Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 4 (27.1.18444)
- Date
- 1844-01-20
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 ״Diese Leute," könnte er sagen, ״betrachten sich selbst kaum als Engländer, sie halten einen blondhaarigen Franzosen oder einen blondhaarigen Deutschen sich naher verwandt, als einen Menschen mit braunen Haaren, der in ihren eigenen Sprengel» geboren ist. Wenn ein fremder Souverain blondes Haar beschützt, so ziehen sie ihn dem eigenen, eingeborenen König vor. Sie sind keine Engländer — können keine Engländern sein — die Natur sträubt sich dagegen — Erfahrung zeigt, daß es unmöglich ist. Recht zur politischen Gewalt haben sie nicht; denn Niemand hat ein Recht zur politischen Gewalt. — Mögen sie persönliche Sicherheit genießen, möge ihr Eigenthum unter den Schutz der Gesetze gestellt werden l Verlangen sie aber Erlaubniß, über eine Gesellschaft Ge- Walt auszuüben, von der sie nur Halbmitglieder sind — einer Gesellschaft, deren Konstitution wesentlich dunkelhaarig, so laßt uns ihnen mit den Worten unserer weisen Vorsatzren antworten: ^01n1m18 16g63 Anglice mutari.“ (Fortsetzung folgt.) Mancherlei zum Denken. Warum spricht man, so fragte Jemand, von einem ״Pfade" zur Tugend. Die Antwort lautete: weil die meistens Fußgänger sind, welche dahin wandern. Denen, die selbst ungefällig sind, wird die Dankbarkeit zu einer Last, der sie sich, durch Herabsetzung der empfangenen Wohlthaten, in ihren eigenen und Anderer Augen, so wie durch Schmähung ihrer Wohlthäter zu entziehen suchen. Jener hatte d-mnach zum Theil Recht, wenn er, indem man ihm einen Mann nannte, der von ihm Böses spreche, darauf antwortete: Das wundert mich, ich habe ihm doch niemals einen Dienst geleistet. Zwei Theologen disputirten einst über Gegenstände des neuen Testamentes. Der Eine suchte aber seinen Gegner stets durch ungehörige und unzusammenhängende Anführungen von Bibelstellen zu verwirren. Der Letztere, dieser Act des Disputirens müde, fiel endlich ein: Wenn Sie so streiten und so Beweise zu führen glauben, so kann ich Ihnen beweisen, daß Sie sich erhängen müssen; denn heißt es nicht Mattb. 27, 5.: ״Judas ging hin und erhängte sich," ferner aber Luk. 10, 37.: ״Geh' hin und thue desgleichen." — Diese Art und Weise pflegte oft auch die Besprechung jübischer Angelegenheiten, die Benutzung des alten Testamen: res und der Rabbinen zu sein, indem man Stellen aus ihrem Zusammenhangs reißet und, sie auf verkehrte und unredliche Weise aneinanderfügend, aus ihnen richtige Schlüffe zu ziehen glaubt oder doch vorgiebt. Ein Prediger warnte seine Gemeinde einst, vor der List des Satans. Seine größte List, sa^te jener unter Anderm, besteht darin, daß er die Menschen glauben macht, daß er gar nicht existire. Wenigstens von deinen Fehlern, Leidenschaften und Jrrthümern kann man dies mit Recht behaupten; ihre größte Lift und Verderbniß bestehet darin, daß sie dich glauben machen, daß sie gar nicht existiren. Die Pferde eines Postwagens gingen durch, und letzterer war nahe daran, in einen Abgrund zu stürzen. Nur kaum, während die Reisenden Todesangst ausgestanden, wurde das Unglück abgewandt. Nur einer derselben vernahm erst nachher, mit Schrecken die Gefahr, in der sie geschwebt, denn er hatte den ganzen Vorfall — verschlafen. Auch dein befferer Sinn, Sünder l schlaft, wahrend auf deiner Lebensreise, deine zügellosen Leidenschaften, wie wilde Rosse mit dir durchgehen. Doch wie groß wird einst dein Schrecken sein, wenn du endlich erwachend, dich rettungslos verloren siehst. — In Bern ist bekanntlich 01׳. Valentin aus Breslau als Physiologe angestellt, nachdem er es verschmähet hatte, zum Behufe einer Anstellung in Preußen, die ihm geboten ward, seinen Glauben zu wechseln. Ein Berner Bürger nun, von einem Fremden gefragt, wie es komme, daß sie einen Juden angestellt hätten, gab darauf zur Antwort: weil wir unsere Lehrer nicht fragen, was sie gl auden, sondern was sie wissen, d. i., weil uns mehr dar: an liegt, an ihr Wissen zu glauben, als von ihrem Glauben zu wissen. Durch die Buchhandlung von Br. Sam. Gerhard in Danzig ist zu beziehen: Vokabularium zum Pentateuch תורה . nebst Biegungst. der hebr. Substantiva u. Verba. Bearbeitet von Joel Nathan, israel. Lehrer zu Danzig. Nebst Vorwort des Hrn. Direktor Dr. Bram daselbst. Verfasier hofft durch dieses Hilfsbuch den Unterricht im Pentateuch und der hebr. Sprache um Vieles zu erleichtern, und so einem längst allgemein gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen; auch erfreuet sich bereits dieses Schulbuch einer günstigen Empfehlung, sowohl in diesem geschätzten Blatte Nr. 4L d. v. Jahrg. als auch in der Zeitung d. Judenthums Nr. 50. Ladenpreis 12£ Sgr. Bei Partien von 10 Exempl. und darüber — wenn die Besteller sich an den Verfasser wenden und das Porto tragen — 25° Rabatt. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.