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Sabbath-Blatt · 1844-06-08 · 23 (8.6.1844) · p. Seite 92

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
23 (8.6.1844)
Date
1844-06-08
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 3. Die Juden in Nürnberg. In Nürnberg war es eine alte Sitte, daß ein vererdetes Weib die Juden, die in der Stadt Geschäfte verrichten wollten, begleiten mußte; im achtzehnten Jahrhundert leistete das Weib immer noch ihren Eid und ließ dessen ungeachtet nach ein Paar Minuten die Juden allein gehen, wohin sie wollten. — So bestehen heute noch in vielen Staaten Judengesetze, die lieber umgangen werden, als daß man ihre veraltete Form und ihren rohen Inhalt, durch Aufhebung, eingestehen möchte. 4. Einigkeit. Sehr sinnig sagten die Rabbinen: Unter den vier Pflanzarten, deren sich die Israeliten am Lauberhüttenfest bedienen, sind zwei (die Palme und der Paradiesapfel), welche Früchte tragen und zwei (die Weide und die Myrthe), die keine Fcüchce tragen; jene aber werden mit diesen verbunden, um darauf hinzuwcisen, daß Einigkeit selbst der Guten (der Fruchttragenden) mit den Bösen (den Nichtfruchttragenden) stets den göttlichen Beifall erhalte. — Die Gemeinden, in denen der religiöse Zwiespalt herrscht; deren Mitglieder sich, abweichender Ueberzeugungen wegen, gegenseitig anfeinden, mögen diesen Ausspruch beherzigen! 5/ Die Lasterhaften Ln der künftigen Welt. (Nach dem Midrasch R a b b a.) Ein vornehmer Herr, erzählt der Midrasch gleichnißweise, gab einst ein großes Gastmahl, wozu er eine Menge Gäste einlud, denen ec zugleich sagen ließ, daß sich Jeder etwas milbringen müsse, worauf er sitzen könne. Die Eingeladenen befolgten pünktlich dieses Geheiß, jedoch auf verschieden? Weise, indem der Eine die schönsten T-ppiche, der Andere einen Stuhl, der Dritte einen Schemmel, ein Vierter einen Stein u. s. w. mitbrachte. Diese Letzter«, welche natürlich ihren Sitz sehr unbequem finden mußten, gaben endlich deswegen ihren Unwitten deutlich zu erkennen. Diese Ungebührlichkeit erregte des Gastgebers heftigen Zorn. Nicht allein, sprach er, daß Ihr meinen Palast mit Euren Steinen besudelt habt, seid Ihr noch so unverschämt obendrein, Euch über einen Sitz zu beklagen, den Ihr selbst gewählt. Eben so wenig, fahrt der Midrasch fort, dürfen sich die Lasterhaften jenseits über Zurücksetzung gegen die Gerechten beschwören, da ihnen mit Recht entgegen gesetzt wird: nicht allein, daß Ihr diese Welt besudelt habt, wollt Ihr noch oben an sitzen? Vermischte Nachrichten. Koblenz, 20. Mai. die Rhein- und Moselzeitung enthält Folgendes: Die Kämpfe in der jüdischen Religion, durch welche in diesem Augenblick auch bei ihr sich eine Herstellung des Wesens aller Religion aus der liefen Erkrankung durch das überhand genommene Ceremonialgesetz empor zu ringen sucht, haben anderwärts manche Erscheinungen starren Widerstandes von Seiten der geistig Verknöcherten hecvorgerufen — sollten sie nun in unserer Gegend ein todeswürdiaes, barbarisch verübtes Verbrechen erzeugt haben? In Jmmcndorf (zur Bürgermeisterei Ehrenbreitstein gehörig) zog sich ein kürzlich daselbst gewählter und eingesetzter jüdischer Religionslehrer, Jakob Tobias Schatz, 43 Jahre alt, aus Bialystok, durch seine Polemik gegen das ceremoniale Zuviel den Haß der Orthodoxen zu; ihre Vorwürfe vermochten nicht, seine geistige Selbstständigkeit zu erschüttern. Den weitern Vorgang vermittelt nun das Gerücht, um das später Erfolgte, bereits gerichtlich Festgestellte, verstehen zu können. Am Freitag Abend soll, dem Gerüchte nach, der Religionslehrer in der Schule, nach starken Ausfällen auf das starre Eecemonialwesen, heftig geschlagen worden sein. Ec verließ die Schule und kehrte aus Beschicken nicht dahin zurück, indem er ankündigte, daß er die Gemeinde und den Ort verlassen wollte. Gewarnt, nicht über Nacht im Hause zu verharren, war er so unvorsichtig, zu äußern, daß er nach Arenberg (auch in der Bürgermeisterei Ehrenbceitstein) gehen und im Gasthofe zum rothen Hahn schlafen wolle. Soweit die Sage. Jetzt das Feststehende: Ecwa um 9 Uhr Abends verließ in Arenberg einer der Gaste des Gastwirths Klee das Haus, kehrte aber alsbald zurück und theilte den noch Versammelten mit, daß er draußen ein Stöhnen und Klagen gehört habe. Der Wirth meinte zwar erst, dies konnte von einem durch den Wind bewegten, in den Eisenangeln stöhnenden.Fensterladen herrühren, doch auf jenes Mannes feste Versicherung, es müßten Menschentöne sein, verließ die ganze Gesellschaft mit brennender Laterne das Haus, hörte deutlich das Stöhnen, ging ihm nach, kam auf den Weg nach Jmmendorf, und begegnete einem Jmmendorftr Juden, der aus Befragen erzählte, er gehe von Ehrenbreitstein über Arenberg nach Jmmendorf, habe das Stöhnen auch gehört und sei aus Furcht umgekehrt. Bald fand man am Wege den Immendorfec Religionslehrer, sterbend, und zwischen einer Zahl Steine liegend, die über Kopfgröße hatten. Ein Mann richtete des Sterbenden Haupt auf, da zog er, ohne zu sprechen, den letzten Athemzug und war verschieden! Die gerichtliche Obduktion brachte die Erklärung der Sachverständigen zuwege, daß er an zwei absolut tödtlichen Wunden am Hinterkopf und an der linken Schläfe gestorben sei. — Wer hat ihn getödtet? Veantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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