Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 2 (13.1.1844)
- Date
- 1844-01-13
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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6 fctnftc Anklage, wie ein heiliges Gefühl, gemischt aus Weh: much und Entzücken, zum Herzen sprechen läßt. Und dieses liebliche Bild, ist zugleich Urbild des ganzen, vollen, göttlichen Lebens, das der Schöpfer der Seele des Menschen eingehaucht. Wie sehr auch der Er- Wachsens sich entwickelt, zu welch' großen Thaten und Gedanken er herangereift, was ec auch im Gebiete der Kunst und des Wissens, oder auch an Heldenthaten der bewundernden Menschheit geleistet — immer ist es doch nicht das Ganze, es ist nur ein Theil des Lebens, das sich an ihm herausgebildet. Wie viele seiner Lebenskräfte ließ er unbeachtet, unentwickelt, was Alles, außer dem was er geleistet, trug sein Geist, oft auch sein tiefer Wunsch, noch in sich, was nur kaum erwacht, im Gewühle seiner Lebensthätigkcit, allmälig eingeschlummert und verloren ging. Ja, in dem kühnen Helden ging vielleicht der Dichter unter, in dem eifrigen Geschäftsmann, vielleicht der weise Rath des Königs. Das Leben des Erwachsenen ist nur getheiltes, einseitiges, halbgewordenes Leben. Aber in dem Kinde liegt noch Alles vor uns; ein ganzes Menschendasein, in seinen vollzähligen, ersten Keimen, mit all dem Reichthum seiner erwachenden Geisteskräfte, mit all der Fülle seiner heiligen Empfindung. Hier kann aus Allem noch Alles werden und hervorgehen. Der Ausall hat hier noch nicht gewählt, die einseitige Berufspflicht noch nichts entschieden. Hier ist noch Alles gleich begünstigt, in gleicher Weise ringend, an das Licht des Lebens hervorzublühen. Und wie wunderbar muß es in dieser kleinen Seele gähren und walten, bis sich hier Gefühle zu Gefühle ordnen, bis hier Gedanken neben Gedanken erwachen, wie wunderbar! wir wissen es nicht und ahnen es nicht. Weißt du, wie die Knospe erblühet, wie die Frucht an der Blume reifet? U«nb welch ein tiefes Geheimniß liegt in diesem, aus der Bewußtlosigkeit sich allmälig losringenden Leben! Was wird dieses Kind einst sein, wenn es groß ist geworden? Welche Kräfte werden sich an ihm entwickeln? Wird es, mit der Fackel des Wissens in der Hand, die Bahnen der Gestirne messen? Oder die verschlungenen Pfade beleuchten, welche die Völker wandelten, in den Tagen der Vergangenheit? Oder wird dies Kind, zum Manne herangereift, die Tausende führen in den Kampf, mit dem blitzenden Schwerdt in der Hand, Sieg und Verderben wirkend? Wird dies erwachende Herz einst Haß oder Liebe fühlen? Wird, dies noch so lieblich blickende Auge einst glühen in dem dunklen Feuer der Leidenschaften? Wird der erstarkte Schritt einst die Pfade der Tugend oder des Lasters wandeln? sich selber und denen, die mit ihm gehen, Segen bringen, oder Fluch? Alle diese Gedanken, oder doch diese Ahnungen, ergreifen uns bei dem Anblick des Kindes. Noch möchten wir nur Schönes, nur Gutes von ihm erhoffen, noch wünschen wir so innig, daß es einst glücklich sei und auch Andere glücklich machen möchte. Und dies göttliche Geheimniß, das in seinen reinen, von dem Laster und den Leiden noch unentstellten Augen zu uns spricht, dies ist es, was uns so heilig, so liebevoll und schmerzensvoll ergreift. Und dies zarte liebliche Wesen ist euch, ihr Eltern! anvertraut. Ihr sollet dafür sorgen, daß es heilig und göttlich emporblühe, ihr sollet es zum Guten führen, und vor der Sünde schützen, und das Gottes-Ebenbilv in ihm bewachen. In dem geretteten Moses, in dem wohlgeleiteten Kinde, erstand der Menschheit der göttliche Mann, der geistigen Segen als Erbe hinterließ den Jahrtausenden. Zu welchem Zweck Gott euer Kind hat ausersehen, ihr wisset es nicht. Erziehet es, daß es dem Moses gleiche, an Demuth und an heiligem Sinn und göttlicher Liebe. Und es wird dann auch Segen verbreiten, im größeren oder kleinern Kreise, und die des Segens Theilhaften werden es eurer Mühe und eurer Leitung danken. Gott gab euch dies Kind! führet es ihm entgegen! gedenket der Ewigkeit, da ihr mit diesem Kinde einst stehen werdet, am Throne des Herrn! Amen. _ S-z Moses. Ich nahe mich dir, ernster, heiliger Schatte! Einerder ältesten Gesetzgeber und Wohlthäter des menschlichen Geschlechts! Dein Antlitz glanze nicht zu sehr, daß ich deine Züge erkenne, und sie meinem Freunde mit Licht und Wabrheit, die du dem Fürsten deines Volks als Heiligthum auf die Brust legtest, zeige. Das frühe Schicksal Moses' war so wunderbar, wie wir's im später« Alterlhum bei mehren Gesetzgebern und großen Männern entweder als Geschichte, oder als Fabel nachgeahmt finden. Ein Cycus, ein Romulus, u.A. wur- - den wie er gerettet, und sein Name erinnerte ihn daran, daß ihn die Gottheit durch die Hand einer Fürstentochter eben des Volks, das die Seinigen unterdrückte, nicht umsonst aus dem Wasser gezogen habe. Es scheint, die Vorsehung habe ihr weises Spiel darin, die größesten Dinge an einem ftidnen, oft widerwärtig geflochtenen Faden aus dem Schlamme des Nichts hervorzuziehen, und die Hand der Feinde ihres Raths zu ihren tiefverborgenen Zwecken zu brauchen. Am Hofe Pharao's ward Moses erzogen. Gelehrt in aller Weisheit der Egypter ward er auch mit den Geheim-