Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 17 (27.4.1844)
- Date
- 1844-04-27
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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68 Revue jüdischer Zustände Deutschland. Wir beginnen unsere Revue diesmal mit dem von Dr. Freund pcojektirten und in den deut: schen Zeit., ja sogar im Journal, des Debats, besprochenen Emancipations-Verein. Es sollen nämlich Mehre, ohne Unterschied des Glaubens, zusammentreten und die Sache der Emancipation nach allen Seiten hin befördern. Die Vorurtheile, welche in der niedern Volksklasse gegen die Juden herrschen, sollen durch Druckschriften verdrängt, an die Regierungen sollen Petitionen eingereicht, kurz alle geschlich erlaubten Schritte sollen gemacht werden, um die Gleichstellung der Juden zu erwirken. Schade, daß dieser Verein durch ein Misverständniß zwischen Herrn Freund und einigen christlichen Mitgliedern des Vereins, gescheiter ist. — Das Gerücht, daß die preußischen Juden von der Regierung als Korporation werden angesehen werden, wird von den meisten Zeitungen bestätigt. Daß Preußen durch diese Maaßregel gegew den 16. Artikel der Bundesakte handelt, hat ein Korrespondent in der Aachner Zeitung nachgewiesen. — In Köthen wollten vier Männer die Juden von der Theilnahme an der zu errichtenden Kleinkinderbewahranstalt ausschließen, was aber verworfen wurde. — Hr. Dr. Hic schfeld (vergl. No. 13), der von Paris" zurückkam und über Leipzig nach Hause reiste, sagte uns mündlich, daß er das Zeitungsgeschwätz über die jüd. Ackerbaukolonie in Rußland für vorlaut erklären müsse, und daß er schon zur Zeit das Wahre an der Sache veröffentlichen werde. Oesterreich. Die Agramer politische Zeit berichtet, daß in der 98. ungarischen Reichstagssibung nach einer längecn Debatte von seiner Ex. dem k. Personal der Beschluß ausgesprochen wurde, daß die Juden in den königlichen Freistädten Bürger werden können. Rußland. Wie sehr man den Rothschild's Unrecht thue, wenn man ihnen eine zu geringe Theilnahme an dem Geschicke ihrer Mitbrüder vorwirst, haben wir bereits in No. 6 dieses Blattes angedeutet. Dies bestätigt sich auch in Betreff der Dislokation der Juden an der ruff. Grenze. Man warf ihnen Gleichgültigkeit in dieser traurigen Angelegenheit vor, und doch ist es gewiß, daß die Rothschilds es sind, welche die Milderungen des Ukases hervorgerufen haben. Damit wollen wir auch das in No. 13. Mitgetheilte berichtigt haben. Nord-Amerika. Durch den ,,Occident" (vergl. No. 5) lernen wir auch die Zustände der Juden in Nord- Amerika kennen. Schulen, in welchen die Religion Israels gelehrt wird, werden errichtet, Synagogen, in denen das Wort Gottes und der jüd. Propheten verkündet wird, werden erbaut, und der jüd. Glaube hat auch in der neuen Welt eine Stätte gefunden. A. I. Vermischte Rachrichten. In Siebenbürgen leben Einige, die viele Stücke des Mosaismus angenommen, nur aus ihrer eigenen Mitte heirathen, sich selbst unter einander als Juden betrachten, die Gebete in ihrer Umgangssprache, ungarisch nämlich verrichten, der Form wegen sich zwar zu irgend einer Herrschenken Landesreligion bekennen müssen, und mit dem Namen Szombasniker bezeichnet werden. Ueber ihren Ursprung herrschen viele sich wiedersprechende Sagen. Ihrer eigenen Aussage zufolge, wären sie ursprünglich Christen gewesen, auf Aneiferung ihres Grundherrn aber, der ein polnisch-jüsches Mädchen nur unter der Bedingung, daß er Jude wird, erhalten konnte, seien auch sie zum Judenthume übergegangen. Viele erblicken in ihnen spanische Flüchtlinge (was aber historisch unmöglich ist). Eine Anzahl der kleinen Gemeinden der preußischen Provinz Sachsen ist unter das Rabbinat des Dr. Philippson getreten, so daß derselbe in jeder einmal im Jahre predigen und die Kinder konft'rmiren wird. Hierbei ist besonders hervorzuheben, daß in Quedlenburg der Magistrat die dadurch der Gemeinde entstehenden Kosten übernommen hat. Die russ. Censur hat aus einem bei Landau in Prag erschienenen Psalmexemplar einige censurwidrige Blätter herausgerissen. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Armen-Jnstitute der Presburger isr. Gemeinde 100 fl. C. M. geschenkt, der Hr. S. v. Rothschild einem Wohlthätigkeitsverein zu Wien 2000 fl., der Stadt Brünn zur Errichtung eines politechnischen Instituts 20,000 fl. In unserm Verlage ist erschienen: Vocabularium zum Hebräischen Gebetbuche. Mit einem Anhänge: Einleitung in die Hebräische Grammatik. (Von Dr. I. L. Saalschutz.) Preis 15 Sgr. Dieses Bocabularium verbindet mit Raumersparniß und dadurch bewirkte Wohlfeilheit auch die größte Vollständigkeit, so daß der Schüler überall zu übersetzen anfangen kann, ohne von dem Bocabularium je im Stiche gelassen zu werden. Der ziemlich ausreichende grammatische Anhang vollendet die Brauch« barkeit des Buches. Königsberg. Gräfe und Unzer« Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.