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Sabbath-Blatt · 1844-05-11 · 19 (11.5.1844) · p. Seite 74

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
19 (11.5.1844)
Date
1844-05-11
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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71 den, auf die Israel noch heute stolz ist, zur Zeit der Makkabaer, die Barbaren unter Anderm auch gegen die Beschneidung so sehr eiferten, indem sie wußten, wie hochwichtig sie den Juden ist, und daß aus eben diesem Grunde (denn das, was der Talmud sSanhedrin 74] in dergleichen Fallen verschreibt, ist ja Euch nicht maaßgebend) die Juden nicht davon abließen und, selbst der Todesgefahr trotzend, alle Schrecknisse des Krieges und der Tyrannei verachtende nicht rasteten, bis das auch dieses Gebot triumphirend aus Feindes Uebermuth hervorging. Bleibet auch Ihr würdige Sprößlinge dieser allgerühmten Ahnen; verlachet sie nicht; schändet nicht das Andenken an dieselben; entwürdiget nicht ihre musterhafte Frömmigkeit, ihre bewundernswerthe Stand- Hastigkeit; entwürdiget nicht das Heilige, das Göttliche; seid das, wozu Euch Eure Geburt, Euer religiöser Berus auffordert; seid Israeliten, ganze Israeliten, keine Bruchstücke! Noch bin ich aber eine Erklärung zu geben, einen in dem bisher Gesagten scheinbar obwaltenden Widerspruch zu lösen schuldig. Man könnte nämlich fragen: Worin besteht denn die eigentliche Wichtigkeit des Beschneidungsgebots? worin unterscheidet es sich von andern Religionsgeboten? Daß durch die Ausübung nicht der Eintritt in das Judenthum, sondern ״der Eintritt in den Bund Abrahams" bethätigt werden soll, was will das heißen? Zur Lösung dieser Fragen nenne ich nur ein einziges Wörtchen, genommen aus der nie versiegenden, nie zu erschöpfenden, aber auch von allem Schlamme oberflächlicher Reformversuche nicht zu trübendenden Quelle. Es ist das Wörtchen deffen sich die h. S. (1. M. 17, 11), zur Bezeichnung der Wichtigkeit der Beschneidung bedient. אות (als Grundwort der Accusativ-Bezeichnung, oder der Redeform, in welcher dasjenige Ding ausgedrückt wird, welches von der Subjectivität in die Objektivität tritt) heißt: Z eiche n, d. i. Versinnlichung, objektive Darstellung eines Begriffes, und zwar hier des Begriffes von dem Verhältnisse zwischen Gott und Mensch, Jener begriffen als unendlicher Wohlthäter, Dieser als berufen zur Gotteserkenntniß und der damit verbundenen Glückseligkeit, besonders Israel, als Träger und Verbreiter der reinen Gotteserkenntniß. Gott sprach nämlich zu Abraham, dem Ahnherrn der Gläubigen: ״Ich bin der Allmächtige; wandle vor mir und sei ungetheilten Sinnes! Dafür werde ich meinen Bund mit dir errichten derart, daß ich meinerseits eine zahlreiche und glückliche Nachkommenschaft dir verleihen werde und derselben insbesondere den Besitz des Landes Kanaan verheiße" (eine Verheißung, in welche die Bibel an unzähligen Stellen den Höhepunkt aller Wohlthat setzt *) ״und mich überhaupt als Gott bezeigen werde. ,,Du und deine Nachkommen sollet dagegen eurerseits diesen Bund auf ewige Zeiten zu würdigen wissen und ihn durch die Beschneidung objektiv darstellen. Des verheißenen Segens verlustig macht sich aber derjenige, welcher aus dem Kreise dieses Bundes heraustritt, oder auch nur diesem Bunde das Zeichen nicht beigiebt, diesem Vertrage das Bestätigungssiegel nicht anlegt. Er giebt damit zu erkennen, daß ec das Hehre, das Beseligende dieses Bundes nicht zu würdigen weiß; er leugnet damit seine Menschen-, seine Jsraelswürde; er vernichtet dadurch das Ebenbild Gottes an sich selbst und lebt daher zweck- und beruflos; darum soll auch Ausrottung, Vernichtung seine Strafe sein." Dies der Sinn von 1. M. 17, 1 — 14. So ist die Beschneidung zwar kein Sakrament, das erst zum Juden macht, aber ein Fundament des Judenthums, einZeichen des dem Judenthum zu Grunde liegenden beseligenden Verhältnisses zwischen Gott und Mensch, welches am Sinai zwischen Gott und dem zur Verbreitung der höhern Menschenwürde berufenen Israel in's Leben getreten ist. (Beschluß folgt.) 4 Der Aufruhr des VLncenz Fettmilch und die Judenverfolgung zu Frankfurt a. M. von G. v. C. W. (Schluß.) Die Gesellen nahmen dieses Mandat sehr übel, besonders da ihnen einige Aufbetzcr weißmachten, sie sollten für unehrlich erklärt und ihre Namen an den Galgen geschlagen werden. Sie rotteten sich zusammen und die ganze Stadt er wartete mit Bangigkeit irgend eine Gewaltthat. Die Anführer des aufrührerischen Haufens gingen in die Judengasse und *) Aus der biblischen Anknüpfung alles Wohlergehens an dm Besitz des Landes Kanaan, welches Recht in der Regel nicht auf das weibliche Geschlecht übertragen wurde, läßt sich einigermaaßen erklären, warum nicht auch ein Zeichen des Bundes für dieses Geschlecht angeordnet ist. Daß jedoch auch Sklaven beschnitten wurden, rührt daher, weil diese alle Persönlichkeit verloren hatten und für nichts Andres galten als für Sachen des Eigenthümers, in dessen Persönlichkeil die ihrige aufging.

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