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Sabbath-Blatt · 1844-01-20 · 4 (27.1.18444) · p. Seite 14

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
4 (27.1.18444)
Date
1844-01-20
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 wo, wie bei den Söhnen Israel's, Weinen und Klagen, den muthigen Schritt unserer Reise hemmt. Und deshalb sollen wir auch ferner, den Stab zur Hand haben, den Stab des Glaubens und der Zuversicht, die Stütze eines reinen Gewissens, eines guten, eines edlen Bewußtseins. Und vor Allem ״seid eilig im Genüsse, es ist ein Ueberschreitungsmahl und dem Ewigen geweihet." Wendet nicht zu viel Aufmerksamkeit, leget nicht zu viele Wichtigkeit auf die Genüsse der Gegenwart, auf das üppige Gastmahl eures Lebens; Gott, dem dein Leben geweihet sein soll, hat für diesmal deine Thür überschritten, aber kannst du wissen, ob dich Gott nickt schon am nächsten Tage hinwegruft, ob nicht mitten unter den leuchtenden Festeskerzen der Ruf zur Wanderung ergehet, zur nächtlichen Reise, in der nur die Flammensaule Gottes dir leuchten kann! Wer kann die Eile und Unzuverlässigkeit dieses Lebens erschütternder zeichnen, als Moses selbst sie im 90. Psalm zeichnet. ״Du nimmst sie schnell hinweg, die Menschenkinder, also redet ec Gott an, ihr Leben gleicht dem Schlummer, der am Morgen, wie des Feldes Grüne dahin ist." Wie unter dem heißen Himmelsstriche, der in der Nacht üppig aufgrünende Halm, vor der Gluth der Sonne dahin welkt, also entflieht vor der Morgensonne der Schlummer mit allen seinen tauschenden Träumen; und das ist das Leben der Menschen! ״Unsere Jahre schwinden schnell, einem Gedanken, einem Hauche gleich, und all' ihr Stolz ist eitel und voll Sünde." Worauf gründest du, Sterblicher! deinen Stolz, deinen eitlen Hochmuth. Versündigest du dich nicht an dir selber, an deinem bessern Selbst, wenn du Werth legst auf das, was nicht dein eigen ist und dir nicht bleibt, was wie ein Hauch vergehet, und wie ein glänzender Traum den eitel Erwachenden demüthiget und mit Scham erfüllet. ״Denn schnell und unversehens ist er durchschnitten, der Faden unseres Lebens" und — wir fliegen davon aber auf den Fittigen der Unsterblichkeit, wenn wir uns ihrer würdig machten. Darum fährt der heilige Sänger fort: ״Lehre uns unsere Tage zählen, daß wir erlangen ein weises Herz. In Bezug auf diesen Vers sprechen unsere Weisen: שוב יום ״ אחד לפני מיחחךthue Buße einen Tag, bevor du stirbst." Und da der Mensch seinen Todestag vorher nicht weiß, so lhue er heute Buße, vielleicht daß er morgen stirbt, und ferner, thue er morgen Buße, vielleicht daß ihn am dritten Tag der Tod ereilt, und also fort durch alle seine Tage, so geschieht es denn, daß er immerdar in Buße und Sündenreinheit bleibt, und dieses heißet die Tage zählen lernen." Woran sich dann der Wunsch anschließet: ״Sättige uns am Morgen mit deiner Güte, auf daß wir jauchzen und uns freuen mögen aller unserer Tage." Denn wenn dies Leben ein Schlummer ist, wie ver, schieden wird dann das Erwachen sein, an jenem großen Morgen, der uns dereinst aufgeht. Wie schrecklich das Loos derer, die von bösen Träumen verfolgt, wie Nachtwandler, gefährliche Pfade dahin schwanken, und die der erste Strahl des Lichts an einem Abgrund wecket, die an des Grabes Schlund erst sehen, wie irre sie ihr Weg geführt. Und wiederum, wie die Sage waltet, daß die Morgenträume weissagend sind, so wird in dem Edlen, je näher er dem großen Morgen kommt, je weisern Herzens er geworden, um so lebendiger der ahnungsvolle Traum der Ewigkeit; er erwachet — und der Morgen träum wird Wahrheit. So wir uns aber würdig machten der Gnade Gottes, so werden wir selig sein und uns freuen aller unserer Tage, auch der flüchtigen Tage der Erde. Es ist uns vergönnet, auch diese Tage, die uns dann nicht verloren sind, der Unendlichkeit unseres wahren Lebens hinzuzuzählen, und ihre Ahnungen waren uns die süßeste Vorbereitung, für die reichen Gaben, die uns dort erwarteten. Amen. S — z. Juden im ״Christlichen" Staate. (Ams dem Edinburgh Review.) (Fortsetzung.) Dieser Mangel patriotischen Gefühls, sagt man, macht den Juden unfähig, politische Funktionen auszuüben. Dieses Argument hat was Scheinbares an sich, aber eine genaue Untersuchung zeigt seine ganze Unrichtigkeit. Selbst wenn man die angeführten Thatsachen als richtig zugiebt, so sind doch immer die Juden nicht das einzige Volk, welches seine Sekte seinem Lande vorziehc. Das Gefühl des Patriotismus entstehet, wenn die Gesellschaft sich in einem gesunden Zustande befindet, durch eine natürliche und unvermeidliche Vergeselligung in den Herzen der Bürger, welche wissen, daß sie all' ihr Wohlsein und ihre Freunden dem Lande zu verdanken haben, welches sie in einer Gemeinheit vereiniget. Unter einer parteiischen und drückenden Regierung aber, können diese Vergeselligungen nicht jene Stärke erlangen, welche sie bei einem bessern Stande der Dinge haben. Sie sind gezwungen bei ihrer Partei einen Schutz zu suchen, den sie von ihrem Vaterlands empfangen sollten, und durch eine natürliche Folge, übertragen sie auf ihre Partei die Neigung, die sie sonst für ihr Vaterland gefühlt haben würden. Die Hugenotten riefen Englands Beistand nach Frankreich, wider ihren katholischen

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