Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 8 (24.2.1844)
- Date
- 1844-02-24
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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31 Du bist einzig. Und ab und zu nimmt deine Einheit nicht, Die nie zu viel hat, und der's nie gebricht. Du bist einzig. Nicht Eins der Zahl und Gleichbeschaffenheit: Da dich nicht Mehrheit und Verschiedenheit Und nicht Benennung trifft und Eigenheit. Du bist einzig. Zu leih'n dir Ziel und Schranke, Ermüdet mein Gedanke. D'rum geb' ich wohl auf meine Wege acht, Daß meine Zunge keinen Jrrgang macht.5) III. D u bist! — Und dich erreichet Ohr und Auge nie; Vergebens fragt der Geist: warum? wann? wie? Du bist. Doch dir allein, Kein Anderer kann mit dir sein. 6) Du bist. Und eh' die Zeit war, wärest du, Und ohne Raum schon hieltst du Ruh'. Du bist. Verhüllt ist dein Geheimniß, wer kann's finden! O tiefste Tiefe, wer kann sie ergründe n!^) IV. Du lebst! Doch nicht seit fester Frist, Nicht seit ein Zeitpunkt kündbar ist. Du lebst. Doch nicht durch Geist und Seelenhauch, Denn du bist ja der Seele Seelenhauch. Du lebst. Kein Menschenleben mit der eitlen Frist, Deß Ende Mott' und Würmer ist. Du lebst. Wer deinem Wesen naht, holt ew'ge Wonne sich, Genießet und lebt ewiglich.^) Revue jüdischer Zustände. Deutschland. Schöne Beitrage zur Geschichte des Judenhasses haben wir diesmal unfern Lesern mitzutheilen. Hr. Ghillany, Bibliothekar in Nürnberg, hat, wie unsere Leser sich noch erinnern werden, B. Bauer in's 5) Ps. 39, 2. 6) Prov. 5, 17. 7) Pred. 7, 24. 8) 1 Genes. 3, 22. Handwerk gepfuscht und auch eine ״Judenfrage" geschrieben. (Wie wahr sagten unsere Weisen: סתם מ ק ש י ן עם הארץ). Die Gemeinde in Fürth juchte nun um Konfiskation dieses schmutzigen Libells an und — wurde abgewiesen. — Ein gemeines Subjekt mit noch gemeinem Prädikaten, B. Carlo hat ein judenfeindliches Buch unter dem ominösen Titel: ״Das schwarze Buch" geschrieben, das in Altona die Censur passirt hatte. Nun will Hr. M. Geber, Buchhändler in Hamburg, eine Gegenschrift unter dem Titel: ״Das blaue Büchlein" verlegen und — der Censoc Gähler verweigert das Imprimatur. — In Westphal en giebt es noch Nachkömmlinge Pharao's. Mehre humane Westphaler gehen nämlich damit um, um ein Gesetz gegen die Vermehrung und Fortpflanzung der Juden in Westphalen anzusuchen. — Polen undRußland. Der russische Koloß ist unbeweglich, unerbittlich; das Unglück und Elend der jüdischen Grenzbewohner rührt ihn nicht; daß tausend Juden die Heimath, Hof und Heerd verlassen müssen, hat für ihn keine Bedeutung! Der bekannte Ukas ist, nach den meisten Zeitungen, unwiderruflich. Zwar berichtet der ״Orient", daß Dr. Hirsch selb, Rabbiner in Wollstein, nebst seinem Schwiegervater, dem Rabbiner zu Posen, nach Berlin gereist sind, um für die armen und trostlosen Grenzbewohner zu wirken; wenn aber so viele Petitionen bis jetzt fruchtlos waren, so werden jene beiden Rabbiner auch gewiß keine Wunder wirken. — In Odessa soll das jüdische Schulwesen in einem erfreulichen Zustande sein. Das Haus Rothschild. Wer kennt nicht das Haus Rothschild? fragt der Leser; wie Viele verkennen es! rufen wir aus. Eine große Anzahl Juden und Christen richtet ihre Waffen gegen dies einzige Haus in Israel; die Juden überhäufen es mit Vorwürfen, die Christen greifen die jüdische Geldaristokratie an. Und verdient es diese Vorwürfe und Angriffe? Wahrlich nicht! — Richten wir zuerst unser Augenmerk auf jene Vorwürfe. ״Das Haus Rothschild wirkt zu wenig für das Judenthum;" es wirkt, so viel es kann und darf, es wirkt verhältnißmaßi'g mehr, als jene Rothschildchen (man erlaube uns diesen Ausdruck), die dem Judenthum den Rücken zukehren, die eine Ehre darein setzen, den inhaltsschweren Namen ״Jude" von sich zu weisen. Bricht eine Feuersbrunst aus, wird eine wohlthätige Anstalt gegründet, kann eine Gemeinde die Kosten zum Aufbaue eines Gotteshauses nicht zusammenbringen, droht den Juden in Oesterreich eine legislative Gefahr: wer ist der Retter, Helfer, Beschützer? Das Haus Rothschild. Der Ausspruch: ישראל בני רחמניוח תם bewährt sich auch am Hause R. Unsere zweifelnden Leser werden gewiß hen Zweifel an unfern Worten fahren lassen, wenn sie sich die vielen Sum-