Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 23 (8.6.1844)
- Date
- 1844-06-08
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Psalm beginnt, und sonst häufig vorkommt, auch durch die LXX. vermittelst desselben hier dafür gebrauchten, griechischen Wortes (j/LaxttQioi) wiedergegeben wird. Wir verbinden hiermit zugleich einige Bemerkungen über den vorgehenden und nachfolgenden Vers. Matth. 5. 6 und 8. Vers 6 lautet: ״Selig sind die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden." lieber Gerechtigkeit, in dem Sinne dieser Aussprüche, findet sich bekanntlich in dem A. T. eine große Menge sehr schöuer Lehren, z. B.: ,,Der da emsig suchet Gerechtigkeit und Liebe, der findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre" Spr. 21,21. Ferner: ,,Freuen will ich mich in dem Ewigen, es frohlocke meine Seele in meinem Gotte, denn er hat mich gekleidet in die Gewänder des Heiles, in den Mantel der Gerechtig: keit mich gehüllet" Jes. 61, 10. vergl. Hiob 29, 14.: ״Gerechtigkeit nahm ich zum Kleide, was kleidete mich wohl." Ebenst ist Durst und Sättigung ein öfter vorkommendes Bild für das höchste geistige Verlangen und seine Befriedigung, z. B. in dem schönen Psalm 42, 2. : ״Wie der Hirsch sich sehnet nach den Wafserqnellen, also sehnet meine Seele sich nach Dir, o Gott! es dürstet meine Seele nach Gott, nach dem lebendigen Gotte." — ״Ich werde in G erechtigkeit schauen dein Angesicht, mich sättigen, erwachend, an deinem Anblick Pf. 17, 15. Mit der letzteren Stelle kann man zugleich Vers 8 der Bergpredigt vergleir chen: ,, Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. " Der Preis eines reinen Herzens kommt gleichfalls öfter vor z. B.: ״Ein reines Herz schaff in mir o Gott! und einen festen Geist erneuere in mir" Pf. 51, 12. ״Ja, gütig ist gegen Israel Gott, denen die reines Herzens sind," mit dem Schlußgebanken: ״ist (einst) dahin mein Fleisch und Herz, meines Herzens Fels und mein Antheil ist Gott ewiglich" Pf. 73, 1. 26. So heißt es auch in allen Festgebelen: ״Lautere unser Herz, dir in Wahrheit zu dienen." Lese-Zimmer. 1. Bescheide nheit. Unsre Weisen stellen die Frage auf: Warum sich der Hocherhabene gerade auf dem in Mitten der arabischen Wüste so einsam dastehenden und keineswegs zu den höchsten Bergen gehörenden Sinai geoffenbaret habe? Und sinuig ist ihre Antwort: Der Allvater im Himmel wollte durch diese seine Herablaffenheit Israel Demuth und Be sch eiden heit lehren; denn das sei ja auch der Zweck der Tora, die auf Sinai gegeben wurde! — Darum braucht das Gebäude, worin eine solche Lehre gepredigt, nicht gerade durch Glanz und Schimmer das sinnliche Auge des Besuchenden ergötzen; da schon das Wort des Herrn, welches hier so oft verlesen wird, geeignet ist,, das geistige Auge desjenigen in Anspruch zu nehmen,, der ״mit Ehrfurcht und Demuth die Stätte betritt." 2. Der Eintritt der Seele in die irdische Welt. Eine Allegorie (nach dem So har). Die Seelen der Gerechten stehen höher, als alle jene oberen Mächte und Diener. Fragst du nun, warum sie sich in diese Welt herablaffen und warum sie sich von ihrem Ursprünge entfernen, so antworte ich durch folgendes Beispiel: Einem König wurde ein Sohn geboren, den er auf's Land schickte, um dort genährt und groß gezogen zu werden, bis er herangewachsen und in den Gebräuchen des königlichen Palastes unterwiesen worden sein wird. Wenn nun der König vernimmt, daß die Erziehung seines Sohnes vollendet sei, was thut er aus Liebe zu ihm? Er läßt, um des Sohnes willen, die Königin, dessen Mutter, holen, führt ihn in seinen Palast ein, und freuet sich mit ihm den ganzen Tag. Der Heilige (gepriesen sei er!) hat auch einen Sohn von der Königin: dieser ist die obere, heilige Seele. Er schickt ihn auf's Land, d. h. in diese Welt, um da heranzuwachsen und die Gebrauche kennen zu lernen, die im königlichen Palaste beobachtet werden. Wenn nun der König erfährt, daß sein Sohn bereits herangewach« sen und es daher Zeit sei, ihn in seinen Palast einzuführen, was thut er aus Liebe zu ihm? Er läßt, um des Sohnes willen, die Königin holen, und führt ihn in seinen Palast ein. Denn die Seele verläßt nie die Erde außer in Begleitung der Königin, welche letztere sie in den königlichen Palast einführt,, um dort ewig zu verharren. Und doch weinen die Landleute, wenn der Sohn des Königs sie verläßt. Ist aber ein scharfsichtiger Mann dort, so sagt ec ihnen: Warum weinet ihr? ist er nicht der Sohn des Königs? Es ziemt sich nicht, daß er länger unter euch verweile, er muß im königlichen Palaste wohnen. So hat Mose, der scharfsichtig war, an die Landbewohner (an die Menschen nämlich), welche weinten, folgende Worte gerichtet: Ihr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes, macht euch keine Einschnitte um eines Todten willen. Wenn alle Gerechten dies wüßten, so würden sie mit Freude dem Tage entgegensehen, an dem sie die Erde verlassen sollen. Und ist es nicht die höchste Würde, daß die Königin (die Sch echina oder die göttliche Gegenwart) ihretwegen herabsteige, sie in den Palast des Königs einführe, wo er sich ewig ihrer freuet? »O