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Sabbath-Blatt · 1844-05-18 · 20 (18.5.1844) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
20 (18.5.1844)
Date
1844-05-18
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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70 Sprüche der Weife«. (Zugleich als Quelle ueutestamentlicher Lehren.) Bon Dr. I. L. Saalschutz in Königsberg. Die Moral des neuen Testamentes wird Niemand für eine neu erfundene halten. Vielmehr sind die Ausspräche Christi und der Apostel aus dem bereits vorliegenden Schatze einheimischer Weisheit entnommen. Wir sinden demnach die schönsten Gedanken des neuen Testamentes entweder schon in dem alten Testamente oder bei den ältesten Rabbinen wieder. Dies ist eine Wahrheit, welche die christlichen Theologen längst wissen, und auch ausgesprochen haben. Doch ist sie weit entfernt allgemein erkannt zu sein, und es giebt selbst Manche, die da glauben, daß die zehn Gebote, bekanntlich die Grundlage des christlichen Religions-Unterrichtes, oder auch das Gebot ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" u. s. w. ursprünglich ueutestamentliche Lehren sind. Wir glauben demnach beiden, den israelitischen so wohl als christlichen Lesern dieser Blätter, einen Dienst zu erweisen, wenn wir die Sprüche hebräischer Weisen ihnen vor Augen stellen, und zugleich auf die neutestamentlichen Lehren aufmerksam machen, welche aus jenen hergeflossen sind. Zeigt sich hierbei nun, daß Vieles nicht originell-christlich ist, was Manche dafür halten, so verliert doch das Christenthum dabei Nichts, wo nur die Wahrheit gewinnen soll. Die guten Lehren, welche dasselbe seinen Bekennern vorträgt, bleiben vollkommen in ihrem Werthe, das Licht ist es und bleibt Licht, wenn auch seine Flamme sich an einer andern entzündete. ״Das Wort des göttlichen Gesetzes gedeihet nur in denen, welche demüthigen Sinnes sind. Darum wird die Lehre dem Wasser verglichen, wie es heißet (Jes. 55, 1.): ״Ihr, die ihr dürstet, kommet zum Wasser; denn das Wasser fließet von der Höhe zur Tiefe, also auch die Lehre — (sie haftet nicht bei den Stolzen, aber) sie kommet zu den Demuthsvollen. Und wiederum wird die Lehre dem Weine und der Milch verglichen; denn gleichwie diese drei, das Wasser, die Milch und der Wein nur iu einfachen Gefäßen sich halten (aber in silbernen und goldenen verderben würden), also ist es mit dem Wort der Lehre in den Demuthsvollen." Talm. Tr. Taanit. 7, 1, ״Als noch der Tempel stand — wer da ein Ganzopfer dargebracht, empfing den Lohn dieses Opfers, wer ein Speiseopfer, dem ward dafür der Lohn; aber wer demüthigen Sinnes, dem rechnet es die Schrift, als hätte er alle Opfer dargebracht, denn es ist gesagt (Ps. 51, 18. 19.): Du veilangest kein Schlachtopfer, ich würde es geben, Ganzopfer willst du nicht; ein Opfer für Gott ist ein gebrochener Geist, ein gebrochenes Herz und ein demuthsvolles; Gott! das verschmähest du nicht!" Thalm.Tr. Sanhedr43, 2. So wird Demuth, bescheidene Duldung, schüchterne Zurückhaltung noch öfter dringend empfohlen. So heißt es (Spr. d. Vat. 4, 4.): ״Sei sehr, sehr demuthsvoll; denn was dem Menschen bevorstehet, ist Moder", und (ebend. 5, 20.): ,,Die Frechen kommen zur Hölle, die Schamhaften ins Paradies"; und ferner (ebend. 5, 16): ״Ein gutes Auge und ein demuthsvoller Sinn, und ein bescheidenes Gemüth bezeichnet die Schüler unseres Vaters Abraham." Und diese Lehren sind nur der Wiederhall von den Lehren der Schrift. Stellet sie nicht den Moses als ein Bild hoher Demuth auf, wenn von ihm bezeuget wird (4 M. 15, 3.): ״Moses war gar bescheidenen Sinnes, mehr als alle Menschen auf der weiten Erde" —? Der Psalmist sagt: ״Nicht überhob sich mein Herz, und nicht blickten meine Augen stolz, nicht ging ich Dingen nach, die für mich zu groß und wunderbar waren; ja ich schwichtigte nnd stillete meine Seele, gleich einem Kinde, das bei seiner Mutter ist" (Ps. 13, 1.). ״Gott ist, wie Jesaja sagt, mit dem Zerknirschten und dem Demüthigen" (Jes. 57, 15.). Demuth ist, nach Micha (6, 8.), nebst Gerechtigkeit und Liebe, höchste Forderung Gottes: ״Es ist dir gesagt o Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir fordert, Nichts als recht zu thun, freudig Liebe zu üben und demüthig zu wandeln mit deinem Gott." — ״Glückselig der Mann" heißet es im Hiob (5, 17.) ״den Gott züchtiget; verachtet nicht die Zurechtweisung des Allmächtigen, denn er macht Schmerzen und lindert, er verwundet und seine Hände heilen." ״Selig der Mann," ruft der Vecfasser der Klagelieder aus, ״welcher Druck erträgt in seiner Jugend, er sitzet einsam und schweiget, denn er nimmt es über sich." — Man wird, nach dem Obigen, leicht finden, daß das in der Bergpredigt Matth. 5, 3—5 von der Demuth, vom Ertragen der Leiden und der Sanftmuth Gesagte, nur ein Echo des von den Weisen des Volkes vielfach Ausgesprochenen sei. Dr. Z. Frankel über den rrrff. Mas. Seit April hat Hr. Frankel eine Monatschrift, ,,Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums" betitelt, an's Licht treten lassen, aus der wir nachstehende Aeiten über die Dislokation der Juden an der russ. Grenze entlehnen: Mit tiefer Trauer umhüllte sich allgemein der Blick bei dem Schicksale der in Rußland an der Grenze wohnenden Juden. Der Ukas, der sie von ihren bisherigen Wohnorten in die inneren Gouvernements verweist, dqs grenzenlose Elend, das sie betrifft, da in dieser Uebersi'edlung der Untergang der gewaltthätig und unmenschlich Versetzten liegt, die jede Religion entehrende proselytische Tendenz, diesem Ukas zu Grunde liegt, dessen Entstehung der sogenannte Hebräer-Comite zu Petersburg, zusammengesetzt aus abgefallnen und nun ihren frühern Glaubensgenossen

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