Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 16 (20.4.1844)
- Date
- 1844-04-20
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62 lichsten Verlauf der Verhältnisse; denn ,מצות גוררת מצוד, das Gute führt zum Guten, das Böse zum Bösen. Das Gute und das Böse schreitet fort, vergrößert sich in sich selber. Sie folgen hier beide den Erscheinungen, die wir in der äußern Natur wahcnehmen, sowohl zum Segen, als zum Verderben. Aus einem Felsen dringen einzelne Tropfen hervor, was in Hiob so schön ״ ,בכי גרורותdie Thräne der Ströme," genannt wird. Diese Tropfen sammeln sich und werden zu kleinen Wasserstreifen, die man, wie ein glanzendes Land, von der Höhe des Gebirges sich herabziehen stehet; der schmale Wasserstreifen wird allmalig zum Bache, der Bach zum Flusse, der Fluß zum Strome, der seine mächtigen Wellen dahin rollt durch die Lander, stolze Segel dem Meere zuführt, und wogendes Menschenleben und reiche Städte an seinen Ufern erblühen lässet. Und wiederum, auf der Höhe der Schneegebirge, reißet sich, durch die geringste'Erschütterung, vielleicht durch den Flügelschlag eines hinschwebenden Adlers, ein kleiner Schneeballen los, und wie er hinabrollt^ hangt sich an ihn immer mehr des Schnee's an, und ec wird zur Masse, und er wächst an zur furchtbaren Lawine, die unaufhaltsam und des Todes voll dahinstürzt und zuletzt blühende Äöcfer, reiches Menschenglück, festlich Versammelte, Kinder und Greise und Manner, als ein weites Grab verschlinget. Und also ist es auch im Bereiche des Geistes. Kein Mensch wird zum Frevler werden, wenn sich ihm gleich anfangs der Frevel in seiner furchtbaren Größe zeigte. Aber dieser beginnet, heuchlerisch, so unbedeutend, ja, wenn dieser Ausdruck hier nicht sündhaft ist, er ist im Beginne gleichsam so bescheiden, daß er auch den Klügsten tauschen kann, wenn ec sich nicht durch das Wort Gottes warnen lässet. Halb im Scherze, halb aus Angst, hat vielleicht das Kind eine Unwahrheit gesprochen. Der einen Unwahrheit folgen mehre. Aus diesen wird vielleicht später die Neigung zur Lüge, aus der Lügenhaftigkeit wird Unredlichkeit, aus der Unredlichkeit Trug, aus dem Truge heimliches Ansi'chbringen fremden Gutes, aus diesem Raub, aus dem Raube Mord, und gräßlich endet, was so unscheinbar begönnen! Dank sei es der göttlichen Langmuth und Gnade, nicht immer nimmt der erste Jrrthum einen so furchtbaren Fortgang, aber es liegt in seiner Natur, ihn nehmen zu können, denn aus Sünde wird Sünde, und wir wissen, daß es öfter bereits so geschehen ist. Darum hüte dich und hüte die Deinigen vor der kleinsten Sünde, denn du kannst nicht wissen, was die letzte Folge, die letzte Strafe dieser Sünde sein kann. An einem müßigen Abende setzte sich etwa der junge Mann mit einigen Freunden zu einem schuldlosen Spiel. Die Andern betrachten es als bloßen Zeitvertreib. Ihn selbst regt es leidenschaftlich an. Anstatt aber deshalb die. Wiederholung zu fliehen, sucht er sie begierig auf. Und immer fester ergreift ihn der Dämon seiner Leidenschaft, und immer enger umstrickt ihn das Band seines Verderbens. Und nun, kommt nach Jahren wieder, und ihr findet ihr^ in einem jener stillen Zimmer, wo Menschen rings um den Tisch mit verstörten Angesichtern sitzen. Es gilt wieder ein Kartenspiel, ein Spiel, und doch ist es ein gräßlicher Ernst, auch er, der junge Sohn des Unglücks, unter ihnen/ Die Karte fällt, es ist ein Todesloos; bas Glück der Kinder und liebenden Gattin, das Glück einer ganzen Familie hangt an diesem magischen Zeichen. Auch seine Karte fallt, es war das Letzte, was er mit ihr hingab, er stürzt hinaus, und die nächste Welle begräbt ihn und die Hoffnungen der Seinigen. Du kennest nicht die letzte Strafe, die letzte Folge der ersten Versündigung, denn ״Sünde führt zur Sünde! " Und wie tröstlicher nun der Gedanke des Gegentheils. Die erste gute That, das erste, geringe Opfer, das du dem Gesetze Gottes brachtest, laßt in dir die Freudigkeit, die Lieble für das' Gute erwachen, die erste מצוה, fühvL dich zur zweiten. Du lernest immer mehr das Böse verabscheuen, immer mehr das Gute lieben, und aus dem einen Augenblicke eines edlen Fühlens, aus der einen geringen That eines edlen Ueberwindens, erwacht ein heiliges Leben, ein Leben voll heiliger Werke, voll reicher Frömmigkeit, voll edler Thaten, ein Leben glücklich an sich selber, gnadenreich in seinem Einfluß auf Andere, und ״ וחיה ראשיתך מצער ואחריתך ישגה מאדobschon der Anfang gering, herrlich wird deine Zukunft sein." Amen. S —z. Trübe Bilder. Der Lazzenhof in der Judengasse zu Wien, oder: Der Bündeljude. *) (Ein Beitrag zur Geschichte der Juden - Emancipation.) Ihr unglücklichen Brüder in Moses, ihr taufendfach Verachteten, Verstoßenen, Zertretenen, Mishandelten, Heimathlosen, Verworfenen; Euer ') Aus Oettinger's Charivari.