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Sabbath-Blatt · 1844-05-25 · 22 (25.5.1844) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
22 (25.5.1844)
Date
1844-05-25
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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und wenn ich meinen Geist zurückziehe, zerfällt Alles in sein Nichts zurück; ich habe Alles hervorgerufen nach meinem heiligen Willen, erhalte und regiere Alles. — Liebe mich und liebe mich allein und du hast dich nicht zu furchten vor der zwingenden Macht der Natur; sie hat keinerlei Gewalt über dich; du bist frei von ihren Banden, denn nur zum freien Herrn über die Erde Hab' ich dich geschaffen. Liebe mich allein; denn nur alsdann kannst du wissen, wie du dich selbst und wie du deinen Bruder lieben sollst; kannst du wissen, wie du alle Güter der Erde zu betrachten, auf welche Weise du nach ihnen zu streben hast. Wenn du mich allein liebst, so wirst du dich nur lieben, sofern du göttlich bist und du wirst das Göttliche im Nächsten eben so lieben, wie das Göttliche in dir; denn hier wie dort, bei dir und beim Nächsten stammt es ja von Gott und du liebst ja nur, weil und insofern es von Gott stammt. Und die zeitlichen Güter wirst du nur lieben, sofern sie von Gott als Mittel gegeben sind zur Ausbildung und zur Förderung des Göttlichen in uns und in dem Nächsten; du wirst sie mit Dank gegen Gott gebrauchen und in Rücksicht auf Gottes Liebe und Gottes Gebote nach ihnen streben. So, m. Fr., ist in diesem einen Worte schon der ganze Inhalt der Religion enthalten, bietet es schon den guten Weg und die Erquickung für die Seele und ist eine Quelle, aus welcher mehr als das äußerliche Rechtthun gegen den Nächsten, aus welcher die wahre Liebe und die wahre Frömmigkeit entströmt. Aber nicht blos ein Gebot, sondern auch ein Verbot haben wir vernommen; nicht blos ein Weiser auf dem guten Wege wurde uns geschenkt, sondern auch eine Warnungstafel vor dem Weg und vor allen Wegen, die zum Verderben führen; denn wir haben auch gehört aus dem Munde unseres Gottes: ״ לא יחיה לךDu sollst dir keine andern Götzen machen neben mir/' Der Götzendienst, m. Fr., ist nicht aus bloßem Irrthum, sondern aus der Sünde geboren, und so wie er ein Kind der Sünde ist, so zeugt er auch wieder die Sünde und jede Sünde ist nichts Anderes als Götzendienst. Wenn du sündhaft nach dem Himmel strebst, dein ganzes Glück in Macht und Ansehen setzest, nur geehrt und immer geehrt sein willst und von Anderen nichts als Anerkennung deines eiteln Zchs forderst; wenn deine größte Wonne nur darin bestehet, Andern gebieten zu können, Andere zur Unterwürfigkeit und zum Dienste deiner Eitelkeit zu zwingen: was liebst du alsdann? Wahrlich nicht mehr den Ewigen, deinen Gott, — du würdest sonst erkennen die Eitelkeit deines Ichs und ihre Nichtigkeit; du würdest wissen, daß nicht dir, sondern Gott allein Ehre gebührt; daß kein Mensch dir Unterwürfigkeit schuldig ist, denn vor Gott sind Alle deines Gleichen — sondern du liebst dein eiteles Ich und hast deine Eitelkeit und deinen Hochmuth dir zum Götzen gemacht. Hüte dich vor solchem Götzendienst, denn der Herr läßt ihn nicht unbestraft; Gott gedenkt feiner noch bei deinen Kindern, bei deinen Enkeln und bei den Enkeln deiner Enkel, wenn sie — wie, durch dich verführt, ja leicht mög-!ich ist — den Herrn verlassen und solchem Götzendienste anhängen. Gott laßt ihn nicht unbestraft, denn er selbst ist schon seine fürchterliche Strafe. Du willst dein eiteles Ich geehrt wissen und du kannst dir ja nicht verhehlen, daß dein eiteles Ich selbst eitel ist; immer mahnt dich ja eine Stimme, daß von diesem so geehrt sein wollenden Ich nichts bleibt als Staub und Asche. Dein eiteles Ich willst du Thor geehrt wissen und du kannst dir ja nicht verhehlen, daß die, welche dich ehren sollen, deine Eitelkeit auch wissen und daß sie im Grunde ihres Herzens dich verlachen, statt dich zu ehren. Den Sinn deiner Kinder richtest du auf Eitelkeit, flößest ihnen ein Hochmuth und Stolz und das ist das Erbe, das du ihnen hinterläßt; für diese Erbschaft werden sie dir fluchen, statt dich zu segnen; denn sie werden, wie du selbst, für ihre Eitelkeit und für ihren Hochmuth nur Scham und Verdruß, Verlachung und Verspottung einernten. Mache dir keinen Götzen im Himmel oben, war daher das Wort, das wir heute vernahmen, denn du kannst den guten Weg nicht finden, du kannst nicht Erquickung erhalten für deine Seele, so lange Eitelkeit und Ehrsucht deine Götzen sind. Mache dir keinen Götzen von dem, was auf der Erde unten ist, haben wir heute ebenfalls aus dem Munde unseres Gottes vernommen. Wenn du nur nach Sinnlichkeit und Lust, nach Vergnügen und nach der Pflege deines Bauches strebst, dann liebst du nicht mehr deinen Gott allein, sondern du hast dir — o der Schande! — einen Götzen gemacht von dem Niedrigen, was auf der Erde ist, von dem Niedrigen, was im Staube kriecht. Und die Strafe solches Götzendienstes bleibt nicht aus; die Strafe solcher Sinnlichkeit ist die Sinnlichkeit selbst. Worin unterscheidest du dich denn von den niedrigen Thieren der Erde? Das Thier kennt nichts Höheres als sinnliches Wohlsein und du kennst auch nichts Höheres und bist also dem Thiere gleich. Aber das Thier findet Alles, was es zu seinem sinnlichen Wohlsein bedarf, mühelos vor und du mußt laufen und rennen, mußt deinen Geist anstrengen und dich abmühcn, um die Mittel zum sinnlichen Vergnügtfein zu finden und stehst also unter dem Thiere. Und mit dieser Strafe — schauderhafter Mörder 1 — suchst du noch deine Kinder und deine Enkel und die Enkel deiner Enkel heim! Zu allen deinen Vergnügen läutet die Todesglocke: ״ כי מחר נמותmorgen müssen wir doch sterben;" alle deine Vergnügen sind ja der T o d d e s Vergnügens; jeder sinnliche Genuß erstirbt ja im Genüsse selbst: und nichts als die Reue, die schrecklicher ist als der Tod und die Vernichtung, bleibt, als eine traurige Spur deines wahnsinnigen Götzendienstes und du berauschest dich, um zu vergessen diesen Tod und du trinkst den Kelch bis auf die Hefen — doch vor dem Tode und vor dem Gedanken der Vernichtung hilft kein Rausch. Nicht so ist das Erbtheil desjenigen, der Gott allein liebt. Er ist Herr über die Erde und über ihre Vergnügen; das Irdische ist ihm gegeben, er aber nicht dem Irdischen; das Irdische ist für ihn eine Gabe Gottes, die er genießt mit Dank gegen seinen Schöpfer, die er gebraucht, sich für den Gottesdienst und für die Erfüllung seines Berufes zu erhalten und zu kräftigen. Gott ist ihm Alles und das Irdische ohne Gott hat für ihn gar keinen Werth;

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