Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 3 (20.1.1844)
- Date
- 1844-01-20
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 sind erklärlich. Aber minder leicht scheint das Verständniß zu sein, wenn es heißt: ״ ויחזק יי אח לב פ׳Gott verhärtete das Herz Pharao's," oder wie es an der oben angedeuteten Stelle lautet: ״ אני אקשה אח לב פ׳Ich (Gott) werde Pharao's Herz verhärten." Jndeß diese Schwierigkeiten scheinen in folgender Weise gehoben werden zu können. Es lag unläugbar in der Macht Gottes, Israel ohne Zögern zu befreien. Er hatte das Leben dieses Pharao, der seinen Rathschlüssen entgegenzutreten versuchte, in seiner Hand. Aber er wollte die Egypter nicht zwingen, er wollte sie zur Erkenntniß führen und dadurch bewegen, freiwillig das zu thun, was recht und dem Willen Gottes gemäß war. Gewiß wollte nun Gott den Pharao nicht hindern, sich rasch zu bekehren und sich dem Willen des Allgerechten zu fügen. Aber da diese Bekehrung und dieser Gehorsam freiwillig sein sollte, so ließ ihm Gott, durch seine Langmuth, Zeit zur Besserung, ja er wandte stets, auf Pharao's Bitte, die Plage ab, damit dasjenige, was von Seiten des Pharao geschah, nicht die unmittelbare Folge des Zwanges, der gegenwärtigen Leiden sein sollte. Es lag indeß in der Natur dieser göttlichen Langmuth, eine Zeit lang gerade das Entgegengesetzte, als das für Pharao Wünschenswerthe, zu bewirken, und ihn, statt ihn zur Nachgiebigkeit zu bringen, vielmehr (weil er die Strafen, da sie vorüberzogen, für eine Erscheinung des bloßen Zufalles hielt) noch eigensinniger zu machen und in seiner Sündhaftigkeit zu bestärken. Anstatt daß die Gnade des allmächtigen Gottes sein Herz hätte rühren sollen, machte sie es also eine Zeit lang um so verstockter. Dies ist eine Erscheinung in dem Seelenzustande der Menschen wie wir sie noch täglich wahrnehmen können. Gottes Liebe erstreckt sich auch auf den Sünder. Er will ״seinen Tod nicht, sondern daß er von seinen Wegen sich bekehre und am Leben bleibe." Diese Liebe und Langmuth beweiset er ihm täglich, durch seine Sorgfalt für des Sünders Leben, seine Ernährung, unEurch Alles, was in den Schönheiten und in der Fruchtbarkeit der Natur und in den Verhältnissen und dem Geschick seines Lebens ihm zu gut kommt. Aber diese Wohlthaten, weit entfernt, das Herz des Frevlers zu rühren, bestärken ihn oft in seinem Frevel und seinem Unglauben. Die Fülle der göttlichen Wohlthaten und Güter, in der er lebet, macht ihn um so übermüthiger, und die Straflosigkeit, in der er dahin wandelt, erscheint ihm als ein Beweis, daß Gott ihn nicht strafen wolle oder nicht könne, oder daß er sich um die Handlungen der Menschen nicht kümmere: ואמרו איכה ירע אל ויש דעת בעליון, Ps. 73,11. Und so war es auch bei Pharao. Er konnte sich nicht denken, daß Gott wenn er mächtig wäre, mit ihm so viel Geduld haben würde, das was Liebe und Langmuth war, hielt ec für Mangel an Macht, und so mußte es, wie es Gott vorhersagte, eine Zeit lang eben die natürliche Wirkung dieser Liebe und Langmuth sein, den Pharao um so v^stockter und halsstarriger zu machen, bis er zur Erkenntniß der göttlichen Liebe, neben 7dW Macht, gekommen. So wird nun also der AusdruiA erklärlich: ,״ אני אקשה את לב פI ch werde Pharao's Heyz verhärten." Gott war es in der That selbst, der durch seine Liebe und Langmuth Pharao verstockt machte, weil er ihm seinen freien Willen ließ, obwohl die Absicht Gottes stets nur sein konnte, Pharao so rasch als möglich von seiner Sündhaft tigkeit zurückzuführen. Was den Pharao selbst betrifft, so gehört er, seiner Natur nach, zu jenem festen und harten Charakter, in dem der Keim zu Beidem, zur Charakterfestigkeit, aber auch zur Hartnäckigkeit und zum Eigensinne liegt. Insofern nämlich Menschen dieser Art frei von den Fehlern de^WankeGnuths und des Leichtsinns zu sein pflegen, so könnten sie wirkliche Festigkeit des Charakters erlangen, wenn sie begriffen, was sie ist, und wenn sich ihr Wesen richtig entwickelte. Die Charakterfestigkeit, wenn sie diesen Namen verdienen soll, gehet aus von der Erkenntniß des Guten, und sie bewähret sich darin, daß sie diesem einmal erkannten, wirklich Guten unter allen Umständen treu bleibt, sich durch Nichts in seiner Erstrebung und Ausübung wankend machen läßt. Aber wie schwer ist es, das wirklich Gute unter allen Umständen herauszusinden, welche tiefe Versenkung in den göttlichen Willen erfordert dies! Daher kommen jene Charaktere leicht zur Verirrung, das, was sie einmal wollen, für das Gute zu halten. Der Eigensinnige verändert nie seinen Willen, ohne äußern Zwang, wie dies bei Pharao der Fall war, der Charakterfeste aber ist in jedem Augenblick dazu bereit, wenn er einsieht, daß sein Wille nicht der rechte sei; denn seine Festigkeit findet nicht in seinen eigenen Interessen, in seiner Selbstliebe, sondern in der unerschütterlichen Liebe zu dem ewig sich gleich bleibenden Guten ihre sichere Begründung. In der That können wir einen Charakter nennen, in welchem dieser harte und feste Sinn sich allmählig dem Besten zuwendete, und mit derjenigen Festigkeit, mit der er zuerst das Gute zurückwies, sich gegen dasselbe mitunter sträubte