Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 51 (23.12.1843)
- Date
- 1843-12-23
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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203 aller Ehre entgegen kommt, aber auch soweit ihr Israeliten seid, zurückstellt und übergehet? Versuchet es einmal mit dem letzten, einzig zum Ziele führenden Mittel, stehet öffentlich da, jeder in seinem Kreise, als würdige Vertreter israelitischer Ansicht, lehret das Gesetz eures Volkes achten, dadurch daß ihr selbst vor ihm Achtung gewinnet und dieselbe nicht verstecket. Lehre Jeder, durch die eigene Seelengröße, auch nur Einen eurer nichtisraelitischen Brüder, eurer Schul- und Universitätsfreunde von den bisherigen Vorurtheilen zurückkommen, den Israeliten als solchen achten, ihm vertrauen, die edeln göttlichen Grundsätze erkennen, die er in sich trägt, und nach seinem Gesetze in sich tragen muß; wirket Jeder in solchem Geiste nur Einen, und es würde bald eine Reihe von Männern erwachsen sein, die in Liebe und Gerechtigkeit euch verschaffen werden, was ihr wünschet. Das Makkabäische Schwerdt wollet, bedürfet nicht, aber Alles könnet ihr erlangen mit Makkabäischem Geiste, mit jenem göttlichen Geiste wahrer Seelengröße! Amen. S—z. Die zwei mythischen Wunderbäume, oder makrobiotische Principien Ln der Genesis. (Fortsetzung.) Das Alterthum und Geburtsland unserer Mythe betrefsend, können wir blos so viel bemerken, daß sie in einer Zeit und an einem Orte ins Leben getreten zu sein scheint, wo bereits der Luxus, die Verfeinerung, und die damit gleichen Schritt haltende Verderbtheit der Sitten zu einer bedeutenden Stufe gediehen waren, welches wohl aus der Erwähnung einer besonders ausgezeichneten Sorte des edelsten, aber zugleich verderblichsten Metalls, wie auch einiger Arten der Edelsteine deutlich genug hervorgeht 5). Daß im Oriente unter Begünstigung eines kohlenheißen Klima's und des üppigsten Bodens, schon in den allerältesten Zeiten, bei den höhern Menschenklassen, namentlich in den zu jener Zeit so ungeheuer großen und volkreichen Städten, die zügelloseste Ausschweifung und Sittenverderbniß nach allen Nüancirungen eingerissen, ist ein unbestreitbares, historisches Faktum, 5) Die Geschichte der Sündfluth ist, meines Erachtens, wo nicht zu ebenderselben, wenigstens zu einer Zeit von ähnlichem sittlichen Charakter bearbeitet worden. Siehe weiter unten. welches nicht allein <m• mehren ®teilen m der Genesis und im alten Testamente überhaupt sich klar herausstellt, sondern überdies durch das Zeugniß der Profanskribenten außer allen Zweifel gesetzt wird. Ein unersättliches Jagen nach sinnlichen Genüssen: daher der üppigste Luxus, die unmäßigste Schwelgerei, die erkünstelteste Wollust, ja selbst die den Menschen so sehr herabwürdigende widernatürliche und außergeschlechtliche Befriedigung derselben 6) mit Hintenansetzung der dem Gedeihen der Gesellschaft so ersprießlichen Ehe; dann, als natürliche Folge der Verfeinerung, die entschiedenste Sonderung der Stände; daher auch Geringschäzzung des Landbaues, Verachtung, Mißhandlung und Tyrannisi'rung') der Landleute und der geringen Volksklassen, als stammten sie nicht aus eben demselben Geschlechtes, über- Haupt der Kastengeist, die hervorstechenden Züge jenes heillosen und verderbten Zeitcharakters waren. Daß bei einem so ausgearteten Leben das schreckliche Heer der Krankheiten zu wüthen begann, die Kraft der Menschen schwächend, und ihren Lebensfaden abkürzend, fließt aus der Natur der Sache. Diese durch eine unbändige Genußsucht herbeigeführte Entarmng, und das davon unzertrennliche Elend also hat die damaligen Weisen, Priester oder Volkslehrer von Zeit zu Zeit veranlaßt, nach der in jenen Tagen üblichen Methode, in Mythen und bildlichen Erzählungen, den Zeitgenossen einen treuen Spiegel ihrer, durch ein unseliges Mißverständmß ihrer eigenen Natur erzeugten, Verkehrtheit vorzuhalten, sie zu warnen, und wiewohl aus tiefer Kenntniß des menschlichen Herzens, an der Aurückkehrung des gesammten Geschlechtes auf den schlichten Weg der Natur verzweifelnd, wenigstens — den edeln Weilen war schon dies Gewinn genug — Einzelnen der Verirrten, die ernstlich Belehrung suchten, einen heilsamen, nützlichen Wink zu geben. Daß sie sich dabei manchmal absichtlich über die geschichtliche Wahrheit hinwegsetzten, so oft sie es zu ihrem Zwecke der Belehrung für dienlich erachtet, ist an ihnen eben so wenig zu tadeln, als an dem genialen Dichter eines trefflichen klassischen Epos; voll poetischer Begeisterung, daß er sich hie und da Anachronismen und ähnliche Ungerechtigkeiten zu Schulden kommen lasse, wenn es der Plan und die Tendenz seines Werkes erheischen. So beobachtet unsere Mythe gleich Anfangs bei der Schöpfungsgeschichte der Pflanzen, Thiere und Menschen, eine der Natur völlig zuwiderlaufende und ganz andere Ordnung, als im ersten Kapitel — dem 6) Vergl. mehre Stellen bei den Rabbinen, die ohne Zweifel auf dunkele Lradit. sich stützen, als: Midr. Rabba ייקחו להם נשים מכל אשר בחרו אף בעולת בעל אף הזכר והבהמר•; dann Sanhedrin, Fol. 57. כי השחית כל בשר את ררם על הארץ אפילו בהמה וחיה ועוף נזקקין לשאינו מינן. 7) Genesis 6, 13 כי מלאה הארץ חמס in dem Sinne wie חמסי עליך, ebend. 16, 5. 8) Daher der Unterschied zwischen Kinder der Götter und Kinder der Menschen (ebend. 6, 12), eine orientalisch bildliche Benennung der verfeinerten Klaffe und des gemeinen Volkes.