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Sabbath-Blatt · 1844-02-24 · 8 (24.2.1844) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
8 (24.2.1844)
Date
1844-02-24
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 der Schrift: ״am Anfänge schuf Gott den Himmel und die Erde." Wenn sich vor dir Hinbreiten die gesegneten Fluren, mit ihrer üppigen Blumenpracht, wenn dein Auge mit Entzücken ruhet auf dem schönen Wechsel von Thal und Höhe, oder wenn der Mond sein verklärendes Licht ergießet über die Fernen, sanft strahlend hinzieht durch ein leichtes Gewölks, und Himmel und Erde und der leise rauschende Wald sich wie zu einem großen Gedanken zu sammeln scheinen, wenn dann ein Freund zu dir tritt, du ein liebendes Weib in deinen Armen hältst, die Kinder zu deiner Seite, freundlich zu den Sternen emporschauen und Himmel und Erde rings um euch her, ein stilles heiliges Fest zu feiern scheinen, dann zeige hin auf die wunderbaren Werke und nehme an das Wort der Schrift: ״am Anfänge schuf Gott den Himmel und die Erde." Und es wird, begeisternd, Leben in dir gewinnen, dies Zeugniß. Der Gedanke Gottes, als des Schöpfers, der Gedanke Gottes, nach seiner Macht und Herrlichkeit, wird in dir erwachen, du wirst ihn fühlen, deinen Gott, er wird aus seinen leuchtenden Welten einziehen in dein Herz. — Und ferner saget dir die Schrift: Liebe die Menschen, deine Brüder, wie dich selbst! Gott ist allgülig, er sorget auch für den irrenden Fremdling, sei gütig, wie er es ist, sei heilig, wie er es ist; liebe Ihn, der dir das Leben gab, liebe Ihn mit deinem Leben, mit deiner ganzen Seele. Sinne darüber nach, was dies Wort der Liebe, der Heiligung, dir sagt, lausche den tiefsten Gefühlen deines Herzens, überzeuge dich, wie Liebe dir selber wohlthut, versenke dich in das göttliche Gefühl, das in dir waltet, wenn du selber Liebe übtest, und es wird dir klar werden, für dein Leben, daß du für Liebe geschaffen seist. Und nun folge diesem Drange deines Herzens, und nun gehorche diesem Worte deines Gottes, wirke liebend unter deinen Brüdern, als unter Gotteskindern. Suche auf die Gelegenheit zur Wohlthat, gehe hin, wo du Thränen sahst, sie zu trocknen, gehe hin, wo du Klagen hörtest, um zu trösten, und je getreuer du dich deinem Beruf der Liebe hingiebt, desto inniger wird in dir der Gedanke erwachen, groß wie die Schöpfung, leuchtend wie die Sonne, heilig wie das Leben, der Gedanke — daß dein Gott ein Gott der Liebe sei. Getragen von den Flügeln dieses Gedankens, erhebe dich über alle deine Fehler, wirf von dir, was deine reine Seele beflecken kann, ringe dich los von der Knechtschaft der Leidenschäften, ringe dich los von den Fesseln der Sünde; werde heilig, wie dein Gott es ist! — und dein Herz wird zu seinem Tempel werden, er wird einziehen in dasselbe, mit allen Seligkeiten feiner Liebe, mit allen Ahnungen seiner Heiligkeit. Du hast erfüllet das Wort der Lehre, du hast hingenommen seine Tora zur Führerin deines Lebens, und du hast Gott selbst, mit dieser Lehre, in dich ausgenommen. Bist du nun also voll deines Gottes, waltet also in dir seine Herrlichkeit, die Ahnung'se i n e s wahren, seines ewigen Reiches, dann tritt entgegen den Gefahren dieses Lebens, ob sie dich schrecken werden! Tritt entgegen den Feinden deines Glückes , ob du sie hassen kannst! Laß sie über dich Hinrauschen, die wechselnden Wogen des Geschickes, ob sie dich entmuthigen können! Du hast deinen Gott in dir, du hast deinen Gott mit dir! Das ist Muth im Kampfe, das ist Liebe unter den Stürmen des Hasses, das ist Ausdauer und Festigkeit, unter den Schmerzen der Vergänglichkeit, das ist ewiger Sieg im flüchtigen Menschensein. Amen- S-z. G o t t. *) 1. Dein, Herr, ist die Groß' und die Macht, Die Majestät, die Dauer und die Pracht. Dein, Herr, ist das Reich, die Allerhabenheit, Die Fülle und die Herrlichkeit.4) Dein ist das Zeugniß aus den Tiefen und den Höhen, Daß all' ihr Heer vergeht, und du nur wirst bestehen. Dein ist die Macht; wo sie geheimnißvoll sich barg. Dringt unser Geist nicht hin: denn du bist uns zu stark. 3) Dein ist der stille Gang allmächtiger Gewalt, Das Weltgeheimniß dein, und die Grundgestalt. Dein ist der Name, den die Weisen kennen nicht; Die Kraft, die ohne Stütze trägt das Weltgewicht, Und die Gewalt, zu führ'n Verborgenstes an's Licht. II. Du bist einzig! — Der Anfang aller Zahl, Der Grund der Frommen all'. Du bist einzig. An deiner Einheit Räthsel werden Weise scheu, Denn nicht versteh'n sie, was es fei.4) *) Aus dem!herrlichen Gedichte ״Königskröne" (כתר מלכות) von Salomo den Gabirol, welches vortrefflich übersetzt mit den nöthigen Anmerkungen versehen von Leop. Stein, im Jahre 1838 in Franks, a. M. herauskam. Das Original findet sich in dem Machasor zum Borabende des Bersöhnungsfestes. 1) L Chr. 29, 11. 12. 2) Ps. 102, 27. 3) Genes. 26, 17. 4) Exod. 16, 15.

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