Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 11 (16.3.1844)
- Date
- 1844-03-16
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Wie sehr man mich belächeln wird, daß ich dies Wort geschrieben. Ich aber sage Euch: Wehe dem Freund, wehe dem Menschen, den das ridikul scheint; er ist moralisch verloren! Es giebt gar keine edle Emvsindung, keinen großartigen Gedanken mehr, den die Gesellschaftswelt ihm nicht fortlächeln möchte. Es giebt für gewisse Menschen ein fortwährendes Märtyrerthum in der Welt. Sie sind zu wahr, um einen Gedanken zu verleugnen, von dem sie durchdrungen sind, und leider doch nicht gefühlt genug, um vom Spott sich nicht verwundet zu fühlen. s. Aus einem Briefe Rahel's.*) ״Die Gesinnung ist's, die verwerfliche, gemeine vergiftete, durch und durch faule, die mich so tief kränkt, bis zum herzerkaltendsten Schreck. Ich kenne mein Land! Leider! Eine unselige Kassandra! Seit drei Jahren sag' ich die Juden werden gestürmt werden; ich habe Zeugen. Dies ist der Deutschen Empörungsmuth. Und wie so! Weil sie das gesittetste, gutmüthigste, friedliebenste, Obrigkeit ehrendste Volk sind; was es zu fordern hatte, weiß es nicht: nur Unterrichtete unter diesem Volke möchten es ihm lehren: unter diesen sind aber viele Ungebildete, mit rohen Herzen; in denen auch Raum für Neid ist, gegen eine große Zahl solcher — Juden, — die man, kraft Religionsauswüchsen, als untergeordnete Wesen hassen, verachten und verfolgen durfte. Einige weise Fürsten Deutschlands, und lange Zeit, in der immer Jrrthümer untergehen, hatten dieser Ausrede ein Ende gemacht. Die gleißnerische neue' Liebe zur christlichen Religion (Gott verzeihe mir meine Sünde!), zum Mittelalter, mit seiner Kunst, Dichtungen und Gräueln, hetzt das Volk zu dem einzigen Gräuel, zu dem es sich noch, an alte Erlaubnisse erinnert, aufhetzen läßt! Judensturm. — Die Insinuationen, die seit Jahren alle Zeitungen durchlaufen; die Professoren Fries und Rähs, und wie sie heißen, Arnim, Brentano, ״Unser Verkehr" und noch höhere Personen mit Vorurtheilen. Es ist nicht Religionshaß: sie lieben ihre nicht, wie wollten sie andere hassen! — Wozu die Worte, die ich ohne Ende häufen kann! Es *) Er findet sich, von Veit (welchen ihm Varn Hagen von Ense übersandte) mitgetheilt, in der dritten Lieferung von Freund's Schr. ־111*״ Judenfrage" und war an Robert, den Bruder Rahel's, gerichtet, der sich damals in Karlsruhe befand, wobei V. treffend auf die neuesten dort vorgefallenen Ereignisse hindeütet, welche jene alten Klagen zum Lheil noch immer rechtfertigen. Verantwortlicher Verleger C. L. Frrtzsche in Leipzi'g.׳ ist lauter Schlechtes; in der That und Motiv; und nicht die That des Volks, dem man Herzschreien lehrte.- Ich bin hoch betrübt und kann weder dies noch meine Gedanken einem Papier ganz mitgeben. Eine herrschende Religion taugt nicht, das ist unreligiös; dies war auch der faule Fleck, dies die Politik in dieser Religion." Mancherlei zum Denken. Der englische Herzog von Clevenland, welcher vor einiger Zeit starb, hinterließ seinem ältesten Sohne allein ein jährliches Einkommen von über 500,000 Thaler, das ist 1500 Thaler den Tag. Dies in einem Lande, in welchem Tausende vor Hunger sterben, andere Tausende aus Noch der abscheulichsten Verworfenheit in die Arme fallen. Diese ungleiche Vertheilung des Vermögens ist das Unglück der mächtigsten und gebildetsten Völker Europas und drohet der menschlichen Gesellschaft mit den fürchterlichsten Erschütterungen. Ein französischer Schriftsteller Eugene Sue, hat in seinem Buche, ״die Geheimnisse von Paris" das Elend, die Noth und die Verbrechen, welche durch die letz- Irre und die mit ihr zusammenhängende schlechte Erziehung herbeigeführt werden, in lebendigen Zügen geschildert, und sein Buch hat, obschon die Handlungsweise seiner Personen mitunter etwas gesucht und übertrieben scheint, dennoch durch die großen Wahrheiten, die es ausspricht, mit Recht einen außerordentlichen Ausdruck hervorgebracht. In den Gemeinden Israels hat Gottlob! dieser Gegensatz der Verhälnisse noch nicht eine so verderbliche Höhe erreicht. Hier stehet der drohenden Noth und der mit ihr zusammenhängenden moralischen Verworfenheit noch immer siegend der Damm der Wohlthätigkeit und liebenden Theilnahme entgegen, so daß der Arme sich hier, was sonst sein größtes Nebel ist, sich noch nicht entfremdet, nicht ausgestoßen, nicht kalt seiner Noth und seinem Verderben überlassen siehet. Aber jene Erscheinungen sind uns doch eine Mahnung, nicht nachzulassen in diesen Bemühungen, unaufhörlich für die Unterstützung, für die Beschäftigung dieser Armen, für die Erziehung ihrer hilflosen Jugend, zu sorgen. Das ist die schönste Ausgleichung jenes bekannten scheinbaren Widerspruchs in der Schrift (5. Mos. 15, V. 4 und 11): אפס כי לא יהיה בך אביון "dieweil es bei dir keinen Armen geben soll" und: ״ כי לא ׳ יחרל אביון מקרב הארץdie Armen werden nicht fehlen in deinem Lande". Es fehlet zwar nicht an Armen, aber die Wohlthätigkeit darf sie nicht dulden, sie muß die Armuth in ihrer drückenden und gefährlichen Gestalt nicht aufkommen lassen. Berichtigung. In No. 10, S. 39. Z- 2 v. o. lies Flammen-Liede für Flammenbade. Druck-von I. H. .Nagel in Leipzig.. -