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Sabbath-Blatt · 1843-12-16 · 50 (16.12.1843) · p. Seite 199

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
50 (16.12.1843)
Date
1843-12-16
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 Und Gott sah, daß Alles, was er gemacht hatte, sehr gut war. Genesis 1, 31.- Doch siehe! dies habe ich gefunden, daß Gott die Menschen schlicht geschaffen; sie aber suchten viele Erkünstelungen Prediger 7, 29. Das Princip der ewigen, nothwendigen Gesetze der Natur ist Güte. Alles, was sie schafft, ist wohlthätig und heilsam; sie hat nichcs Unnützes, geschweige denn absolut Schabliches. Gift, Uebet, und was solcher Nennung ähnlich kommt, sollten ganz gelöscht sein aus dem puristischen Wörterbuche der Natur; es sind wahre Barbarismen, welche durch den ungeregelten Mißbrauch, sich eingeschlichen in ihr reines Idiom. Die meisten sogenannten Gifte in der phyfischen, die so verschrienen Leidenschaften in der moralischen Natur werden, von weiser Hand gebraucht, vom Zügel der Vernunft geleitet, zu heilenden Balsamen, zu energisch-anregenden Lebcnsfunken. Ader die heilkräftigsten Balsame, die wohlchätigsten, nützlichsten Triebe wandeln sich in lödtende Gifte, in zerstörende Gluchen durch den, wider Gesetz und Regel sich auflehnenden Mißbrauch. So denken die Weisen aller Zeiten, so dachte auch der weise Vater unsres Mythos. Dieser überaus schöne und sinnreiche Mythos der Schrift, der in seinen Grundzügen sich analog findet den Sagen mehrec Völkerstämme des Alterthums, dem Menschen zu Gemüthe führend den, durch eigene Schuld sich zugezogenen, Verlust seiner uranfänglichen Glückseligkeit, aber — meiner Ansicht zufolge — zugleich einen belehrenden Wink -gebend, wie dieser Tiefgefallene, trotz allen, fast unübersteiglichen, Hindernissen, dennoch durch eigene Kraftanstrengung, und durch diese allein, von feinem traurigen Falle sich wieder ׳erheben könne: dieser uraltes heilige Mythos hat, meines Wissens, noch keine völlig befriedigende, alle Theile desselben beleuchtende Exegese gefunden. Der Grund hievon mag wohl, dann liegen, daß seine Ausleger, weit entfernt, die Deutung desselben auf dem Wege der Erfahrung, in den nahen, uns täglich umgebenden Erscheinungen zu suchen, sich vielmehr auf dem weiten Felde theologischer und metaphysi-. scher Ideale verloren; da doch ungekünstelte Einfachheit und Gemeinfaßlichkeit Hauptcharakterzüge der heiligen Schrift, namentlich der Bücher Mosi's sind. Ja, wir dürfen es kühn annehmen, daß in der Urzeit, der Zeit der Mythen und Allegorien, wo die Sprache aus fast lauter Bildern bestehend, -mit dem Leben innig verwebt gewesen, das Verständniß dieser Mythe, wie einer bildlichen Schilderung über- Haupt, nicht allein dem Weisen und Gelehrten, sondern auch einem jeden Nachdenkenden zugänglich war. Ich will es daher wagen, meine Ansicht über diesen Mythos, eben um ihrer Einfachheit und Popularität willen, und weil sie zugleich all? Theile desselben umfaßt, der Beachtung denkender Leser vorzulegen; in der gegründetsten Ueberzeugung, daß'sie diesen geringen Beitrag zur Beleuchtung jener Urkunde des Alterthums, ihrer unbefangenen Prüfung nicht für unwerth erachten werden. Bevor ich jedoch zur eigentlichen Auslegung schreite, will ich als Belege für die Richtigkeit meiner Ansicht, mehre Schwierigkeiten hervorheben, auf die jeder aufmerksame Lehrer der Schrift stoßen muß, und welche, nach den bisher gegebenen Auslegungen ungelöst bleiben; wie auch, zu eben dem Zwecke und zum bessern Verständnisse der Mythe die Definition und nähere Bestimmung einiger im Urtexte vorkommender Ausdrücke und Redensarten vorausschicken. Den ersten Punkt betreffend, begegnen uns folgende erörternswerthe Schwierigkeiten: 1. Wird in unserer Mythe die Schöpfungsgeschichte auf eine ganz andere Weise, und in einer ganz andern — man darf sagen: widernatürlichen — Ordnung der Dinge dargestelll, als sie im ersten Kapitel — und zwar dem Gange der Natur genau entsprechend — war erzählt worden. 2. Werden die vier bedeutendsten Ströme der uralten Welt, wider alle geographische Wahrheit, auf einen und denselben Ursprung, einen Hauptstrom in Eden zurtückgeführt. Und verträgt es sich wohl mit der Würde und tiefen Weishe t des heiligen Mythendichters dies auf Rechnung seiner Unwissenheit zu schreibend 3. Muß einen jeden unbefangenen Leser die sonderbare, von so vielen seltsamen Umstanden begleitete, Schöpfungsweise des Weibes äußerst auffallen; da unsere Mythe zuerst den Mann ganz einzeln entstehen, ihm sodann alle ledendigen Geschöpfe vorführen, und erst nachdem er keine Gehilfin unter ihnen gefunden, ihm solche aus seiner eignen Nippe formen läßt, wo er endlich befriedigt sagt: Diese ist nun Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleische, diese soll Männin heißen, weil sie von einem Manne genommen ist. 4 Muß es uns befremden, daß der Lebensbaum nicht gleich anfangs die Aufmerksamkeit der ersten Menschen auf sich gezogen; da er ihnen doch — nach der Mythe ■— keineswegs verboten worden. Und will man auch — wie gewohnlich — annehmen, daß erst der Genuß vom Baume der Erkenntniß ihnen die Urtheilskrast verliehen, so hatten sie, dächte ich, keinen bessern Gebrauch von derselben machen können, als wenn sie unmittelbar darauf sich auch der kostbaren Lebensfrucht zu bemächtigen gesucht? Und warum äußert auch — nach der verblümten Sprache der Mythe — die Gottheit die Besorgniß vor diesem Schritte des Menschen erst dann, nachdem sie ihn mit den aller: schrecklichsten Flüchen heimgesucht hatte? " 5. Der Erkenntnißbaum ist mit den ZMAuten: טוב 1למאכל, חאוה לעינים, ונחמב להשכיל) ausgestMk, indeß"dW übrigen Räumen blos die schlichten Eigenschaften: .נחמד למראה וטוב למאכל zu Theil geworden; der Lebensbaum hingegen bleibt ganz ohne specielle Beschreibung, und ihm wird keine von den erwähnten Eigenschaften beigelegt. 6. Nachdem der Lebensbaum ganz unbenutzt geblieben, und von seiner Frucht, weder zum Wohle noch zum Wehe des Menschen der mindeste Gebrauch gemacht worden, zu 1) Siche weiter unten die Definition dieser Ausdrücke.

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