Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 20 (18.5.1844)
- Date
- 1844-05-18
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80 um so feindlicheren Juden, veranlaßt haben soll, ist reich? lich in den Blättern besprochen worden: es seufzt die Menschheit, es seufzt Glaube und Glaubensduldung bei diesen in unseren Zeiten auftauchenden Schreckgestalten. Einige Milderung ist nun eingetreten, und wird die Ausführung einstweilen hinausgeschoben; doch in welcher schreckliehen Ungewißheit schweben noch immer die Unglücklichen! Die Theilnahme hat sich bis jetzt nur in Worten erwiesen, da eine Aussicht zu anderer Einwirkung sich nicht darbietet. Ob bei tieferm Eingehen, bei kräfcigerm Streben, dieses ״stille Bedauern" sich nicht in anderer Weise aussprechen dürfte, wagen wir nicht zu verneinen; freilich müßte vor Allem die Zaghaftigkeit, daß hierdurch die Emancipation gehenimt werde, weil man daraus auf eine Nationalität der Juden folgern würde (!), abgelegt werden. Ucberhaupt darf der gerechte Wunsch nach Emancipation sich nicht in Emancipationsschwindel umwandeln, und ihm Glaube und Heiligthum und religiöses Gefühl geopfert werden. Wir wollen als Juden emancipirt sein, geben wir das Judenthum auf, dann sind Vereine und Bemühungen überflüssig, und ist die große Heeresstraße geöffnet. Wir fühlen aber auch als Juden mit unfern Glaubensgenossen mit um so größerem Rechte, als diese grausame Maßregel dem Glauben gilt. Darum kann nur Achtung dem wackern Oberrabiner zu Posen, Herrn Salomon Eiger gezoll werden, der für die leidenden Brüder in Rußland in die Schranken tretend, nach Berlin ging, um die Vermittelung des Königs von Preußen anzuflehen, und daß der erhabene Monarch sich für die Unglücklichen verwende. Herrn Eiger wurde oft zum Vorwurfe gemacht, daß ihm die moderne Bildung abgehe, aber er ist ein Rabbiner der antiken Thatkraft; er hat sich seinen Kreis im Leiden mit seinen Brüdern und im regsamen Streben nach Abhilfe vorgezeichnet. — Auch der Königsberger wie der Berliner isr. Gemeinde- Vorstand haben gerechten Anspruch auf achtungsvolle Anerkennung: ersterer durch seine lebhafte, wenn auch erfolglose Verwendung in Petersburg selbst; letzterer durch eine — wie die Deutsche Allg. Zeitung meldet — in gleicher Absicht wie Herr Eiger, an den König überreichte Bittschrift. Das Resultat ist noch nicht bekannt; doch wie es sich immer gestalte, es ist eine Manifestation von Seiten einer der gebildetsten und zahlreichsten Gemeinden dargelegt worden, wie das Schicksal ihrer Glaubensgenossen ihr nicht gleichgültig und das Gefühl für den Glauben nicht in jenen engherzigen Emancipations-Egoismus untergegangen sei. Vermischte Nachrichten. Jedes jüd. Bethaus in Galizien ist mit 20 fl. K. -M. jährlich besteuert. Bei Unterlaffung derselben, ist, wenn eine betende Menge mit einer Gesetzesrolle entdeckt wird, 50 Dukaten Strafe festgesetzt. Das Landrabbknat in Mahren ist noch immer vakant. Unter den vorgeschlagenen Kandidaten befinden sich Dr. Hirsch, Landrabbiner zu Emden und Dr. Z. Fr ank el, Oberrabbiner zu Dresden. Die Berliner Gemeinde hat Dr. Sachs, Prediger in Prag, zum Rabbinats-Assessor gewählt. Hr. Sachs ist ein tüchtiger Redner, der in seinen Zuhörern eine religiöse Begeisterung hervorzurufen versteht. In Pesth wird nächstens ein Ungar. Schauspiel ״der Jude" zur Aufführung kommen. Auf diesem Reichstage waren die Juden ein tragischer Stoff. Nach mehren Zeitungen soll die Entscheidung über die Verbefferung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden zu Hamburg sehr nahe sein. In Kose! (in Oberschlesien) wurde, vor, Kurzem, von höherer Behörde dem Magistrat die Frage zur Beantwortung vorgelegt: ״Ob das jüd. Bethaus sich auf einem Platze befinde, wodurch für Nachbaren und Vorübergehende Störungen entstehen, und ob in diesem Falle das Lokal nicht zu verlegen sei." Der Magistrat antwortete h.-rauf, daß der jüd. Gottesdienst Niemanden anstößig sein könne. In London ist das seit dem Ableben des Rabbiners Herschel erledigte Rabbinat erst vor Kurzem öffentlich als vakant erklärt worden. Der Kandidat darf weder jünger als dreißig, noch älter als zweiundvierzig Jahre an Rosch ha- Schana 5603 gewesen sein. In Jerusalem besteht, wie unfern Lesern gewiß schon bekannt sein wird, eine hebräische Buchdruckerei. Bis jetzt sind zwei Schriften, ein jüdischer Kalender ׳ und ein Wrrk über astronomische Gegenstände von Herrn Josef Schwarz, aus dieser Officin hervorgegangen. Bemerkungen. Herr Dr. Höchftädter in Wiesbaden wird ersucht, mit homiletischen Beiträgen für das ״Sabath- Blatt" gef. forlfahren zu wollen. — Hr. Jakob Mayer in Godenhaus möge das in seinem geehrt.Schreiben Versprochene bald einsenden Das Gedicht ״der Jude" wird in No. 21 abgedruckt werden. — In ber -tritt cn Nachricht der v. Nr. muß der Name ״Epstein" gestrichen und für ״Top" Lrop gelesen werden. Die Redaktion. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.