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Sabbath-Blatt · 1844-04-27 · 17 (27.4.1844) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
17 (27.4.1844)
Date
1844-04-27
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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ז6 Lese-Zimmer. (Eingesendet). 3>n einem Kanzelvortrag, den der israelitische Bezirkstheologe Lr. Höchstädter in Wiesbaden am Sabbac vor dem Purimfeste hielt, und welchem der 14te Psalm zum Grunde lag, kamen unter Anderm folgende von allen Feinden der israelitischen Emancipation wohl zu beherzigende Worte vor: Sprach ja schon Haman die drei weltbekannten Grundsätze der gottlosen Judenfeinde aus, als da sind: Erstens die Gleichgültigkeit — der Jndifferentismus — gegen alles Menschen wohl: ישגו עם אחד מפוזר ומפורר בין העמים (Est, 3, 8) Es ״ist ein Volk zerstreut und zersplittert zwischen den andern Völkern!" ״Es lohne nicht die Mühe, sich mit diesen Zerstreuten zu beschäftigen und ihre bürgerlichen und religiösen Angelegenheiten zu ordnen, man könne sie vielmehr, ihrer Minderzahl wegen, ohne alle Gefahr unterdrücken." Die Grausamen! Als gälte bei den Menschen wie bei wilden Thieren auch die Gewalt des Stärkern gegen Schwächere? als wäre irgend eine Menschenklasse zur Sklaverei geboren, und von Gott und der Natur zur ewigen Knechtschaft verdammt. הלא אב אחד לכלגו הלא אל אחד בראגו מדוע נבגד איש באחיו“ (Malach. 2, 10) ״Haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht ein Gott uns geschaffen, wie dürfte Bruder gegen Bruder treulos handeln?" Zweitens die Verfolgung —der Fanatismus — ודחיהם שומת מכל עם (das.) ,,Ihre (religiösen) Ge b räuche sind verschieden von denen anderer Nationen," ״Sie gehören ja nicht zur Staatskicche, und kamen ehedem als Fremdlinge in's Land; ihnen gebühren nicht die Rechte des Bürgers!" £), die Undankbaren! Als hatte je in Israel dieser unmenschliche Grundsatz Geltung gehabt, heißt es nicht vielmehr in unserm göttlichen Gesetze: כאזרח מכם יהיה לבם הגר 3) הגר אחכם ואהבת לו כמוך. M. 19, 36) ״Wie der Einheimische sei euch der Fremdling, der sich bei euch aufhält, und du selbst ihn lieben, wie dich selbst!'׳ Drittens der Eigennutz — der Egoismus — gegen die Nebenmenschen: ולמלך אין שוד. להגיהם (das.) ״Es erwächst dem Fürsten kein Nutzen, so erste frei läßt!" ״Man verliere hierdurch jene Einkünfte, die aus den armseligen Händen dieser Unterdrückten in die öffentlichen Kaffen fließen; ja, man schade sogar durch die Freigebung der bürgerlichen Gewerbe und stattlichen Aemter den andern Einwohnern, die solche bisher allein beanspruchen konnten!" Ob jedoch dergleichen Vergünstigungen an die Mehrzahl — gegenüber der Minderzahl mit Recht oder Unrecht eingeräumt׳ wurden, das ist diesen Herzlosen gleichviel! Achten sie ja nicht einmal auf den Ausspruch der allgemeinen Moral, den auch unsre Weisen im Talmud aufstellten: מה דעלך סגי לחברך לא תעביד (Trakt. Sabbat) ״Was dir verhaßt ist, das bürde auch deinem Nächsten nicht auf!" — Meine Zuhörer! In der ganzen von Märtyrerblute oft getränkten Geschichte unsres Volkes, wird der traurige Beweis gtliefert, daß es beinahe zu allen Zeiten Haman's gegeben habe, welche sich dem Bestehen und der Freiheit Jsrael's feindlich bewiesen, und ihre Macht und ihr Ansehn, das sie bei ihren Fürsten genoffen, zur Unterdrückung unsrer zerstreuten Glaubensgemeinden misbrauchten! Nur mangelte es zuweilen an Mardechai's, die mit der Festigkeit des Charakters und der Kraft des Wortes der Verläumdüng offen entgegentraten und sie vor aller Welt zu Schanden machten! — Und glaubt Ihr, daß es in unserm mit Aufklärung und Duldung sich berüsttenden Jahrhundert keine Haman's mehr gäbe, welche den graden Sinn der Herrscher auf Erden durch ihre schlaue Sprache verdrehen und zum Nachtheile Israels kehren?! Schauet hin auf jenes mächtige Reich im Nordosten, wo ein großer Fürst noch vor einigen Jahren mit vielem Aufwande seine durch den Druck vergangener Zeiten verwahrlosten Unterthanen unsres Bekenntnisses zur religiösen Aufkärung und bürgerlichen Gesittung führen wollte, während heute daselbst Hunderttausende unsrer Glaubensgenossen in das Elend wandern und die Heiligthümer ihrer Väter verlassen sollen!! Doch פלגי מים לב מלך ביד י״י בכל אשר יחפץ יטנו (Spr. 21,1)" die Herzen der Fürsten sind in Gottes Hand, Er leitet sie gleich Wasserströmen—wohin es ihm gefällt." Und können wir uns darum über den Willen der Macht- Haber zu jeglicher Zeit trösten, und dem hohem Willen Gottes vertrauen, der jenen sicherlich zum Besten lenken würde! Nur das muß uns höchlich schmerzen, daß in jenem großen Reiche heut zu Tage kein Mardechai lebt, der zur Rettung seiner Mitbrüder aufgestanden; daß vielmehr — wie es allgemein verlautet — die Haman's aus unserer eignen Mitte hervorgegangen und zu jenen ausgearteten Söhnen gehören, welche ihrer altehrwürdigen Mutter frech den Rücken kehren und sie mit wüthender Verläumdüng und Lüge dem Elende preisgeben möchten. Solange nämlich Israel ein tugenthaftes und gläubiges Leben führt, mögen immerhin irdische Gewalten gegen dasselbe stürmen, sie werden ihm nicht anhaben können! Im Gegentheile würde das nur eine Veranlassung mehr zur Verherrlichung unsres Glaubens, zur Heiligung des göttlichen Namens (קידוש השם) für uns sein! Wenn aber Israeliten es sind, die durch schlaue Gesinnungen und schlechte Handlungen die Achtung vor unserm väterlichen Glauben, die Ehrerbietung vor unsrer heiligen Lehre in den Augen der Welt schwächen und herabwürdigen, so ist das eine Entweihung des göttlichen Namens, ein חלול השם, was wie bei Jerobeam, dem Volksverführer — noch im dritten und vierten Geschlechte sich rächen wird!

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