Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 15 (10.4.1844)
- Date
- 1844-04-10
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 um wie viel mehr zur Kenntniß der Gesetze und Vorschriften, die einer Deutung und Auslegung bedürfen! Wie mochten daher Bekenner des jüdischen Glaubens die Erklärung abzugeben wagen, die Tradition habe für sie keine Autorität? Hat sich ja doch das ganze schriftliche Gesetz nur auf traditionellem Weg erhalten! Mögen sie doch nur einmal die bestimmte Erklärung zur Ausübung Eines Gesetzes ohne die Tradition festsetzen! — Einige wollen den zweiten Feiertag der Festtage nicht mehr feiern; können sie aber etwa nur Einen Feiertag festsetzen ohne die traditionelle Kalenderrechnung? Wollen sie einen Feiertag bestimmen, ohne die nähern traditionellen Bestimmungen anzunehmen, so stoßen sie abermals auf Widersprüche; denn die ganze Zeitrechnung ist mit den traditionellen Bestimmungen eng verflochten (z. V. die Regeln לא אד״ו ראש ולא בריין פסח). Wollen sie aber eine Kalenderberechnung auf die Basis der sichtbaren Erzeugung des Mondes wieder einführen, nun, so bedürfen sie auch hinzu einer rabbinischen Religionsbehörde, der sie doch aber keine Autorität mehr einräumen wollen! Wollten sie ferner bei den Sabbatgeboten sich nur an den Wortsinn der Bibel halten, so dürften sie am Sabbat selbst durch einen Nichtjuden kein Licht anzünden und im Winter ihre Stuben nicht Heizen lassen; es dürfte sich Niemand von seiner Stelle bewegen und nichts aus. dem Hause tragen lassen. Jene Reformer haben daher gar keinen bestimmten Standpunkt im Judenthum, und kein anderes Ziel, als alle Grenzen zu durchbrechen) die das göttliche Gesetz den menschlichen Leidenschaften entgegenstellt. XII.*) Den Trost abet kann ich meinen gläubigen Brüdern geben, daß dem Judenthum im Allgemeinen durch diese Anfechtungen keine sehr große Gefahr droht. Denn so wie die göttliche Verheißung: ״Wenn sie auch sein werden im Lande ihrer Feinde, verschmähe ich sie nicht und verwerfe sie nicht, sie zu vertilgen," (Levit. 26, 44) in Erfüllung gegangen ist, so daß wir durch die Gnade des Allmächtigen noch immer als eine zahlreiche Volksklasse fortbestehen, während so viele Völker des Alterthums, wie z. B. die Assyrer, Chaldäer u. A., von der Erde verschwunden sind, so erhielt sich doch das Judenthum, trotz der mannigfachen Anfeindungen und Verfolgungen und ungeachtet der in unserer Mitte entstandenen Sekten. Denn alle alten Sekten gingen unter und verschwanden im Lauf der Zeiten; manche kehrten wieder ganz zu unserm Glauben zurück, manche vermischten sich mit andern Konfessionen, und nur sehr wenige erhielten sich als besondere Religionsgemeinden. Die Sadducäer, Baithusäer, Minim, Galiläer, Sacuäer (R. G. A. Schaare Zedek, 1, 6, No. 7, 10) und Sabbatäer sind spurlos , verschwunden; von den Samaritanern giebt es nur noch einige Hunderte und von den Karäern. *) Die in der Ucbers. fehlenden Nummern VIII—XII enthalten eine Polemik gegen Dr. Geiger, die Exegese der Lalmudisten betreffend, so wie eine Apostrophe an vr.Niesser, welche Gegenstände aber, als nicht hieher gehörend, unbeschadet des Ganzen, füglich wegbleiben konnten. A. d. Uebers. einige Tausende. Von den Letztgenannten kehrte in Egypten durch die Bemühung des R. Abraham Maimun eine ganze Gemeinde zu unserm Glauben zurück (Kaftor wa- Feracli 85), Dies Alles beweist die wunderbare Macht unserer Religion und beurkundet die Einsicht und den Eifer unserer Weisen, der Träger derselben. Auch uns wird in diesem Kampfe die Macht der Wahrheit hilfreich zur Seite stehen und die Kraft unseres Glaubens wird sich, wunderbar zeigen, so daß alle Gistflanzen und alles Unkraut aus dem Weinberge des Herrn ausgejätet werden wird. Beschämt werden alle Feinde Zion's zurückweichen, alle, die das Band der religiösen Einheit zu zerreißen und den Bund der Beschneidung zu vernichten streben. Wir wollen hiezu keine Hilfe von außen anrufen und auf die in uns wohnende Kraft vertrauen. Scheint auch der Sieg auf einige Zeit sich auf die Seite dieser Reformer zu neigen, so hoffen wir doch zu Gott, der uns seine Hilfe senden und jenes Vorhaben ohne Menschenhilfe vernichten wird. Auch diese werden endlich reuevoll zu uns oder — zum Christenthum übergehen. Sollte auch ihrem Treiben eine längere Frist gewährt sein und die giftige Wurzel auch in andern Gemeinden Boden gewinnen, so steht dennoch unsere Zuversicht und Hoffnung unerschütterlich fest, daß ihr Endziel Vernichtung sein, und sie, wie Viele ihrer auch sein mögen, doch spurlos verschwinden werden. Als sich die zehn Stamme unter Jerobeam vom Stamme Jehuda trennten, war ihre Seelenzahl zehnmal so groß als die Jehuda's, ihr Gebiet hatte einen zehnfachen Umfang; mochte daher nicht Jeder, der nach den äußern Erscheinungen urtheilte, annehmen, daß die größere Kraft bei der größer» Seelenzahl sich befände, daß die Minorität in die Majorität aufgehe? Wie anders gestalteten sich aber die Verhältnisse nach kurzer Zeit! Efrajim mit den andem Stämmen wurde eine Beute des innern Zwiespaltes, Aufruhr und Empörung hörte in seinen Gebietstheilen nicht auf, seine Könige wechselten und folgten so schnell aufeinander, wie die Mordthaten und Empörungen, so daß es lange Zeit vor Jehuda sein Reich verlor und nach entfernten Welttheilen vertrieben wurde, aus denen es nie zurückkehrte. Der Name Jehuda hingegen erhielt noch lange seine Selbstständigkeit unter dem Zepter davidischer Könige, die, mit wenigen Ausnahmen, ihrem Gott und seinen Geboten treu anhingen. Und als endlich auch der Stamm Jehuda sein Reich verlor und in die Verbannung wandern mußte, da kehrte er dennoch nach einem kurzen Zeitraume in sein Land zurück und kämpfte später lange siegreich gegen syrische Tyrannei. Und als zuletzt der Römer siegreiche Schaaren sich seines Landes auf immer bemächtigten, und Israel, zerstreut in alle Länder und Staaten, überall nur Dränger und Feinde erblickte, da erhielt sich doch immer ein jüdisches Volk und überwand siegreich alle Leidensperioden, die ihm sein Geschick bereitete. — Auch wir, die Ueberreste und Nachkommen dieses Stammes, stehen und wandeln noch immer vor Gott, und so wird es ✓