Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 15 (10.4.1844)
- Date
- 1844-04-10
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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K8 folget. Und also auch du Tochter einer guten, jetzt Heimgegangenen Mutter! wenn du gesündiget hast, die du der Liebling ihrer Seele wärest, die du, als empor blühendes Mädchen, unter der Pflege ihrer Liebe, zu so reichen Hoffnungen berechtigtest, oder du, der du ihr als Knabe ffo oft weinend Gehorsam und gut zu sein versprachest — wenn ihr nun so wenig hieltet, was ihr versprochen, vernehmet die klagende Stimme, die um das Grab der Heimgegangenen zu tönen scheint, es ist die Stimme der Mutter, die um ihre Kinder so bitter klaget, denn sie „schlummert zwar, aber ihr Herz ist wach." Ja, sie schlummern in ihren Gräbern, alle die Heimgegangenen Geliebten, aber die Gefühle ihres Herzens sind wach geblieben, und ihre Seele, ihr besseres Selbst, kennt nicht den Tod. Und auch wir Alle gehen einst hin, zum Schlummer in unsern Gräbern — möge unser waches Herz, unsere wache Liebe nicht klagen dürfen um die Unsrigen und Gott mit uns und ihnen sein! Amen. S—z. Gutachten über -Le BefchneL-ung von S. L. RapaporL, Ober-Rabbiner und Ober-Appellanten zu Prag. (Aus dem Hebräischen übersetzt.) (Schluß.) VII. Aber außerdem, daß die Reformer durch das Aufgeben der Beschneidung die Grundstützen des Glaubens erschüttern, reißen sie auch vollends das ganze Religionsgebäude ein, durch die offene Erklärung, die Tradition habe keine Verbindlichkeit für sie, und ein Messias sei nicht zu erwarten. Wenn wir von der Ablehnung des Messiasglaubens, der unter die Glaubensartikel ausgenommen sist, ganz abstrahiren, so genügt ihre Verwerfung der Tradition schon allein, sie gänzlich aus dem Jiudenlhume zu verweisen. Die Verwerfung der Tradition hat in neuerer Zeit angefangen Wurzel zu fassen selbst bei einigen Rabbinen, die wohl klassische Bildung, aber wenig talmudische Kenntnisse besitzen, und die ihre Kenntnisse nicht anwenden, um die Jugend zu belehren und Religiosität zu verbreiten, sondern vielmehr dazu, die Religion herabzuwürdigen und unsere Vorfahren und Weisen zu verspotten und zu bekritteln. Wir haben keine bessere Erwiderung auf diese Anfechtung und Ablehnung der Tradition, als die Worte, mit denen Hillel einen Prosrlytrn, der bei dem Uebertritte" zum Judenthum die Bedingung stellte, nur die schriftliche, aber nicht auch die mündliche Lehre anzunehmen, von der Nothwendigkeit und Unabweislichkeit der Tratidion überführte. Hillel lehrte ihn nämlich am ersten Tage das Alsabet nach der üblichen Ordnung. Als er ihm jedoch Tags darauf der Buchstaben Ordnung und Folge abänderte, da machte ihn der Proselyte daraus aufmerksam, wie diese Buchstabenordnung der gestern gelernten widerspräche; worauf Hillel erwiderte: So wie du die Buchstabenordnung nur auf die Glaubhaftigkeit und Treue meines Unterrichts hin für Wahrheit annimmst, ebenso verhalt es sich auch mit der Traditionslehre. Die hebräische Sprache hatte nämlich, wie bekannt, schon viele Jahrhunderte vor Hillel aufgehört, eine Volkssprache zu sein, und die syrische vertrat ihre Stelle. Wer war also zu einer Zeit, wo die Vervielfältigung durch die Presse noch nicht stattfand, der Erhalter der im Umgang ausgestorbenen Sprache? Durch wen erhielt das göttliche schriftliche Gesetz, wenn nicht unsere Gelehrten und Weisen, dieselben, die auch die traditionelle Lehre, so wie sie solche überkommen, weiter gelehrt und verbreitet und die ausgestocbene Sprache durch mündlichen Unterricht fortgepflanzt hätten? Wie vergebens bemüht man sich, so manche Zeichen einer ausgestorbenen Sprache zu entziffern! Die Hieroglyphen stehen schon drei Jahrtausende unentziffert da; selbst in dem Zeitalter Herodot's, des ältesten Geschichtschreibers, der vor zwei Jahrtausenden lebte, war die Entzifferung derselben bereits ein vergebliches Bemühen. (In neuester Zeit erst glaubte man Spuren zu deren Lesung gefunden zu haben.) Und dieses entstand, weil auch der Unterricht und die mündliche Fortpflanzung aufgehört, nachdem man sich dieser Sprachzeichen im Leben nicht mehr bedient hatte. Wenn daher unsere Weisen die Kenntniß der hebräischen Sprache, des Gesetzes und seiner Erklärungen nicht treu bewahrt ihren Schülern überliefert hätten, so würden auch diese jetzt für uns unleserliche Hieroglyphenschrift fein. Alle neuen Sprachforscher geben daher zu, daß man die Erhaltung der hebräischen Sprache und die genaue Kenntniß der Wortbedeutung nur den palästinensischen Gelehrten zu verdanken habe, als welche die schriftlichen Denkmäler so sorgfältig erhielten und deren Kenntnisse durch Unterricht fettsetzten, daher auch in den ersten Jahrhunderten nach Christo die Kirchenväter das Hebräische nur bei Juden erlernten. Unsere Weisen konnten daher bestimmen, daß man mit den Kindern schon im fünften Jahre den Unterricht in der Bibelsprüche beginne, und auch in unserer Zeit beginnt der Unterricht in der hebräischen Sprache schon frühzeitig. Ganz Israel betet daher in dieser Sprache, die alle fast wie ihre Muttersprache verstehen. Die Erhaltung unserer Religion beruhte einzig und allein auf der genauen Kenntniß der schriftlichen Lehre, die wir nur durch die Tradition erlangen konnten. Wie wahr sprach daher Hillel zu dem Proselyten: Du bedarfst zur Kenntniß der Schristzeichen und der Wortbedeutung einer Tradition,