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Sabbath-Blatt · 1844-04-04 · 13 (4.4.1844) · p. Seite 51

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
13 (4.4.1844)
Date
1844-04-04
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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öl Gutachten über -Le Beschneidung von 'S. L. RapaporL, Ober-Rabbiner und Ober-Appellant zu Prag.*) (Aus dem Hebräischen übersetzt.) I. Ew. Hochw. beehrten mich mit der Zusendung Ihres Umlaufschreibens, um auch meine Meinung zu vernehmen über die neue Sekte, die in Ihrer Gemeinde entstanden, über jenen frevelnden Bund, der, die Grundprinzipien unserec Religion verlaugnend, laut bekannt, er habe keinen Antheil an unserer traditionellen Lehre; ja, sogar ein offenkundiges mosaisches Gesetz, das ewige Bundeszeichen, verwirft, ein Gesetz, das uns zu allen Zeiten als Fun damentalgesetz gegolten, und wodurch wir unter dem Prädikat ״Beschnittene" (Mischna Nedarim, Kap. 2), die Heiden aber unter dem Prädikat ״Unbeschnittene" erkannt und bezeichnet zu werden pflegten (II. Sam. 2, 20; Jeremia 9, 20). Was soll ich nun aber wider diese Sünder und Frevler an ihrer eigenen Seele Vorbringen? Was kann ich hier mehr sagen als Alle, die den Namen Israel tragen, ausgenommen jene Thoren und Blödsinnigen, die entweder nicht sehen oder nicht sehen wollen, was doch Jedem sichtbar ist?! Sie sagen, dis Beschneidung sei nur Abraham und nicht den Israeliten geboten worden. Zeigt man ihnen nun die Stelle (Levit. 11, 3): ״Am achten Tage soll beschnitten werden das Fleisch seiner Vorhaut", so suchen sie Ausflüchte und entgegnen, aus Unwissenheit oder aus frevelndem Sinne, die Stelle drücke nur einen allgemeinen Gebrauch aus, oder sie sei später hinzugefügt worden. Eine andere Stelle ist ihnen entgangen, oder sie erwähnen ihrer absichtlich nicht; das erste Gebot nämlich, das Josua, als er über den Jordan ging, erhielt: alle in der Wüste Geborene zu beschneiden, welchen Befehl er auch vollzog. Ist jener Sekte etwa auch das Buch Josua nicht kompetent? Halten doch selbst die Samaritaner dieses Buch, neben dem Pentateuch, für heilig! Keine Spur findet sich aber in der jüdischen Geschichte, daß von dieser Zeit an die Beschneidung nur einmal aufgehört hätte und aus irgend einem Grunde ausgesetzt worden sei. Die Bücher Samuel und Jeremia beweisen vielmehr, daß die andern Völker, im Gegensätze zu dem jüdischen Volke, ״Unbeschnittene" genannt werden. So nannte sie auch Ezechiel (44, 7, 9) ״Söhne des Ausland's, Unbeschnittene an Herz und am Fleische". Als unter Jechiskijahu und Joschia das Passahfest unter dem Zuströmen einer Ungeheuern Menge gefeiert wurde, konnte das ganze Volk an dem Opfer Theil nehmen (2. Könige 23; Chronik 30), und Keiner mußte, nach Exod. 2, 13, weil un¬ 7) Dieses Gutachten ist aus den in Frankfurt a. M. erschienenen Gutachten über die Beschneidung entnommen. A. I. beschnitten, ausgeschlossen werden; nur von den Unreinen heißt es (2. Ehr. 30, 17), daß sie vom Schlachten des Passahopfecs ausgeschloffen wurden. — Selbst die zehn Stamme, die unter der Herrschaft der׳ israelitischen Könige alle Laster und Verbrechen begingen, hatten die Beschneidüng nie unterlassen (siehe No. I!.). Von dem wiedererbauten Jerusalem sagt der Prophet: ״Nimmermehr wird in dich eintreten ein Unbeschnittener und ein Unreiner" (Jesaja 52). — In der griechischen Periode erging von dem Tyrannen Antiochus das erste Verbot wider die Beschneidung, was bis zu seiner Niederlage unter den Makkabäern dauerte (1. Makkab. 1, 51; Jos. Alterth. 12, 5). Als Hyrkan die Edomiten besiegte und diese das Judenthum annahmen, beschnitten sie sich (das. 12, 2). — Im Urchristenthume entstand die Streitfrage, ob die Bekenner des neuen Bundes sich der Beschneidung unterziehen müßten; worauf Jakobus den entscheidenden Aussprach gab, ״daß man denen, die aus den Heiden zu Gott sich bekehren, nicht Unruhe mache, sondern schreibe ihnen vor, daß sie sich enthalten von Unsauberkeit der Abgötterei und von Hurerei und vom Erstickten und vom Blut" (Apostelgeschichte, Kap. 15). Die Beschneidung wurde demnach nur den Heiden erlassen, nicht aber den Juden, welche dem neuen Bund beitcäten (Epistel Pauli an die Galater, Kap. 2). Es ist mir daher unbegreiflich, wie in späterer Zeit die Christen den von jüdischen Proselyten Gebornen die Beschneidung erlassen konnten, da doch nur die Heid ein von dem Apostel davon befreit worden *). Nach der Zerstörung des Tempels ist uns nur das Verbot der Beschneidung durch Hadrian bekannt, was (nach Spatianus) die nächste Veranlassung zur Empörung des Bar- Cochba gewesen sein soll (Münter, S. 36). Dieses Verbot wurde nach Hadrian's Tod auf die Fürbitte einiger Tannaiten zurückgekommen, die deshalb nach Rom reisten (Meila, S. 17.) — Nach einer Barajta (Sabbat. 130) erlitten die Israeliten nur der Beschneidung und des Gözzendienstes wegen den Märtyrerlod. Seit jener Verfolgungszeit gab es keine noch so kurze Periode, in der die Beschneidung auch nur auf kurze Zeit suspendirt worden wäre. II. Auch in der frühsten Periode unserer Geschichte, von Abraham abwärts, wurde die Beschneidung nur wahrend des Zuges in der Wüste, wegen der beständigen Umzüge und der Veränderung der Winde, ausgesetzt. Aber auch die zehn Stämme unter den israelitischen Königen haben, die Beschneidung heilig gehalten; denn Jerobeam, der erste König dieser Stamme, welcher die politische Trennung von Jehuda und Jerusalem herbeiführte, hat dennoch in allem Uebrigen das mosaische Gesetz aufrecht erhalten. Dieses erhellt aus der Beibehaltung der mosaischen Festtage, mit Ausnahme des Sukka-Festes, welches er um einen Monat hinausrückte, was aber nur einen politischen Grund hatte. Denn dieses Fest hatte zugleich als Einweihungsfest *) Vergl. סדר עולם רבא, Ausg. von I. Emden, S. 32.

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