Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 12 (23.3.1844)
- Date
- 1844-03-23
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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46 dich in der begeistertsten Liebe zu dem deutschen Vaterlande nicht hindern. Dein Haus und Heerd hören dadurch nicht auf, auf deutschem Grund und Boden zu stehen, dein Herz hört nicht auf, an allem Wohl und Weh, das deine Brüder trifft, mitfühlenden Antheil zu nehmen; die Liebe Gottes hindert nicht, sie mehret deine Menschenliebe, in ihrem weitesten, uneingeschränktesten Sinne; dein Arm wird dadurch nicht schwerer, wenn es gilt, den Thron zu schützen, auf dem ein Fürst thronet, der dir der Gesalbte Gottes ist, dessen Volk du, im Vollesten Sinne des Wortes, sein willst. Ja, je treuer du den Namen: Israelit im Herzen trägst, je mehr wirst du darnach trachten, diesen Namen zu ehren, durch deinen Fortschritt in Kunst und Wissen, durch dein lobeswerthes Betragen, in allen Beziehungen des Lebens und der Bürgerpflicht, in einem edlen Wetteifer mit deinen Brüdern. Israelit ist ״Gotteskampfer," und wer mit Gott kämpft und für Gott kämpft, der wird nicht schwach, nicht lässig gefunden werden, wo es das Gute und Edle gilt, und was fordert dein Bürgergesetz von dir, was nicht auch gut, nicht edel zu üben wäre. Selbst der Hinblick in eine ferne Zukunft, den die Propheten dir eröffnen, und an welche Gebete und Symbole dich mahnen sollen, er entfremdet dich nicht der Gegenwart, mit allen ihren heiligen Pflichten. Jene Zukunft ist dir nicht allein verkündet; alle Menschen, alle Völker haben an ihr Theil; denn dann soll Helle, lichte Gotteserkenntniß, Friede und makellose Herzensreinheit in Allen walten, sie hinfühcen zu einem heiligen Berge, zum Hause des Einen Gottes. Wenn dies Wort der Propheten in Erfüllung ging, dann wird der Zustand des ganzen Menschengeschlechtes, dessen größere Hälfte jetzt noch dem Heidenthume angehört, ein so ganz anderes sein, daß jener Glaube auf deinen jetzigen Zustand, auf deine jetzigen Hoffnungen gewiß keinen störenden Einfluß üben kann. Nur Veredeln kann dich der Wunsch, mit dazu beitragen, daß die Menschheit vollkommener werde, daß die Sünde und der Frevel von der Erde weiche, daß reine Sittlichkeit und der Morgenaufgang einer reinen Gotteserkenntniß alle Völker wecke, alle Herzen verkläre, daß daß Reich des Herrn, des ewigen Zebaot, uns und allen Menschen kommen möge. Amen. S—z. Revue jüdischer Zustände. Deutschland. Viele christliche Federn sind in der Hansestadt Hamburg für die Emancipation der Juden thätig. Die Herren Feldmann, Gallois nnd Clemens sind stn die Schranken getreten, haben sich unter das Banner mit der Devise: ,,Gleiche Rechten, gleiche Pflichten," gereiht. Der Kampf für die Gleichstellung der Juden von Seiten dieser Männer ist schon darum wichtig, weil er von Christen ausgeht, bei denen jeder Verdacht des Eigennutzes keinen Raum findet. Denn kämpfen auch die Juden mit ehrlichen Waffen für ihre Rechte, so sind sie als betheiligte Partei stets dem Verdachte und der Misdeutung ausgesetzt.— In Nassau bereiten die Juden eine Petition um Gleichstellung vor. — Die Beschneidungsfrage in Frankfurt a. M. ist dahin entschieden worden, daß der Senat jeder Einmischung in dieser Angelegenheit sich fern hält. Dies ist auch sehr gut. In religiöse Dinge sollen weltliche Waffen sich nicht einmischen. Die Religion muß durch die Ueberzeugungskraft, die ihr inwohnt, auf ihre Bekenner wirken. — Das Rabbinat in Berlin ist noch immer vakant, und nicht einmal die Predigerstelle wurde besetzt. Herr Dr. Hirschfeld, der eine jüdisch-russische Ackerbaukolonie zu gründen beabsichtigt, hielt sich einige Tage in Frankfurt a. M. auf, und soll von Rothschild zu einer Reise nach Paris mit Geld unterstützt worden sein. Im Ganzen ist dieses Projekt nicht so wichtig, da die ackerbautreibenden russischen Unterthanen ohnedies von der Regierung begünstigt werden. — In Betreff der Beschneidungsfrage haben sich 28 angesehene Rabbiner in ihren Gutach- Len für die Beschneidung ausgesprochen. Rußland. Der berüchtigte Ukas über die Grenzbewohner ist nach vielen Zeitungen gemildert worden. Den Besitzern von steinernen Häusern wurde eine vierjährige Frist, denen von hölzernen eine dreijährige zum Verkaufen derselben gegönnt; den Uebersiedlern sind alle Steuern, mit Ausnahme des Zolls, auf fünf Jahre erlassen worden, den Eigenthümern von Fabriken und Manufakturen stehen noch niehre Begünstigungen in Aussicht; auch soll den Juden bei der Uebersiedelung Kronholz angewiesen werden. Die Oeffentlichkeit, die laute Entrüstung Deutschlands, Frankreichs, Englands über die harten und grausamen Maaßregeln des Ukases haben auf das Herz des Czaren gewirkt, und viele Zeitungen sprechen die Hoffnung aus, der Ukas werde ganz aufgehoben werden. — Bei dieser Gelegenheit müssen wir eines edlen Mannes, des Herrn Dr. Lowesitz aus Prag gedenken, der ein treffliches Schreiben an Herrn Rothschild in Frankfurt a. M. wegen der unglücklichen Grenzjuden richtete. Blieb es auch von Seiten des Herrn von R. ohne Erfolg, so hat der edle Dr. L. doch der Pflicht eines theilnehmenden Menschenfreundes genügt, und ״den Juden ist Hilfe und Rettung von einer andern Seite auferstanden."