Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 13 (4.4.1844)
- Date
- 1844-04-04
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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liches, reines Ziel aus den Augen verlor, zum Brudermorde, zum Morde Kajin's an Abel, und wir wissen es, welche Ungerechtigkeiten und welche abscheulichen Werke, nicht blos unter der Maske der Religion, sondern auch von dem sich selbst für Religion haltenden Fanatismus, zu allen Zeiten sind verübt worden. Nein, die Seele des Menschen ist ursprünglich rein und sündenlos, und wir haben Gelegenheit genug zu beobachten, wie die Kinder ihre Fehler von den Großen ablernen und, unbewacht, und durch falsche Behandlung, sich allmälig aneignen. Versetzt den Dieb auf eine wüste Insel, wäre er zum Diebe worden? Lasset den Trunkenbold unter einem mäßigen, arbeitsamen Volke aufwachsen, wäre er zum Trunkenbolde worden? Nur schwach sind wir Menschen der Sünde gegenüber, wenn unsere Kräfte, ihr zu widerstehen nicht geübt wurden, aber unsere Seele ist ursprünglich rein und schuldlos. Ware dies nicht so, so müßten Sünde und Verbrechen die Regel fein, statt daß sie jetzt doch nur die Ausnahme sind; wäre dies nicht so, so würde man die Neigung zu Verbrechen bei den Menschen nicht einzeln, sondern zugleich und nach ihren ganzen Massen finden, und die Reue würde fast nicht zu gewinnen sein. Weil sie schwach waren, darum sündigten die ersten Menschen, und wir sündigen, nicht weil wir nach ihnen sündigen müssen, nicht weil sie die Sünde, als ein unabweisbares Erbtheil, uns hinterließen, nicht weil durch ihre Versündigung, ihren Ungehorsam, unsere Seele mit verpestet wurde — wer wird von der Liebe und Gerechtigkeit Gottes glauben, daß er so hart, so ewig, die Kinder für die Sünde der Vater strafen werde, sondern wir sündigen, weil und wenn wir auch schwach sind, und noch mehr Gelegenheit zur Verrirrung um uns her waltet. Hierüber belehrt die Schrift uns auch deutlich, bei der zweiten Sünde der Menschen. לפתה חטאת רבץ, sagt Gott zu Kajin, ״ ,ואלך תשוקתו ואתה חמשל בוvor derThüre ruhet die Sünde; nach dir ist ihr Begehren, aber du kannst über sie herrschen." Also, nicht in unserer Seele ist der nothwendige Trieb zur Sünde, sondern um uns her, an der Schwelle und außerhalb unserer Seele, ist die Gelegenheit zur Sünde, und es ist, wie dem Kajin, so auch immer in unsere Macht gegeben, die Sünde zu beherrschen, ihr zu entrinnen, die Leidenschaft zu überwältigen. Wäre dies nicht, wie würde uns Gott in seinem Gesetz wiederholt auffordern: ״seid heilig, wie ich heilig bin?" Ware es nicht Spott, denjenigen zur Heiligkeit aufzusordern, den er, durch die Eigenthümlichkeit des innern Wesens, zum Sünder, zum Erben der Sünde werden ließ? Ware dies nicht, waren wir unserer Natur nach nicht schuldlos, wie wollte uns Gott für Sünden bestrafen, denen wir, unserer Natur nach, oder zur Folge des uns ausgedrungenen Erbes, nicht ausweichen können? ,עשה האל׳ את הארם ישב ״ והמה בקשו חשבנוח רביםGott machte die Menschen recht, aber sie gingen gar mancherlei Gedanken nach." Pr. 7, 29. Nein, die Seele, wie sie uns Gott giebt, ist sündenlos, wie wir dies täglich in unfern Gebeten sprechen: ״Gott! die Seele, die du mir gegeben, sie ist rein.׳' — Und wie fangen wir es an, sie in dieser Reinheit zu erhalten? — Wie machen wir es mit dem Teig unsres Festbrodes, um es nicht sauer werden zu lassen? Wir bringen es schnell an das härtende Feuer, und lassen es gar werden, ehe es gähren könnte. Und so sollen wir es auch mit der Seele machen. Ehe ihre natürlich guten Eigenschaften, durch schädlichen Einfluß, in Gahrung übergehen, und dann, wie der gährende Most, alle Bande des Gesetzes zersprengen, sollen wir sie rasch erhärten lassen an dem Feuer der göttlichen Lehre, sie erhärten und erstarken, zu festen Grundsätzen. Ja, wie dort der Teig nicht säuern konnte, weil Gott, der Heilige, ihnen erschien, so sollen auch wir der reinen, jugendlichen Seele schnell aufgehn lassen die Herrlichkeit des göttlichen Gedankens, durch welche jede Neignng, die sündhafte Säure an sich zu ziehen, vereitelt werde. Kann es etwas Herrlicheres geben, als was uns die Schrift so oft wiederholt, daß wir zur Gottahnlichkeit geschaffen, in seinem Ebenbilde geistig gebildet sind, und kann es etwas Göttlicheres geben, als daß wir dieses Gottes Ebenbild in uns ungetrübt bewahren, die rein erhaltene Seele, Gott rein wieder zuführen? Und wenn uns dieses gelinget, für uns und unsere Kinder, wenn es durch die Mahnungen dieses Festes, uns gelinget, dann ist es wahr- Haft das Fest der Freiheit, das Fest der Erlösung. Ja, dann haben wir die wahre Freiheit gewonnen, zum gottgegebenen Ziele, unbeschränkt und ungehindert durch Sünde und Leidenschaft, hinzustreben, nicht die Scheinfceiheit, die nur der eigenen Willkür huldigt und Andere knechten möchte, sondern die göttlichste, die innere Freiheit der Seele, die uns auch die äußere erst recht verstehen und in Liebe erlangen lehrt, die Freiheit im Lichte Gottes, die Freiheit im Gefolge seiner Herrlichkeit. Amen. S—