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Sabbath-Blatt · 1844-01-20 · 4 (27.1.18444) · p. Seite 15

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
4 (27.1.18444)
Date
1844-01-20
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 König, die Katholiken Frankreichs riefen den Beistand des Königs von Spanien Herdei wider einen hugenottischen König. Würde es gerecht sein, daraus zu schließen, daß die gegenwartigen Protestanten in Frankreich wünschen könnten, ihre Religion zur herrschenden gemacht zu sehen, durch Hilfe einer preußischen und englischen Armee? Wahrhaftig nicht. Und woher kommt es, daß sie jetzt nicht, wie ehedem, geneigt sind, das Jntresse ihres Vaterlandes dem ihrer Glaubenslehre aufzuopfern? Der Grund davon ist einleuchtend, -— ehedem wurden sie verfolgt, und jetzt sind sie es nicht. Die englischen Puritaner unter Karl I. bewogen die Schotten zu einer Invasion Englands. Wünschen die protestantischen Dissenters unserer Tage die Kirche mittelst einer Invasion fremder Calvinisten in Staub getreten zu sehen? Wenn dieses nicht ist, welcher Ursache sollen wir diese Veränderung zuschreiben? sicherlich dieser — daß die protestantischen Dissenters jetzt weit besser behandelt werden, als in dem sieb: zehnten Jahrhunderte. Einige der berühmtesten öffentlichen Männer, welche England je hervorgebracht, waren geneigt, vor der Tyrannei Laud's nach Nordamerika zu flüchten. Geschah dieses, weil Presberitaner unfähig sind, ihr Vaterland zu lieben? — Doch es ist unnölhig, Beispiele zu häufen. Nichts ist für Einen, der von der Geschichte und der menschlichen Natur etwas weiß, so anstößig, als zu hören, wie diejenigen, welche die Gewalt der Regierung ausüben, irgend eine Sekte der Anhänglichkeit an das Ausland beschuldigen. Wenn es in der Politik einen allgemeinen wahren Satz giebt, so ist es der, daß Anhänglichkeit an das Ausland die Frucht einer heimischen schlechten Regierung ist. Es war von jeher ein Kniff der Bigotten, ihre Unterthanen zu Hause elend zu machen, und sich dann darüber zu beklagen, daß sie wegen Erleichterung nach Auswärts blicken; die Gesellschüft zu spalten, und sich dann zu wundern, daß sie nicht vereinigt sei — zu herrschen, als wäre eine Abtheilung des Staats das Ganze, und die andern Theile des Staates wegen ihres Mangels an patriotischem Geiste zu tadeln. Wenn die Juden gegen England nicht wie Kinder fühlten, so war es, weil es sie wie eine Stiefmutter behandelte. Kein Gefühl entwickelt sich sicherer in den Herzen der Menschen, welche unter einer leidlich guten Regierung leben, als das Gefühl der Vaterlandsliebe. — Seit Beginn der Welt gab es keine Nation, oder einen großen Theil einer Nation, wenn er nur nicht grausam unterdrückt wurde, welcher ganz von diesem Gefühle entblößt gewesen wäre.. Daher ist es nur die niedrigste betrügrische Sophisterei, als Grund der Anklage wider eine Menschenklasse anzuführen, daß sie keine Vaterlandsliebe hätte. Es ist dieses die Logik, welche der Wolf gegen das Lamm anwandte, das heißt, die Mündüng des Flusses anklagen, seine Quelle vergiftet zu haben, und die Unterdrückung dadurch rechtfertigen, daß man auf die Verdorbenheit hinweiset, welche diese Unterdrückung hervorgebracht hat. — Wenn die englischen Juden wirklich einen tödtlichen Haß gegen England fühlten — wenn das wöchentliche Gebet ihrer Synagoge wäre, daß alle von Ezechiel über Tyrus und Egypten ausgestossenen Flüche auf London fallen möchten, wenn sie, in ihren feierlichen Festen, Segen auf diejenigen herabfleheten, welche unsere Kinder am Steine zerschmettern würden, immer, behaupten wir, würde ihr Haß gegen ihre Landsleute nicht heftiger sein, als derjenige, den christliche Sekten sehr oft gegen einander getragen haben. Aber in der Wirklichkeit sind die Gefühle der Juden keineswegs von dieser Beschaffenheit. Sie sind just so, als wir, vermöge der Lage, in die wir sie versetzt, von ihnen erwarten sollten. Sie werden weit besser behandelt, als die französischen Protestanten im 16. und 17. Jahrhunderte behandelt wurden, oder als die Puritaner zu Laud's Zeiten. Daher hegen sie auch keinen Groll wider die Regierung oder wider ihre Landsleute. Man wird cs nicht läugnen, daß sie an den Staat weit mehr Anhänglichkeit haben, als die Anhänger Coligni's oder Vane's. Sie werden aber nicht so gut behandelt, als die diffentirenden christlichen Sekten gegenwärtig in England behandelt werden, und aus dieser Ursache, und wir sind fest überzeugt, aus dieser Ursache allein, sind sie von einem mehr ausschließenden Geiste. So lange wir nicht das Experiment weiter geführt haben, haben wir kein Recht, den Schluß zu ziehen, daß sie nicht zu völligen Engländern gemacht werden können. Der Tyrann^ der ihre Vorfahren bestrafte, weil sie nicht Ziegel ohne Stroh machten, war nicht unvernünftiger als der Staatsmann, der sie als Ausländer behandelt, und sie mishandelt, weil sie nicht alle Gefühle von Landskindern hegen. Man darf es nicht zulassen, daß die Herrscher sich auf diese Weise von ihrer feierlichen Verantwortlichkeit lossprechen. Ihrem Munde ziemt es nicht, zu sagen, daß eine Sekte nicht patriotisch sei — es ist ihre Sache, sie patriotisch zu machen. Geschichte und Vernunft geben die Mittel hier klar an. Die englischen Juden sind, so weit wir sehen können, gerade düs, wozu unsere Regierung sie gemacht hat. Sie sind just das, was jede Sekte sein würde, oder jede sonstige Menschenklasse, welche aus Grundsatz aus der Gesellschaft ausgeschieden, und so behandelt würde, wie sie behandelt worden sind. Wenn alle blondhaarige Leute in Europa^ Jahrhunderte hindurch beschimpft und unterdrückt worden wären, verbannt aus diesem, eingekerkert in jenem Orte, ihres Geldes, ihrer Zähne beraubt, verurtheilt wegen der unwahrscheinlichsten Verbrechen, auf die schwächste Zeugenaussage hin, an Pferdeschweisen herumgeschleift, gehängt, gefoltert, lebendig verbrannt; — wenn bei eingetretenen mildern Sitten, sie immer noch herabwürdigenden Beschränkungen unterworfen geblieben, den Beleidigungen des Pöbels ausgesetzt, in manchen Ländern in abgesonderte Straßen eingezwängt, in andern vom gemeinen Volkshaufen wüthend angefallen und gehetzt, von Aemtern und Ehrenstellen überall ausgeschlossen worden wären — wie würde es um die Vaterlandsliebe dieser Herrn mit blonden Haaren stehen? Und wenn unter solchen Umständen ein Vorschlag gemacht würde, blondhaarige Leute zu Aemtern zuzulassen, welche schlagende Rede könnte nicht ein beredeter Bewunderer unserer alten Institutionen gegen eine solche Maaßregel halten!

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