verschwanden aus der Versammlung." _ 3. Die russischen Grenzjuden. ׳« Karl Nauwerk sagt im 1. Hefte seiner Berliner Blätter: Einige Russische Juden haben geschmuggelt, folglich müssen sie alle von der Grenze fort. Rustische Christen schmuggeln zwar auch; aber wollte man sie ebenfalls ins Innere fortschicken, so würde ein Gürtel von Einöden um Rußland entstehen. Auch dann würde an der neuen Grenze geschmuggelt werden; es entstände also die Gefahr, daß auf solchem Wege Rußland in einen Punkt zusammenkröche. 4. Der Unterricht Ln -er Schrift. Herr Dr. Landau in Dresden sagt mit Recht von dem Religions-Unterricht der jüdischen Jugend: Soll der Unterricht religiös durchgebildete, mit warmen Gemüthe ihrem Glauben zugethane Juden erzielen; so darf die Unterweisung in der heiligen Schrift am wenigsten stiefmütterlich behandet werden, muß sie vielmehr vorzüglich unsere Sorgfalt und Umsicht in Anspruch nehmen. Es ist unsre Pflicht, dem Schüler, mit Ausnahme der wenigen für das zartere Alter ungeeigneten Stücke, wenigstens den Pentateuch unverkürzt, aber gründlich und vernünftig zu lehren und zwar stets in Einklang mit der Tradition, d. h. so wie in der historischen Entwickelung des Judenthums die Auffassung und Ausübung der religiösen Ceremonien in Synagoge und Haus sich festgestellt hat. — Für Knaben, an welche man in Bezug auf Durchbildung überhaupt strengere Forderungen als an Mädchen zu stellen berechtigt ist, wird dieser Unterricht in der Ursprache unerläßlich fein; Vermischte Nachrichten. Ein Zögling der römischen Propaganda hat in dem sogenannten Absalonsgrabe zu Jerusalem eine Pentateuch-Rolle aufgefunden. Die Bedeutsamkeit derselben hängt von ihrem — zu erweisenden — hohen Alter ab. Gegenwärtig befindet sich die Handschrift in Rom. In Uebereinstimmung mit dem Senate zu Petersbürg hat der Kaiser von Rußland den in Polen, gebürtigen Juden die Erlaubniß ertheilt, an den russischen Univecsi'täten zu studiren und zu promoviren. Aus Liebe zu einer Jüdin ist ein junger Baumeister zu Paris zum Judenthume übergegangen. Solche religiöse Ueberläufer verstärken nur den Haß der Judenfeinde, deren es selbst in dem freien Frankreich eine große Anzahl giebt. m . Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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