Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 11 (16.3.1844)
- Date
- 1844-03-16
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43 und sprachen: ״unsre hohe Hand und nicht Jehova hat das Werk gethan!" Denn ein im Rath heilloses Volk ist dies, Verstand ist nicht in ihm. O wären weise sie, dies zu verstehn, bedachten sie, was ihnen einst geschieht. Wie kommt's, daß dort ein Ein'ger Tausend jagt? daß ihrer zwei Zehntausend vor sich treiben? Jst's nicht, weil sie ihr Schutz verlassen? weil sie Jehova Preis gegeben hat? Denn sonst war Jener nicht und unser Schutzgott gleich, daß mögen selbst die Feinde Richter sein. Von Sodom's Weinstock ist ihr Weinstock her, aus dem Gesild' Gomorrha's ihre Trauben, Gifttrauben; ihre Beeren bittre Gall', ihr Saft der Drachen Gift,: der Schlangen tödtend Gift. Liegt nicht bei mir geheimer Rathschluß schon? Versiegelt liegt er schon in meinem innern Schatz: ״Wem ist die Rach' und der Vergeltung Zeit! schon wankt ihr Fuß: es naht ihr Unglückstag: ihr Schicksal eilt herbei." Jehova wird nun Richter seines Volks, ihn reuet's, daß sie seine Kinder sind: er siehet: matt ist ihre Hand, nichts! nichts ist ihnen übrig mehr! Da fragt er: ״wo sind ihre Götter nun? der Schutzgott, dem sie sich vertraueten? die ihre fetten Opfer essen und soffen ihrer Götzenopfer Wein. Laß sie nun aufstehn und euch Hilfe leisten, laß sie euch Decke sein! Nun sehet ihr, daß Ich, daß Ich es bin und keine Götter sind mit mir. Ich bin's, der tödtet und belebt, ich bin es, der zerschlagt und heilt, von mir errettet Nichts. Zum Himmel heb' ich meine Hand und spreche: Ich, der Lebende in Ewigkeit! Lese-Zimmer. 1. In dem November-Hefte 1843 des ״Freihafens" von Mundt findet sich ein interessanter Aufsatz: ״die Sache der Juden. Ein kriegrischer Brief aus weiblicher Hand," aus welchem wir folgende Stellen mittheilen: ״Wenn ich nur nicht mehr die Worte: Menschenwürde, Menschenrechte und Christenthum müßte nennen hören! — und zwar von denen gewöhnlich, die sie am Meisten misbrauchen. Sagen Sie mir um Gotteswillen: ist auch nur eine Ahnung vom Gefühl der Menschenwürde und Menschenrechte, und eine Spur von Christenthum in der Juden- Verfolgung? denn anders sind die Gesetze, die Israeliten betreffend, doch nicht zu nennen. Kreuzigen denn die Christen Christus geistig nicht täglich viel mehr, verhöhnen sie seine Lehre nicht ärger, indem sie die Juden verfolgen, als diese je gethan? Ist das nicht die wahre Sünde gegen den heiligen Geist? Ich weiß, dies ist ein Gemeinplatz, aber leider sind gemeine Wahrheiten in manchen Fallen nicht zu vermeiden. Oft gedachte ich an Goethe's Wort: ״O wie lallt das Kind so faul, hat den Brei noch nicht verschluckt, den ihm die Mutter strich ins Maul!" So ist es wahrhaftig; wir schlucken und kauen jahrelang noch immer an denselben Brocken herum, und doch dürfen wir nur ganz einfach der Mutter Natur folgen, um zu wissen, daß es gleiche Rechte für jeden Menschgeborenen geben muß und soll. Halten Sie es nicht für Blasphemie, wenn ich sage, daß ich mich nie eines Gefühls von Erbarmen und Mitleiden mit Gott und mit Christus erwehren kann, wenn ich diese reinste und höchste Menschenblüthe, diesen göttlichen Strahl so getrübt und gebrochen sehe. Wie wird beider Namen immerwährend befleckt und misbraucht, nicht nur zu Grausamkeiten aller Art, sondern um uns in die alte chaotische Nacht hinabzustürzen! Zwei Sonnen, um Finsterniß zu schaffen: ist es möglich, daß es etwas Verkehrteres, Gottloseres geben kann? Ein jeder Geschmähte wirft seinem Gegner einen Injunenprozeß an den Hals, aber Gott und Christus sind vogelfrei; Jeder Heftet an ihren Namen seinen Religionsunsinn, und wie selten ersteht den beiden großen Beleidigten einmal ein wahrer Kämpfer! Die Israeliten erinnern mich mit ihrer prachtvollen Vergangenheit, die jetzt der schmutzige Schachermantel umhüllt, wie das Lied vom Phantasus von Ludwig Tieck. Nur Nachts werden dem alten Manne die Hände losge- Kunden; er wirft dann den Bettlermantel ab und kommt in Diademen und Sternen und singt begeisternde Lieder. Kommt der Morgen, wo die kalte Vernunft regiert, so ist er wieder der alte verhöhnte, sitzt gebunden in der Hütte und der dunkle Mantel umhüllt auf's Neue die alte Herrlichkeit. So denke ich mir die Sabbatfeier im Hause des Israeliten. Mit den Sabbatkerzen zündet er die glänzende Vergangenheit erzählend an, da fühlt er sich königlichem und Prophetenstamme entsprossen, da klingen die gottgeweihten Psalmen, der Sklave träumt sich frei, denn er sieht feine Peiniger nicht, — aber der nächste Morgen schon bringt ihn wieder in Verkehr mit ihnen, und der dunkle Mantel muß sogar den angeborenen Menschenstolz in ihm verhüllen, denn er ist der Unterdrückte, der Schwächere.