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Sabbath-Blatt · 1844-02-10 · 6 (10.2.1844) · p. Seite 22

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
6 (10.2.1844)
Date
1844-02-10
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 men sei, oder doch kommen konnte. Kein Volk zu Abraham's oder zu Moft's Zeiten, ja bis zur Auflösung des israelitischen Reiches, kein Volk auf dem weiten Erdenrund gab es, außer dem einzigen, welches Gott in seinem Wesen und Wirken wahrhaft erkannt hatte. Und die Völker, die sich dann erleuchteten, die übrigen Religionen, die dann entstanden, nahmen ihr Licht aus den heiligen Lehren unserer Offenbarung. Ja jenes Heidenthum bietet uns noch eine Betrachtung dar, die schmerzlich, aber wahr ist. Jedes Volk sich selbst überlassen, schreitet in der Gottes-Erkenntniß nicht vor, sondern gehet zurück. Die Heiden wurden, wie wir selbst an Griechen und Römern sehen, von Jahrhundert zu Jahrhundert heidnischer und irrgläubiger, der Götzendiener sinkt zu immer tieferm, sinnlichecm und grausamem Götzendienst herab. Ja, sondert noch jetzt ein gebildetes und erleuchtetes Volk ab, lasset es fern von andern Menschen, fern von dem gemeinsamen Schatze der Menschenweisheit, einsam wohnen, und ihr sinder es, so Gott sich seiner nicht wunderbar annimmt, ihr findet es, dies bestätiget die Geschichte, nach Jahrhunderten fast gewiß als Götzendiener wieder. So schwer ist es für den Menschen, die göttliche Wahrheit zu fassen und zu bewahren. — Und sollte er sie selbstständig gefunden haben? — Nein! jene Lehren, die uns beseligen, sie sind ein Geschenk Gottes, der die Menschen liebend, sie sündenrein mit seiner Hand zum Heile führen wollte, אף חבב עמים כל קרשיו בידך - - והם חכו לרגלך, Tief im Staube lagen sie, Gott! zu deinen Füßen, tief gesunken war der Mensch, dein Ebenbild -— ישא מרברתיך, erheben sollte er sich wieder, geleitet von dem Worte deiner Offenbarungen! Amen. S-z. : Juden Lm ״Christlichen" Staate. (Aus der Edinburgh Review.) (Schluß.) Zeigt der Jude weniger Eifer in seinen Bewegungen als der Christ, da wo das Gesetz ihm die Konkurrenz steigestellt hat? Ist er in seinen Geschäften minder thätig und geordnet als sein Nachbar? Versorgt °er etwa feinen Haushalt schlecht, weil er nur ein Pilger und Gast in diesem Lande ist? Macht ihm die Erwartung, in das Land seiner Vater zurückgeführt zu werden, für die Schwankungen der Stockbörse unempfindlich? Bringt er den möglichen Fall, nach Palästina zurückzukehcen, je in Rechnung, wenn er seine Privat-Angelegenheiten ordnet? Wenn dieses nicht der Fall ist, warum sollen wir voraussetzen, daß Gefühle, die in seinem Geschäfts-Verkehr als Kaufmann, oder in seinen letztwilligen Verordnungen als Testator nie einen Einfluß ausüben, einen unbegranzten Einfluß über ihn gewinnen werden, sobald er ein Beamter oder Gesetzgeber werden wird? Einen andern Einwurf möchten wir nicht gar leichtsinnig behandeln, wiewohl wir nicht wissen, wie ihm ernsthaft zu begegnen. Die heilige Schrift, sagt man, ist voll von Drohungen wider die Juden. Es wird ihnen prophezeiet, daß sie unstät herumwandern werden. Ist es also recht, ihnen eine Heimath zu geben? Es ist vorhergesagt, daß sie unterdrückt sein würden. Ist es also thunlich, ihnen die Erlaubniß zu urtheilen, zu herrschen zu ertheilen? Ihnen Bürgerrechte einraumen, hieße offenbar der göttlichen Pcophezeihung höhnen. Wir gestehen, daß die Verletzung einer durch die göttliche Weisheit eingegebenen Pcophezeihung ein scheußliches Verbrechen wäre. Es ist daher für vergängliche Wesen, wie wir sind, ein glücklicher Umstand, daß dieses ein Verbrechen ist, welches kein Mensch möglicherweisej begehen kann. Wenn wir den Juden erlauben, im Parlamente zu sitzen, so werden wir dadurch beweisen, daß die besagte Prophezeihung, was auch ihre Meinung sein mag, sicherlich das nicht meint, daß die Juden vom Parlamente ausgeschlossen sein sollen. Es ist in der That bereits bewiesen, daß die Prophezeihungen nicht die Meinung enthalten, welche die ehrenwecthen Personen, denen wir hier antworten, ihnen beilegen. In Frankreich und in den vereinigten Staaten sind den Juden bereits alle bürgerlichen Rechte eingeräumt. Eine Pcophezeihung also, deren Meinung es wäre, daß die Juden nie wahrend ihrer Wanderung in dem Orte ihres Aufenthalts zum Bürgerrechte zugelassen werden, wäre eine falsche Pcophezeihung. Dieses ist daher nicht die Meinung der Pcophezeihung in der heiligen Schrift. Wir protestiren aber überhaupt wider den Gebrauch, Prophezeihungen mit Vorschriften zu vermengen — Prophezeihungen, welche oft dunkel sind, der Moral, welche immer klar ist, entgegen zu setzen. Wenn man Handlungen blos deswegen als gerecht und gut betrachten müßte, weil sie prophezeihet wurden, welche That wäre lobenswürdiger, als jenes Verbrechen, welches unsere Bigotten jetzt, nach Verfluß von achtzehn Jahrhunderten, antreibt, sich an den Juden zu rachen — jenes Verbrechen; worüber die Erde erbebte und die Sonne am Himmel verlosch? Diewesentliche Schlußfolge, welche angewendet wird, die unseren hebräischen Landsleuten auferlegte bürgerliche Unfähigkeit zu rechtfertigen, wird auch der Kuß des Judas und das Urtheil des Pilatus rechtfertigen. ״Der Menschensohn geht hin, wie von ihm geschrieben stehet; doch weh dem Manne, durch den der Menschensohn betrogen wurde." Und weh denjenigen, rufen wir, welche, sei es in welchem Zeitalter oder welchem Land es wolle, seinen wohlwollenden Geboten nicht gehorchen, unter dem Vorwände, daß sie seine Prophezei- Hungen erfüllen. Wenn dieses Argument die gegenwärtig wider die Juden bestehenden Gesetze rechtfertigt, so rechtfertigt es auch alle

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