Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 52 (30.12.1843)
- Date
- 1843-12-30
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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207 wohl daran, Israel! Erbarmen und Liebe, als ein schönes Volks-Erbe, dir zu bewahren. So lange noch Haß in unserm Herzen nistet, sei er gegen Viele oder Einzelne gerichtet, so lange kann unser Glück nicht vollkommen sein; es ist wie ein Nebel, der den Hellen Tag umschleiert, wie die Wolke, die die Sonne verfinstert, und darum sind die, deren Leben rein und ungetrübt ist, die wahren edeln Gottesfreunde wie es Josef war, darum sind sie ״wie die Sonne, wenn sie ungetrübt und leuchtend aufgehet." Amen. S — z. Die zwei mythischen Wunderbäume, oder makrobiotische Principien in der Genesis. (Fortsetzung.) Die Hauptidee der Mythe ist nun diese: Das Menschengeschlecht ist zu einem gewissen Maaße von Kultur, welches seinen rohen Urständ modificirt und mildert, wobei sein Wesen vielmehr erstarkt, als erschlafft und seine Existenz gesichert wird, als zum Landbaue, und zum einfachen, ungekünstelten Genüsse der Naturerzeugnisse, in mäßigen, nicht übertrieben großen gesellschaftlichen Vereinen, von der Natur unstreitig berufen, oder in der mythischen Sprache: Gott setzte Adam in den Garten Edens, um ihn anzubauen und zu warten. Darauf weisen ja die Anlagen und die Bildsamkeit seiner Doppelnatur der physischen, wie der geistigen hin. Dieses heilsame Kulturmaaß aber sollte der Mensch aus Achtung für das Gebot Gottes — oder das von der Erfahrung abgeleitete Vernunftgesetz12) — nicht überschreiten, d. h.: er sollte sich nicht, aus ungeregelter Neigung zum Vergnügen, den raffinirten Sinnenlüsten dingeben, durch die seine Kraft gelähmt wird und sein Wesen erkrankt, oder wie es in der Mythe heißt: er sollte vom Baume der Erkenntniß des Guten und Bösen (des Angenehmen und Unangenehmen) nicht essen, weil er dadurch sterblich würde. Es wird demnach seine physische Kraft durch seine geistige, seine Glückseligkeit durch seine Moralität 12) Daher läßt auch die Mythe das Verbot Gottes unmittelbar an den 'Mann ergehen, der die Erfahrung zu benutzen weiß; die Versuchungen der Schlange hingegen wandten sich an das empfänglichere Herz des Weibes; und das ist der schlagendste Beweis, daß unter Erkenntniß des Guten und Bösen nicht der Gebrauch und die Entwicklung der Vernunft zu verstehen sei, wie manche Ausleger meinen. bedingt.") Dadurch aber, daß der Mensch den Eingebungen seiner Lüsternheit (der mythischen Schlange) mehr, als der warnenden Stimme der Erfahrung Gehör gegeben, der Ueppigkeit und gesteigerter Sinneslust fröhnend, sündigte er gegen das Vernunftgebot, das Gebot Gottes, und brachte, als natürliche Folge, ein unzähliges, seine Kraft untergrabendes Heer von Krankheiten und Leiden, den Flüchen der Gottheit,") über sich. Dieser Verfall und Verlust der ursprünglichen Menschenkraft wird in der Mythe zwar, dem ersten Anblicke nach, als unwiederbringlich für das gesammte Geschlecht angegeben, weil dies, nach der bis jetzt erlangten Erfahrung, in der Natur dieses Verfalles selbst, wie weiter unten gezeigt wird, gegründet zu sein scheint. Wenn man aber die Orakelsprache der Mythe naher beleuchtet und in deren Sinn tiefer eindringt, so muß es uns klar werden, daß unter dieser Unwiederbringlichkeit keine absolute, sondern eine — durch die schwer zu besiegenden Hindernisse, welche sich der Wiedererlangung des ersten Glückes entgegenstellen — blos bedingte zu verstehen sei;") wie dies denn auch in der Erfahrung, an einzelnen Beispielen von Männern, deren feste Willenskraft, durch Besiegung jener Hindernisse ihr Heil bewirkt, sich wohl Nachweisen läßt. Und hier sehen wir wiederum die geistige Kraft des Menschen, als unerlaßliche Bedingung seiner Erstehung vom Falle auftreten. So viel im Allgemeinen, nun aber auch zur nähern Auseinandersetzung. Wenn der Mensch der Absicht und den Gesetzen der Natur genau nachkommt, so lebt er nach dem Willen Gottes. Jede Handlung des Menschen hingegen, die den unverbrüchlichen Naturgesetzen widerstreitet, und aus eben dem Grunde ihm in der Folge zum Verderben gereichet,׳ wenn er gleich dies erst nach einer langen Reihe von Erfahrungen, an den unheilsamen Folgen nämlich, einzusehen im Stande sein kann, ist von vorn herein durch ein Verbot Gottes untersagt; und diese Übeln Folgen, wenn sie anfangen, sich verspüren zu lassen, sind gleichsam Warnungen vor fernerer Uebertretung, wo bei Vernachläßigung dieser heilsamen Erinnerung, die nothwendige Zunahme und Heftigkeit der bösen Zufälle sich endlich als Strafgerichte Gottes kund geben. Nach solchen theuer erkauften Erfahrungen, war der Mensch von der Natur bestimmt, ihre wohlthätigen Gaben rein und unverfälscht, wie sie ihm solche bietet, zu genießen; und welche Mängel ein solches Naturleben nach unfern jetzigen Begriffen auch haben mochte, der Naturmensch fühlte sie nicht; ja, sein fester baumstarker Körper trotzte, wie eine 13) Der unmäßige Trieb zum Vergnügen und Genüsse, nach den verschiedenartigsten Richtungen, die er nimmt, wird — eine wahre Pandora-Büchse — zur Quelle vieler physischen und moralischen UeLel, so wie die Willenskraft, die jene zügelt, auch zur Mutter aller Tugenden werden kann. 14) Siehe Note 31 zu Ende. 15) Sonst hätte die Mythe den Lebensbaum nicht blos bewachen, sondern ganz vernichten lassen.