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Sabbath-Blatt · 1844-01-06 · 1 (6.1.1844) · p. Seite 2

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
1 (6.1.1844)
Date
1844-01-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Lebens hinwegtritt, um in einer lichtem, geistigen Welt zu gesunden. Wir wissen es nicht, wie dann dem Sterblichen zu Muthe sein mag, was in der innern Welt seines Geistes vorgehn mag, wenn er die schwere Hülle der Sterblichkeit vertauschen soll mit den leichten Flügeln der Unsterblichen. Aber so verschieden, als das Leben war, ebenso verschieden muß dieser letzte Augenblick des Todes werden. Wie anders muß er sein, für den wahrhaft Frommen, dem lichtes Erkennen schon hienieden Seligkeit wurde, für den gleichgültig Gefühllosen, den ruhelos Gewinnsüchtigen, den unersättlichen Genußmenschen, den Zweifler oder den Verbrecher, oder den Rohen und Wilden, für jede edlere Fröhlichkeit, jedes bessere Gefühl, hienieden Unzugänglichen. In dessen Seele hienieden nimmer ein Lichtstrahl besserer Erkenntniß leuchtete, auch er brachte in dieses Leben die Gott geschaffene Seele mit, das Gepräge des Gottes- Ebenbildes, aber sie schlummerten, sie schliefen in ihm, diese heiligen Lebens-Ahnungen, sie schliefen den schweren Schlaf dumpfer Bewußtlosigkeit. Mit Zank und Streit und rohen Genüssen wildester Sinnlichkeit, mit Flüchen und Verwünschungen, schritt er durch dieses Leben, weder sich selbst, noch Andere wahrhaft liebend. Wie beängstigt und wunderbar muß ihm zu Muthe fein, wenn, nach dem letzten Fluche, den er in dieses Leben schleuderte., nach dem letzten, schweren Seufzer seines röchelnden Todeskampfes, bei dem letzten Athemzuge seines Lebens, ein Blitz m seine Nacht leuchtet, wenn die Donner seines Gewissens ihm sagen: du standest in einer Gotteswelt und entweihetest sie und dich, durch deine Laster und deine Verwünschungen. Wie schrecklich muß, nach dem langen, finstern Schlafe, fein Erwachen in dem blendenden Lichtglanz sein, daran er nie zu schauen sich gewöhnte, dem sein Auge, unter Schmerzen, sich zu öffnen ringet. Oder wer, von Genüssen lechzend nach Genüssen, stets unbefriedigt nach Neuem verlangend, durch die Tage seines Lebens eilte, zwar nicht roh wie Jener, sondern aller schmeichelnden Verfeinerung des Lebens hingegeben, alle Kräfte seines Geistes anstrengend, alle Gefühle seines Herzens danach modelnd, um in den äußern Verhältnissen dieser Welt zu gelten und sich Freuden zu schaffen. Je bekannter er in diesem Kreise wird, jemehr das äußere Leben ihm verständlich geworden, je tiefer er hier eingedrungen, in die Gesetze der List, in die Wirkungen der Täuschung, je fremder fühlt er sich in seinem eigenen Herzen, jemehr ist ihm diese eine ferne, für ihn noch unentdeckte, unbegreifliche Welt. Wenn er nun auf sein letztes Lager hinsank — die Täuschungen haben aufgehört, die List und Menfchenklugheit vermag nichts mehr zu schaffen, die rauschenden Freuden, die ihn so lange entzuckten, die so lange seine Wünsche stillten, stehen fremd vor ihm, und er begreift nicht, wie er in ihnen sein Glück suchen, ihnen die göttlichen Kräfte feines Lebens weihen konnte. Er soll nun von diesem Leben scheiden, aber sein Herz ist zu schwach, um dies mit Muth und in göttlicher Erhebung zu thun, er soll ewigen Freuden entgegengehn, aber sein Herz ist zu eng, um sie zu fassen. Oder, wer ungläubig, alles Heilige verspottend, an allem Göttlichen zweifelnd, in selbstgefälliger Eitelkeit, seine Weisheit preisend und an das Licht seiner Erkenntniß glaubend, das ihm ringsumher nichts zeigt, als eine weite Nacht — es war ihm wohl bei seinem Zweifel, er war mit sich zufrieden, indem er Alles leugnete. Für ihn gab es keine Pflicht und kein Gewissen und keine strafende Gerechtigkeit. Er fühlte sich frei, nachdem er die Fesseln der Religion von -sich geworfen, er fühlte sich erhaben, indem er sich über den Glauben stellte, für ihn gab es nur Genüsse, aber keine Pflicht, nur Forderungen, aber keine Schuldigkeiten. Und nun steht er bei dem letzten Ereigniß seines Lebens. Es gilt, die Zeitlichkeit mit dem zu vertauschen, was er nicht kennet, woran er nie glauben mochte, ja woran er kaum gedacht. Zum erstenmale tritt ein ernstes ״Vielleicht?" vor seine Seele. Vielleicht ist's doch wahr, woran Millionen glauben, worauf Millionen hoffen, was Millionen Trost und Kraft und Zuversicht des Lebens ist. Was Lhatest du, um dir Klarheit zu verschaffen? welches Recht hattest du, dich deinem Zweifel, deinem Unglauben hinzugeben, welches Recht, ihn für Wahrheit, für Weisheit zu halten? Wenn es doch wäre, was dir für Thorheic galt, wenn du jetzt das Auge schließest, um es zu öffnen, am Tage des Gottesgerichtes, wenn du jetzt hintreten mußt vor den Thron dessen, der dich fragen wird, wie du die Kräfte angewandt, wie du die Tage benutztest, die er dir doch wohl zu höhern Zwecken gab, wenn dies wahr wäre, und die Angst deines Gewissens scheut zu zeugen, daß es ist -— was wolltest du sagen und wie dich rechtfertigen? Was thatest du, um dich zu höhern Geistern zu gesellen, um in einer Welt heimisch zu werden, die dir ein Traum des Thoren zu sein schien. Wie schrecklich muß diesen Allen jedes letzte Erwachen vor dem letzten Schlafe sein, wie furchtbar der Augenblick, in welchem sie zum erstenmal in ihre Seele blicken und in derselben Ahnungen eines Reiches finden, dessen Bürger zu sein, sie hier versäumt oder verschmäheten. Und um diesen Augenblick noch angstvoller zu machen, stehen die Ihrigen

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