Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 50 (16.12.1843)
- Date
- 1843-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8620046-8635247-8637374--393-8620358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
1843. Diese Zeitschr. erscheint wöchentlich einmal,», zwar so, daß sie mit der P o st zum Sabbath überallhin versandt sein kann. DerPreis für bas halbeJahr ist 20 Sgr., ohne Porto; Zuschlag für Preußen. DiejenigenAbonnenten, welche wünschen, daß ihneu d. Blatt v. der Post in's Haus geschickt wer- Herausgegeben von Br. Hermann Sommerfeld, israelitischem Prediger in Elbing. Unter Mitwirkung der MV. I. L. Saalschütz und I. Fürst. de, zahlen bakür 2 Sgr. 6 Pf. halbjährlich aW festgesetztes Bestellgeld an das Postamt. Alle wohllöbl. Postanstalten u. Zeitungs - Expeditio: nen des Znu. Auslan: des nehmen Bestellun: gen an. — Außerdem kann das Sabbath - Bl. auch durch jede Buchhdl. bezogen werden. Sabbath Wajescheb, den 16. December. 23 פ' וישב. Kislew, 5604. Sabbath Der Neid. ״Israel liebte den Josef vor allen seinen Söhnen." 1 Buch Mose 36, 3. Eltern lieben alle ihre Kinder, denn ein jedes haben sie in Sorgen und Mühen großgezogen, ein jedes ist ein Theil ihres Glückes. — Nicht alle Kinder eines Hauses haben gleiche Anlagen. Das Eine zeichnet sich mehr durch Scharfe des Verstandes, das Andere mehr durch Fülle des Gemüthes aus, und solche Vorzüge entgehen dem Blicke liebender Eltern nicht. Aber unrecht ist es, wenn Eltern die Anerkennung dieser Vorzüge bemerklich machen, und Einem vor dem Andern, wenn auch nur äußerlich, einen Vorrang einraumen. — Josef war Jakob's Liebling, denn er zeichnete sich durch seine Liebenswürdigkeit aus, und der Vater war nicht stark genug, seine Vorliebe zu verbergen, sondern er zeichnete den Josef auch äußerlich aus, indem er ihm ein feines Gewand schenkte, welches dem Jünglinge besondere Freude gewähren mußte. Wenn auch Jakob einerseits durch dieses Zeichen der Liebe bezweckte, daß Josef, durch diese Aufmunterung, im Guten zunahm und sich bemühte, durch Frömmigkeit und Gottesfurcht die Liebe des Vaters zu verdienen, so war anderseits dadurch den Brüdern eine Veranlassung zum Neide gegeben, der sie später bis zum Verbrechen führte. — Die Schrift sagt: יצר לב האדם רע מנעריו ״des Menschen Herz ist böse von Jugend auf," im Grunde des Herzens, da lauern die Leidenschaften, die bei Veranlassung mit zerstörender Gewalt Hervorbrechen. Eine der verderblichsten Leidenschaften ist der Neid. Du kannst nicht mit allen deinen Brüdern auf gleicher Stufe des Glücks, auf gleicher Stufe der Bildung stehen, nicht mit allen ein gleiches Maaß der Freude, der Achtung und der Ehre theilen. Steht nun dein Bruder höher als du — warum willst du ihm seinen Platz misgönnen; hat er seine Stellung durch Kampf und Ringen, durch Mühe und Anstrengung erreicht, so bleibt es dir unverwehrt, ihm nachzueifern, um durch gleichen Kampf — gleichen Sieg zu erringen. Aber du sprichst: unverdient nimmt Jener eine höhere Stellung ein als ich; nicht durch eigne Mühe, sondern durch Zufall nnd Glücksspiel ist er in den Besitz so vieler Güter gekommen, und mir ist es bei aller Mühe und Anstrengung nicht möglich, auch nur eine Stufe zu erklimmen, so viel ich auch ringe, ich kann nicht gewinnen, so viel ich auch kämpfe, ich kann nicht siegen, mir winkt kein Hafen der Ruhe, mir öffnet sich keine Pforte des Glücks. — Freilich ist es keine ungewöhnliche Ersahrung, daß so Manche ohne alle Mühe, ohne eigne Thätigkeit zu den Höhen des Glücks gelangen, wahrend der treue unermüdete Kämpfer kaum einem Bissen Brod dem Geschicke abzwingen kann. Aber sei es auch, daß du mehr Ansprüche an das Geschick zu machen habest, sei es auch, daß deinem Bruder unverdienter Weise das gegeben worden, 50