Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 10 (9.3.1844)
- Date
- 1844-03-09
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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38 ten dieses Lebens. Beides sind verschiedene Grade des Erkenntnisses. Dies wird in dem Folgenden angedeutet. ״Du kannst mein Angesicht nicht sehen, denn mich schauet kein Mensch und bleibet am Leben." Daß unter dem Angesichte Gottes hier das eigenste geistige Wesen, die innere Fülle der göttlichen Vollkommenheit an ihm selder, die ganze Summe gleichsam der göttlichen Eigenschaft ten, nach den Begriffen der Einigkeit verstanden wird, darf wohl nicht erst gesagt werden. Aber diese Stufe der Erkenntniß gehet über die zeitlichen Kräfte der Menschen. R. Josua hat dies dem Kaiser Hadrian, nach dem Berichte der Weisen, in einem Bilde anschaulich gemacht. Schaue׳ sagt er ihm, in die Sonne, dies kannst du nicht einmal, du mußt geblendet dein Auge Niederschlagen, und doch ist sie nur eins der vielen tausend Geschöpfe Gottes, und nun, wie wolltest du Gott selbst erschauen? In der That, man hat Beispiele, daß Freude Menschen getödtet hat, und doch war es nur irdische Freude, eines der vielen Tausend Werke der göttlichen Gnade. Wenn nun aber plötzlich unserm Geiste die ganze Strahlenfülle des göttlichen Wesens aufginge, wenn Alles, wornach die Edelsten lebenslang streben und ringen, die Erkenntniß Gottes nach seinem eigensten Wesen, nach seiner für uns unbegreiflichen einigen Liebe, Macht und Heiligkeit uns offenbar würde, wenn wird uns plötzlich so am Ziele aller unserer heiligsten Wünsche unseres Lebens langen, ja der Menschheit Jahrtausende langen Strebens erblickten, würden wir diesen göttlichen Moment ertragen, diese überschwengliche Fülle der Freuden überleben können? Reicht dem schmachtenden Wanderer in der Wüste einen Trunk, er ergreift ihn, trinket in vollen, labenden, aber zugleich tödtenden Zügen, und vergehet. Und wenn nun unser geistiger Durst nach Wissen, plötzlich so aus der Gottesquelle selbst, so überreich gestillt würde, wir würden am Lebenskelch vergehen, und die geistige Seligkeit müßte unser zeitlicher Tod sein, ׳ni ״ כי לא יראני האדםDenn mich schauet kein Mensch und bleibet am Leben." Und also war Moses' Tod, von dem die Weisen sagen: ״ משה מת בנשיקהer starb durch einen Gottes Kuß," d. h. durch das überschwengliche Gefühl der Seligkeit im Anschauen Gottes. Ja, unsere Weisen betrachten den Tod überhaupt aus diesem Gesichtspunkte, indem sie sagen, der Mensch stirbt nur, indem er die Schechina, die Herrlichkeit Gottes schauet, אין הנפש יצאה מן הגוף?!ה שתראה כני השכינה, Gott ist'es nämlich, der ״tobtet und belebet," .ממית ומהיר; er belebet gei» stig, indem er sinnlich tobtet, er führt uns zur Seligkeit, indem er uns zeitlich sterben heißt. Wenn dein Körper unbrauchbar geworden ist zum Werkzeuge der Seele, so trennt sie sich von ihm, nach dem Geheiße Gottes, um ihr eigenes Leben fortzuführen. Da Gott nun diesen letzten Moment herbeiruft, so kann er den Tod, d. h. den Uebergang zur Seligkeit wirken, sowohl von dem Körper als von der Seele aus. Er kann den Körper so entkräftet werden lassen, daß er in dieser Ermattung, gleichsam der Seele entsinkt, und so denken wir uns gewöhnlich den Tod. Gott kann aber auch umgekehrt die Seele, da sie sich einmal von dem Körper trennen soll, so erheben, in eine so beseligende geistige Verklärung versetzen, daß sie ihrerseits die Fessel der Hülle nicht mehr zu ertragen vermag, und dieselbe freudig und selig verläßt, und man hat bereits bei manchen Sterbenden, eine solche heilige Erhöhung und Geistes-Verklärung bemerkt, in dem Momente, da׳ sie zu den seligen Geistern hinüberschieden. Und von diesem höhern Standpunkte aus, wollen die Weisen die Thatsache des Todes betrachtet wissen, wenn sie sagen: ״Die Seele verlasset den Körper nicht, bis daß sie die gegenwärtige Herrlichkeit Gottes erschauet." Moses aber sollte seinem Volke noch erhalten werden, jene hohe, beseligende aber tödtende Stufe der Erkenntniß konnte ihm also noch nicht zu Theil werden, in dem geistigen Anschauen des göttlichen Angesichts, von dem es im Psalm heißt: ,,Ich werde mich sättigen, erwachend an deinem Angesicht." Und darum sagt Gott ferner zu ihm: הגה מקום אתי Es giebt einen Standpunkt neben mir,'der auch dem Sterblichen zugänglich ist. Es giebt verschiedene Stufen der Erkenntniß, die von der Erde bis zum Himmel führen, auf jener Leiter, die Jakob im Traume sah. Gott selbst (ככור ה' ממקומו) stehet an der Spitze derselben, seine Herrlichkeit bezeichnet die höchste Stufe. Die Boten Gottes aber steigen von einer Stufe zur andern empor, um mit den Schätzen göttlichen Wissens, wieder zu den Menschen hinab zu gehen, und ihre Führer zum Lichte zu werden. Also diese niedern Stufen werden auch durch מקום bezeichnet, wie es von Jakob heißt: ויפגע מקום. Die höchste aber, die dem Sterblichen erreichbar ist, ließ Gott den Moses einnehmen: ״ ונצבת על הצורweile bei dem Felsen." נצכ ist nach Mose ben Maimun dasselbe, was wir im Deutschen verstehen nennen, bei einem Gegenstände so lange im Geiste stehen bleiben,'so lange bei ihm verweilen, bis man ihn vollkommen begriffen hat.