Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 50 (16.12.1843)
- Date
- 1843-12-16
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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198 was du durch alle Anstrengung nicht hast erlangen können, so bleibt dennoch die Flamme des Neides in deiner Brust ein verderbliches Feuer, welches noch die wenigen glücklichen Momente, die das,Geschick dir sendet, mit wilder Wuth dir rauben wird. So suche diese Leidenschaft im Keime zu ersticken, denn du versündigst dich gegen Gott, indem dein neidisches Herz ein Zeugniß liefert, wie du murrest gegen die Börsehung, wie du in Zweifel ziehst die göttliche Gerechtigkeit, wie du undankbar bist gegen den allgütigen Vater, dem du auch für das, was dir wenig und gering erscheint, zu vanken verpflichtet bist. Und ftrner sündigst du gegen dich selbst, wenn du den Neid aufkommen läßt in deinem Herzen, denn Solomo spricht: ורקב עצמות קנאה ״der Neid naget am Marke des Lebens;״ wie ein schleichendes Gift zieht der Neid durch dein Gebein, jeder Frohsinn weicht von dir, denn das Licht der Freude, das im Hause deines Bruders leuchtet, löscht die Fackel deiner eignen Freude aus; keine Gabe des Herrn beglückt dich, denn die Fülle der Güter, die du bei deinem Bruder mit neidischem Auge schauest, macht, daß du dich arm fühlest; keine Stellung genügt dir, denn wie du deinen Nächsten auf einer höher» Stufe findest, so fühlst du dich erniedrigt. — So schleichst du freudenleer durch dieses Leben, überall von trüben Schatten umringt, schaust mit Groll im Herzen zu den Hausern der Reichen empor, murrst gegen dein eigenes Geschick und findest in keiner Freude Labung und Trost, der Neid vergiftet dir jeden Freudentrank, und nur in einzelnen Momenten, wo es dir gelungen, deinen Bruder zu verdunkeln und in den Hintergrund zu ziehen, nur in solchen Stunden, wo der von dir Beneidete vom Schmerz und Unglück heimgesucht wird, da durchfährt fieberhafte Wonne deine Pulse und mit tückischer Lust labest du dich an dem Elend deines Bruders. So wie gegen Gott und gegen dich selbst, so auch versündigst du dich gegen die Mitwelt, wenn du die Leidenschaft des Neides nicht bekämpfen kannst; denn wie Josef's Brüder sich Hinreißen ließen zum Verbrechen, so wie bei ihnen die Flamme des Neides den Verrath erzeugte und die Sünde hervorrief, daß sie ihren Bruder verkauften und den Jammer ausschütteten über das greise Haupt ihres Varers, so wird ein Jederangefacht durch die Leidenschaft, vom Neide zum Haffe übergehen, und in blinder Wuth sich an seinem Nebenmenschen versündigen und so die Strafe Gottes auf sich hernieder ziehen. Ein Schritt führt den andern herbei/ eine Sünde ist die Mutter der andern, darum lasset uns den bösen Funken in unferm Herzen ersticken, damit er nicht zur Flamme werde, uns und Andere zu verderben. Gott aber möge uns Kraft geben, daß wir uns selbst bezwingen. Gott gebe uns Kraft des Willens, daß wir wandein in den Wegen der Tugend und Frömmigkeit. Amen. (S—f—d.) Die zwei mythischen Wunderbäume, oder makrobiotische Ppincipien in -er Genesis. Vorwort. Der ächte philosophische Denker muß — unbeschadet seines rcligiösen innern Gefühles, welches zu tief im menschlichen Gemüthe wurzelt, als daß es so leicht könnte wegdemonstr-irt wekden — bei seinen Forschungen nicht allein von allen anerkannten und entschiedenen Vorurtheilen, sondern auch von jeder herkömmlichen Meinung, von aller traditionellen Annahme völlig abstrahiren, und sich im Geiste auf einen Standpunkt stellen, von wo aus sein Blick, durch das ungetrübte Sehrohr der Vernunft, frei und ungehindert nach allen möglichen Richtungen dringen könne; sonst wäre keine Philosophie möglich.- Ohne sich demnach einer Jnkonseguenz schuldig zu machen, kann und muß jeder unbefangene Freund der Religion und der Wahrhrit sich — wenn ich mich so ausdrücken darf — in zwei Persönlichkeiten scheiden; so, daß während die wichtigsten Momente des Glaubens in seinem Herzen auf immer die gebührende Geltung finden, und er, in seiner Demuth, über solche nie decisiv aburtheilen mag, seine Vernunft in ihren Brennpunkt die von allen Seiten heranströmenden Strahlen des Wahrheitslichtes aufnimmt und sammelt, und in diese zwar, so lange sie mit den Aussprüchen der Religion in scheinbarem Widerspruche stehen, bescheidenes Mißtrauen setzt, ihnen jedoch die angesprochene Achtung nicht versagen kann noch darf. Es wird daher jeden vernünftig denkenden Leser nicht befremden, wenn ihm in folgendem Aussatze, Ideen begegnen die von der hergebrachten Ansicht divergiren; ungeachtet der, welcher sie ausgesprochen, versichern darf, daß es sein Gefühl äußerst verletzen würde, sollte man ihn auch nur der geringsten Lauigkeit gegen irgend einen wesentlichen Glaubenspunkt zeihen wollen. Und in dieser Zuversicht übergibt es Nachftebendes der Oeffentlrchkeit Arola Renner.