Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 52 (30.12.1843)
- Date
- 1843-12-30
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Zeder Gottes, selbst der Rauhheit der stürmischen Witterung; er lebte daher zufrieden und glücklich und erreichte ein hohes Alter.je) So lange er nun bei seiner schlichten Lebensweise beharrte, konnte ein Uebermaaß im Genüsse unmöglich für ihn zu befürchten sein, denn Alles war für die Reizfähigkeit seines Organismus aufs Genaueste berechnet.1T) Wozu also in diesem Naturstande die Frucht von dem Lebensbaume, der in der Mitte des Gartens steht, d. h. strenge Mäßigkeit? Wo keine Extreme und Abwege existiren, giebt es auch keine Mittelstraße, die ein blos relativer Begriff ist.J8) Allein von der Lüsternheit verleitet, glaubte der Mensch in seinem Wahne, durch die Verfeinerung und Erhöhung der sinnlichen Genüsse ld), seine Natur zu veredeln, und an der Seligkeit der Götter Theil zu nehmen 2»); allein hierin 16) Bildlich: ויהיו שניהם ערומים האדם ואשתו ולא יתבוששו Das Wort ערומים hat hier sowohl eine eigentliche, als figürliche Bedeutung (nackt, auch entblößt von Hilfsmitteln zum gemächlicheN Leben). Das Wort: יתבוששו, welches der Mythendichter mit besonderer Absicht gewählt zu haben scheint, da diese Form (Hitpaöl) sonst nirgends im alten Testamente anzutreffen ist, .^stspricht ganz ber Tendenz einer bildlichen Schilderung, deren Sinn, wie oben bemerkt worden, ein doppelter ist, und wo man sehr oft mehre Begriffe mit einem einzigen Ausdrucke verbinden will. Die Wurzelsilbe: בוש im Hebräischen (verwandt mit dem aramäischen: ביש oder באש, böse, übel) bedeutet, meiner Meinung nach, im Allgemeinen ein unangenehmes Afsicirtwerden, oder ein Leiden von einem Übeln Eindrücke, in physischer wie in moralischer Beziehung. Sie steht demnach in einiger Verwandtchast mit den Wurzeln יבש und באש; daher: ויבוש מקורו Hosea 13, 15. הגפן הובישה Joel 1, 12. (wo בוש mit יבש verwechselt wird). Daher auch der Ausdruck דהילו ער בוש Richter 3, 25: (Sie warteten bis zum Misbehagen, bis zur Ungeduld). Die Uebersetzung des obigen Verses, nach seiner MehrdeutiMit, sollte demnach heißen: Adam und sein Weib waren beiden einem entblößten Zustande, ohne im Geringsten davon asßW. zu werden. •17) Allen Bäumen des Edens (außer dem Erkenntnißbaume) legt die Mythe blos die schlichten Eigenschaften bei: lieblich zum Ansehen und gut zum Essen: נחמד למראה וטוב למאכל. 18) Dies zur Hebung einer der oben berührten Schwierigkeiten, warum nämlich die Frucht des Lebensbaumes nicht gleich Anfangs die ersten Menschen an sich gezogen, zumal ssie ihnen keineswegs verboten worden. 19) Die Frucht des Erkenntnißbaumes hätte die Attribute: gut zum Essen, eine Wollust für die Augen und reizend für die Phantasie: טוב למאכל ,תאוה לעינים ,ונתמר להשכיל. 20) Nach den kindischen und rohen Begriffen der Zeit schwelglen die Götter in ewigen, sich unaufhörlich erneuernden Genüssen. Der Plural: כאלהים יודעי טוב ורע und noch mehr כאחד ממנו לרעת טוב ורע weist auf eine Zeit hin, wo der Monotheismus sich noch nicht rein ausgebildet. irrte er sich gewaltig. Die raffinirten Genüsse erzeugten Ueberreitzung, daher Unmäßigkeit, der seine Natur nicht gewachsen war, dann Gefühl von Leere und Abspannung, darauf eine Sehnsucht nach neuen und unbekannten Genüssen,21) zuletzt Entnervung, daher auch krankhafte Empfindlichkeit gegen die Eindrücke der unfreundlichen Witterung.22) Nun mußte sich auch als unbleibliche Folge, das ganze schreckliche Heer der chronischen und Nervenkrankheiten einstellen 2-r): Hypochondrie, Hysterie mit ihrem gräßlichen Gefolge, trübsinnige Schwermuth, Verzagtheit, Ekel, Gicht und Podagra, die übermäßigen und widernatürlichen Unge/nächlichkeiten und Beschwerden der Schwangerschaft und der Geburt u. s. w. 24). (Schluß folgt.) 21) Vergl. Prediger 2. 22) Bildlich: ותפקחנה עיני שניהם וידעו כי ערומים הם (nach der zweifachen Bedeutung dieses Wortes). ״Und es wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, daß sie entblößt waren". Und sie vernahmen die Stimme Gottes, wie er im Garten einherzog (siehe Note 31) mit dem Winde (rauher Witterung) des Tages, und Adam und sein Weib versteckten sich zwischen die (dichten) Bäume des Gartens. 23) Nach der üppigen Lebensart zu urtheilen, welche schon in uralten Zeiten unter den Menschen überhand genommen, dürsen wir mit Gewißheit voraussetzen, daß auch die chronischen und Nervenkrankheiten, als unzertrennliche Begleiter davon schon damals geherrscht. 25) ״Auf׳ deinem Bauche sollst du (Schlange) kriechen, und Staub fressen." Die befriedigte und übersättigte Lüsternheit, muß niedergeschlagen und verzagt dahinschleichen. Vergl. Psalm 72, 9 und Micha 7, 17, wo diese Phrase ganz deutlich, als Figur der Furcht und Verzagtheit steht. ״ Ec (der Mensch) soll der (Schlange) auf den Kopf treten, (die köstlichsten Leckereien dev Lüsternheit mit Ekel von sich stoßen*)) und du ihn in die Ferse beißen" (Anspielung auf Gicht und Podagra). ״Ich werde mehren und vergrößern die Leiden deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären, und zu deinem Manne sollst du Begierde haben." (Furor uteri nonnullarum mulierum hystericarum). ״Und zu Adam sprach er (Gott): Die Erde sei für dich (d. h. blos in Bezug auf dich) verflucht." In seiner trübsinnigen Hypochondrie sieht er sie als ein Fanimerthal an, statt daß sie ihn vor seiner Entnervung als ein Lustgarten angelacht. ') Vergl. Hiob 33, 20, wo von einem Siechen die Rede ist: ״Sein Gemüth empfindet Ekel vor jeder Kost, jeder Speise des Lüsternheit׳" Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von Z. H. Nagel in Leipzig.