Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-06-08 · 23 (8.6.1844) · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
23 (8.6.1844)
Date
1844-06-08
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640175--520-8620459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 israelitischer Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, hat sie sich bemächtigt. Es wird Aufklärung genannt, wenn man die jüdischen Fest- und Feiertage zu Werktagen macht, sie in weltlichen Geschäften verlebt, statt in der Erinnerung und in der feligen Vergegenwärtigung, wie Gott uns genommen und getragen hat alle Tage der Welt, damit wir uns zu Herzen nehmen das von Gott selbst gehörte אנכי/ daß Gott und das Göttliche allein der Liebe werth ist und was ohne Gott oder wider Gott gebraucht und genossen und erstrebt werden soll, nur eitel und nichtig ist, nur Moder und Fäulniß zu bieten hat. Es wird aufgeklärt genannt, wenn wir den Unterschied von rein und unrein im sinnlichen Genrisie nicht beachten; wenn wir das, was Gott für den Israeliten unrein genannt hat, rein nennen, weil es ja für alle Menschen auch vor Gott rein ist. Wie können wir aber vergessen, daß für den Israeliten deswegen dieser Unterschied von Gott festgestellt worden, damit er auch in seinem Leben und in seinem Wandel, vor den Augen der Seinigen und vor den eines jeden Fremden zu erkennen gebe, daß Reinheit und Heiligkeit sein Beruf, daß Gott uns erziehet zur Reinheit und Heiligkeit, daß Gott von uns zunächst und durch uns erst von den Völkern entfernen will jeden Götzendienst und jede verbrecherische, ungöttliche Liebe, daß Gott uns zunächst und durch uns alle Völker zu sich bringen und sie finden lassen will den guten Weg, auf dem es wahre Erquickung für die Seele giebt. O, ihr Thoren! Was soll werden am Tage des Gerichts, wo das Irdische und Zeitliche, die Götzen von Holz und die von Stein, die von Gold und die von Silber vernichtet sind und Gott und das Göttliche allein Werth behält? Durch euer Leben leugnet ihr, daß Gott euch genommen und getragen alle Tage der Welt und habt also keinen Antheil an dem Loose des Volks, dessen ganze Seligkeit darin bestehet, daß es sich weiß von Gott getragen, vom Vater erzogen, vom Herrn erhalten, vom Heiligen geheiligt, vom Schöpfer geweiht zum Segen für alle Menschen. Wie wollt ihr denn an jenem Tage zu Gott kommen? Wollt ihr etwa euch einer andern Religion zuwenden? Merket, o ihr Verblendete, ich bitte euch, auf diesis mein Wort! Nirgends in Europa und in Asien und in Afrika und in Amerika, außer wo noch die Götzen des Hndenthums verehrt werden, giebt es eine andere Religion! Die Völker, unter denen wir leben, verehren nur den einen, wahren Gott, den Gott, der Himmel und Erde geschaffen, der den Menschen zur Freiheit, Reinheit und Heiligkeit bestimmt, bec Abraham, Jizchack und Jakob berufen, der Israel erwählt zum Segen der Welt, der durch Israel ihnen hat die Wahrheit verkünden, durch Israels Herrlichkeit sie die Herrlichkeit seines Dienstes hat sehen, durch Israels Leiden sie seine Strafgerichte, aber auch seine Liebe zu seinem Sohne Israel hat schauen laffen wollen; der in dem ewigen Israel ihnen gezeigt hat, daß wer bei Gott ist, gegen den vergebens anstürmen tobende Völker, wüthende Nationen; daß die Wuth und die Bosheit ihre Nichtigkeit erfährt,, wer aber bei Gott ist, ewig bleibt. Die Volker, unter denen wir leben, verehren diesen einen wahren Gott, doch nicht auf israelitische, sondern auf der Völker Weise; denn weil sie nicht Israeliten sind, fordert Gott von ihnen auch nicht Erfüllung von Israels Beruf, sondern nur die Erfüllung der Menschheit Beruf. Ihr aber, die ihr vom Stamme Israels seid, wie könntet ihr den Gott eurer Väter auf der Völker Weise verehren? Leugnet ihr, daß Gott euch genommen und getragen alle Tage der Welt, so ist es ja nicht mehr der Gott, den die Völker und Israel verehren, dem ihr angehören wollt, sondern einem eingebildeten Götzen! Und bekennet ihr, daß Gott euch getragen und erwählet und zu sich gebracht hat vor und für alle Völker — wie könnt ihr Israeliten euren Gott auf der Völker Weise verehren wollen, da Gott euch getragen, auf daß ihr Israels Beruf erfüllet; auf daß ihr bleibet alle Tage der Welt ein Zeugniß der göttlichen Macht, Langmuth und Gnade; auf daß ihr bewähret vor aller Welt die Bedeutung von אנכי und die Bedeutung von לא יהיה לך? Wenn das die Weisheit ist, die ihr uns zu bringen habt; wenn ihr weiter nichts wißt, als die Festtage in Werktage verwandeln; beim sinnlichen Genuß an Gott und an Israels Beruf nicht denken; euch zu schämen, im Leben Zeugniß abzulegen, daß Gott uns getragen alle Tage der Welt: so möge das bei Thoren für Weisheit gelten; dem gebildeten Juden aber und dem gebildeten Nichtjuden muß solche Weisheit bedauerlich Vorkommen. Das Judenthum aber wird trotz eurer Weisheit ewig bestehen; denn es ist genommen und getragen von Gott alle Tage der Welt. Das Judenthum wird ewig bestehen und wir wollen Theil haben an dem ewigen Berufe Israels und wollen ihn erfüllen für und für und ״wollen wandeln im Namen des lebendigen Gottes," wollen hören auf die Stimme der Wächter, wollen gehen auf dem guten Weg und dort befragen die Pfade, die Gott mit Israel gewandelt ist, und Erquickung werde unserer Seele. Amen. Sprüche der Weifen. (Zugleich als Quelle neutestamentlicher Lehren.) Bon Dr. I. L. Saalschutz in Königsberg. Wer barmherzig ist gegen die Menschen, der wird -Barm- Herzigkeit finden im Himmel. Lalm. Tr. Sabb. 151, 2. Vergleiche hiermit Bergpredigt 5. 7- °. ״Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.^ Wir dürfen kaum bemerken, daß der hier öfters sich wiederholende Ausdruck ״selig sind" nur die Ueberfetzung des Hebräischen aschre — (אשרי ־) sei, mit welchem der erste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.