Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 51 (23.12.1843)
- Date
- 1843-12-23
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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202 glauben, und in ihrem Hause thun ließ, was sie wollten. Darum wollte der Greis Eleasar auch nicht einmal zum Schein verbotene Speisen genießen, denn es waren gesetzlich bereitete Speisen, die man ihm, ohne daß der König es merkte, bringen wollte, und er sprach das schöne Wort- ״Wenn ich auch jetzt der Strafen der Menschen entginge, den Händen des Allmächtigen würde ich weder im Leben, noch eim Tode entfliehen. Darum will ich, muthig das Leben tauschend, mich meines Alters würdig zeigen." Er sprach es und übergab sich dem qualvollen Tode. Denn die That, die man von ihm verlangte, würde der Schein eines Uebertritts vom Zudenthum zum Heidenthum gewesen sein; es kam hier gar nicht darauf an, daß diejenigen, mit denen er es hier zunächst zu thun hatte, ihm seinen nur scheinbaren Uebertritt so leicht als möglich machten, ihm dabei in der Thar gar kein Gelöbniß abnahmen, das seiner eigenen Meinung widersprach, seinen bisherigen und wirklichen Glauben zuwider war. Die That, als solche, war und blieb doch immer eine öffentliche Lüge, indem sie vor der Menge und dem Fürsten als Zeichen galt, daß der zu ihr bereit war, feine bisherige Religion verwerfe, sie für falsch und irrthümlich halte, daß er mit dieser die neue Religion verglichen und, nach reichlicher und ehrlicher Prüfung, sie ganz und allein seiner Ueberzeugung angemessen halte. Und darum wollte der Greis Eleasar nicht thun, was man von ihm verlangte, er wollte eine Ueberzeugung nicht heucheln, die er nicht empfand. Und nun ihr, für welche jene edeln Märtyrer den Tod erlitten, für welche jene Helden gekämpft, um euch das Kleinod wahrer, göttlicher Erkennlniß zu retten und zu bewahren, fragt euch doch, ob ihr einer solchen Seelengröße fähig wäret, wie Jene? Giebt es unter Euch nicht Viele, die sich dieser ihrer Väter schämen? Aber hätten Jene nicht vielmehr Ursache, sich Vieler unter uns zu schämen? Fraget euch, wie ihr an ihrer Stelle handeln würdet! Ich will hier nicht von der großen Anzahl derer sprechen, welche die väterlichen Gesetze verwerfen, weil sie, in ihren Geist nicht eingeführt, sie nicht zu würdigen wissen. Aber wie Viele giebt es, die, gegen ihre eigene Ueberzeugung, ja mit innerm Widerwillen, mit innerer Mißbilligung, diese Gesetze übertreten, aus kleinlicher Scham, aus kleinlicher Scheu vor einem Tisch - und Hausgenossen, der euch gewiß entweder mehr achten würde, wenn ihr eurer Ueberzeugung gemäß handeltet, oder selbst eurer Achtung nicht würdig ist. Fraget euch nun, wie ihr aü der Stelle Jener handeln würdet, wenn eine kleine, nur scheinbare Uebertretung des Gesetzes auf der einen, aber Ehrenämter und Reichthümer auf der andern Seite euch dargeboten würden! Ihr schämet euch Israeliten zu sein, euch wahrhaft vor Jedem als Israeliten zu bekennen, und darum habet ihr, als Israeliten, auch weniger erlangt, als ihr wünschtet, und werdet es vielleicht auch lange nicht erlangen. Es fehlt euch die Seelengröße, es zu verdienen, die Seelengröße, die euern Vätern eigen war. Denn zwar sie ergriffen das Schwerdt, Zeiten und Verhältnisse rechtfertigen den offenen Kampf, aber es war doch wahrlich nicht die körperliche Kraft, nicht Gewalt der Waffen, die Jenen den Sieg verschafft ״ לא בחיל ולא בכחnicht mit Heeresmacht und Menschenkraft, sondern mit meinem Geiste spricht der Herr Zebaot"; es war der innere Geist wahrer Seelengröße, der ein wahrhafter Geist Gottes ist, denn es ist der uns innwohnende Geist unserer göttlichen Würde, der uns emporhebt über die Erdenerscheinungen, die uns umgeben, der uns zu groß denken läßt, als daß wir, wo es unserer ernsten Ueberzeugung gilt, uns beugen unter der Sitte, daß wir — aus Gefälligkeit sündigen, daß wir verleugnen, was wir sind, und was wir stets stolz sein müssen, öffentlich und vor Aller Augen zu sein, ja der uns zu groß von uns denken läßt, als daß wir uns endlich, wie Viele thun, damit begnügen, gar keine Ueberzeugung zu haben. לא בחיל ולא בכת. Was ihr wünschet, das könnt ihr um so weniger mit Heeresmacht erlangen, die habet ihr nicht und die wollet ihr nicht — ihr seid jetzt gute und friedliche Unterthanen, eines edeln Staats, eines glücklichen Vaterlandes — כי אם ברוחי אמר יי צבאות aber wohl mit jenem göttlichen Geiste wahrer Seelengröße! Warum erlanget ihr nicht, was ihr so ׳sehnlich wünschet, warum erlanget ihr es nicht als Israeliten? Weil ihr nicht wahrhaft als Israeliten auftretet nnd redet. Ihr beklaget euch darüber, daß man euch als Israeliten verachte, zurücksetze? ihr verachtet euch selbst als Jsraelitn, ihr waget es nicht, euch wahrhaft als Israeliten zu bekennen, und ihr wundert euch darüber? Ihr seid sonst ehrenwerthe Männer, rechtlich in That und Wort, ihr habet viele wahr- Haft israelitische Tugenden, aber ihr erkennet und bezeuget sie nicht als solche, und nun wundert ihr noch, daß man euch als Israeliten nicht jenes Vertrauen, nicht jene Achtung zeige, die ihr verdient; ihr verstecket euer Jsraelitenthum, ihr stellet euch als Ausnahmen dar, die frei sind von dem besondern Wesen der Israeliten, und, nun wundert ihr euch, daß man euch als Ausnahme behandelt, daß man euch, so weit man euch als Nicht-Israeliten betrachtet, mit